Acte 20 Paris

Sicher mehr als 1800 Teilnehmer, die das Innenministerium für Paris behauptete. Der Demonstrationszug ist heute mehrere Kilometer lang.

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Der Versuch die Gelben Westen in einer konzertierten Aktion von Medien und Ministerien abzuwürgen, scheiterte auch heute am 30.3.2019. Die Bewegung brachte erneut über einhunderttausend Menschen in ganz Frankreich auf die Straße, an einigen Orten trotz Demonstrationsverboten.

Acte 20 Bordeaux

Demonstration am 30.3.2019 in Bordeaux, heute außerhalb der Innenstadt, wegen der verhängten Demonstrationsverbotes.

So gab es in Bordeaux eine große Kundgebgung, wenn auch außerhalb der Innenstadt, in Toulouse ließen sich die Demonstranten nicht aus dem Zentrum vertreiben.

Acte 20 Toulouse

Demonstrationszug heute in Toulouse mit einigen tausend Teilnehmern.

In Nizza gab es nach Aufrufen von Attac, trotz Demonstrationsverbot eine Kundgebung mit Regenbogenfahnen. Diese sollte die Solidarität mit der 73 jährigen Geneviere signalisieren, die am letzten Samstag von einem Polizisten brutal niedergestoßen wurde und dabei mehrere Schädelbrüche erlitt. Inzwischen rudert auch die Staatsanwaltschaft in Nizza zurück, die am Anfang der Woche noch behauptet hatte, dass das Opfer nicht von einem Beamten gestoßen wurde. Tatsächlich zeigen Bilder, dass die Demonstrantin im vollen Lauf, entsprechend der Taktik der Polizei, niedergestoßen wurde und mit dem Kopf auf dem Kantstein aufschlug.

Macron hat sich zu diesen neuen Erkenntnissen in Hinsicht auf das brutale Vorgehen der Polizei, noch nicht geäußert. Er hatte am letzten Wochenende die Frau mehr oder weniger verhöhnt, in dem er öffentlich sagte, wenn man gebrechlich sei, sollte man nicht an einer verbotenen Demonstration teilnehmen.

Das wurde ihm in ganz Frankreich verübelt. Mal sehen, wie er sich nun über die Schwerverletzte äußert.

Unglaublicher Zynismus im Umgang mi den Gelben Westen

Der Bürgermeister von Bordeaux wünscht sich für Samstag eine Ausgangssperre, während in Paris immer weitere Bereich der Innenstadt mit Demonstrationsverboten belegt werden.

Die Zahl der Verhaftungen am heutigen, einhellig in den Medien als weitgehend friedlich bezeihneten Tag, lag bei 250 Teilnehmern.

Die Taktik der Regierung Macrons gleicht fast ums Haar der russischen Taktik im Kampf gegen die Oppositionsbewegung von Alexeij Nawalny.

Verhaftungen im Bereich von hunderten und tausenden Teilnehmern, also sehr groß angelegt, um die Demonstranten von vornherein abzuschrecken.

Delegitimierung der gesamten Bewegung als illegale Opposition unter Einbeziehung der Medien und der Justiz (wird in Frankreich und Russland fast identisch so gehandhabt).

Sowohl Macron, als auch Putin äußern sich in hohem Maße zynisch und entwertend über die Opposition, unterstellen beide, dass die jeweilige Bewegung vom Ausland unterstützt wird und erklären sie als destruktiv und staatsfeindlich.

Es ist erstaunlich, wie in unseren westeuropäischen Ländern Basisbewegungen von der herrschenden Elite auf exakt die gleiche Weise bekämpft werden, wie im angeblich so autoritären und undemokratischen Russland.

Allein diese Beobachtung macht es notwendig, die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich weiter zu unterstützen.