gilets jaunes acte 14

Nur 4000 Demonstranten heute in Paris? Allein dieses Bild spricht eine völlig andere Sprache (Screenshot von der Demonstration am 16.2.2019)

Hohe Teilnehmerzahlen am Samstag, die vom Innenministerium klein geredet werden.

Betontes Desinteresse bei den Medien in Verbindung mit Desinformation.

Vermutlich inszenierter Zwischenfall, bei dem Alain Finkielkraut am Rande der Kundgebung, anitsemitisch beleidigt wurde.

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Obwohl die französische Regierung nach Kräften versucht, die Bewegung kleinzureden und von den französischen Medien dabei unterstützt wird, haben heute wieder frankreichweit über 100 000 Menschen an den Gelbwesten-Protesten teilgenommen. Nennenswerte Demonstrationen gab es dabei laut der Seite Nombre Jaune in mehr als 100 Kommunen in Frankreich. Die endgültigen Teilnehmerzahlen für den heutigen Samstag sollen morgen Mittag vorliegen.

Das französische Innenministerium versucht erneut und mit Methode die Bewegung durch falsche Zahlen (Fake News) kleiner zu machen, als sie ist, und zwar um den Faktor 10. Für 14.00 wurden Teilnehmerzahlen von 10 200 frankreichweit behauptet, obwohl allein die Hauptdemonstration, die heute bei sonnigem Wetter über die Champs-Elyseés lief, deutlich über zehntausend Teilnehmer hatte.

Die Strategie die Bewegung zu ersticken wird derzeit von den französischen, aber auch deutschsprachigen Medien mitgetragen. Auf vielen französischen Kanälen liefen keine Berichte über die Proteste, die heute ihr dreimonatiges Jubiläum hatten. Dies soll auch am morgigen Sonntag weiter gefeiert werden. Wobei feiern ein euphemistischer Begriff ist, weil es durch das aggressive Vorgehen der Polizei immer wieder Schwerverletzte gibt. Auch heute verlor eine Demonstrantin durch eine Polizeigranate ein Auge.

Acte 14

Einzelne Sender wie BMFTV berichten intensiv über die Proteste. Gegen Abend wurden vom Innenministerium 41000 Demonstranten eingeräumt, was immernoch eine Falschinformation darstellt

Sonntag geht es also weiter und man sollte auf Seiten der sozialen Medien ausweichen, um sich zu informieren. Die Facebook-Seite der Gilets Jaunes eignet sich für einen Überblick. In deutschen Medien wird kaum noch über die Proteste berichtet, die angeblich abflauen sollen. Das ist allerdings nicht der Fall. Die Proteststärke bleibt seit Wochen gleich und liegt über einhunderttausend Teilnehmern in Frankreich.

Die Forderungen der Gelbwesten werden dort heftig diskutiert In den nächsten Tagen erscheint im Gedächtnisbüro-Magazin ein Hintergrundartikel zur politischen Diskussion in Frankreich.

Anhängend finden sich noch Videos zur Taktik des französischen Establishments und der Regierung sowie vieler Medien, die Proteste klein zu reden und zu diffamieren. Leider alles auf französisch.

In der Überschrift dieses Videos wird gefragt, ob die gefilmten Teilnehmer nicht locker ein Stadion mit 80 000 Sitzplätzen füllen können?

https://www.facebook.com/2007947626164820/videos/247840906101321/

Ein Video von Arte analysiert die Taktik große Demonstrationen klein zu reden, indem man die Teilnehmerzahlen bewusst drückt

https://www.youtube.com/watch?v=DA_2BDUDokA

Ein Demonstrationsteilnehmer kommentiert diese bekannte Taktik der französischen Regierung mit den Worten: Das sei bekannt, man will die Bewegung diskreditieren.

https://www.youtube.com/watch?v=iXfw3Ijur6A

Hintergründe der Finkielkraut-Beleidigungen

Dann gab es noch die Beleidigungen am Rande der Demonstration gegen den französischen Intellektuellen Alain Finkielkraut welche sofort von den Medien aufgegriffen wurden und gegen die Bewegung gewendet wurden. Dies obwohl sich eine ganze Reihe von Gelbwesten und die Sprecher der Bewegung klar von diesen Beleidigungen distanziert haben Finkielkraut wurde als Zionist beschimpft und das Volk würde ihn bestrafen, er würde in die Hölle kommen…und so weiter.

Fakt ist jedoch, dass der Hintergrund dieser Beschimpfungen unklar bleibt. Auch am heutigen Sonntag sind die Medien vor allem damit beschäftigt, die Beleidigungen zu skandalisieren. Für die Hintergründe interessiert sich niemand. Möglicherweise bringt hier die Staatsanwaltschaft Licht ins Dunkel, die jetzt wegen Beleidigung ermittelt.

Interessanterweise gab es sofort eine Reihe von Videos, welche die Einlage gegen Finkielkraut, der eigentlich die Gelben Westen offiziell unterstützt hatte, sie zwischenzeitlich aber als grotesk empfindet, aus mehreren Perspektiven gefilmt haben.  Für die Dümmsten der Dummen gab es auch gleich Titelunterschriften in denen die Beleidigungen  verschriftlicht wurden. Schließlich waren die Männer, die Finkielkraut beleidigten ganz fraglich politisch fanatisierte Moslems, die auf ihre Chance gewartet haben. Da schaukelte sich nichts auf, sondern alles kam sofort, wie aus der Pistole geschossen und somit filmreif.

Wer auch immer Alain Finkelkraut da abgepasst hat, dürfte eine Absicht verfolgt haben, die Bewegung zu diskreditieren oder für eigene Zwecke zu benutzen. Es es ist ziemlich auffällig, in welchem Maße die Demonstrationen der Gelbwesten von radikalen Moslems gemieden wurden. Ganz offensichtlich sahen sie sich bei den Gilets Jaunes nicht richtig vertreten. Jetzt aber tauchen plötzlich ein paar radikale Moslems auf und provozieren einen Eklat?

Auf den Facebookseiten der Gilets Jaunes herrscht Empörung über diesen Übergriff vor. Viele sagen, dass nun der Gipfel der medialen Desinformation und der Diskreditierungskampagne gegen die Gilets Jaunes erreicht sei.

Davon muss man allerdings nicht ausgehen.

Macron ist in den letzten Monaten ganz erkennbar die französische Jugend davongelaufen und hat sich in hohem Maße mit den Gelbwesten identifiziert. Die Diffamierungskampagnen, die nun laufen, treffen auch die jungen Franzosen, die nicht bei der Mobilisierung dabei sind.

Das könnte allerdings nach hinten losgehen.