Acte 24 bordeaux

Telefonierende Demonstrantin

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Tausende Gelbe Westen auf den Straßen gegen das Blabla des Präsidenten, titelt heute LeMonde und bringt damit auf merkwürdig solidarische Weise den Gedanken der Bewegung auf den Punkt. Lag es an den angekündigten Steuerreduzierungen um insgesamt mindestens fünf Milliarden Euro, die laut Macron den einfachen Bürgern zu Gute kommen sollen, dass die Medien in letzter Zeit nicht gut auf ihn zu sprechen waren.

LeMonde ist eine der Zeitungen die den gehobenen bürgerlichen Mittelstand repräsentiert, der bei den Geschenken des Präsidenten an das einfach Volk wohl leer ausgehen wird. Vielleicht ist das der Grund, dass auch andere Zeitungen heute eher für, als gegen die Gilets Jaunes geschrieben haben, die ihrerseits mit den Medien fertig sind und heute eigentlich Demonstrationen vor Fernsehstationen und Zeitungsredaktionen veranstalten wollten. Das war dann aber wohl doch nicht so interessant. Es kamen teilweise nur Kleingruppen von maximal 20 Leuten zu den Medien.

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Straßensperren und Demonstrationen auf den Plätzen

Am 1. Mai aber werden die arg dezimierten Demonstrationen (heute etwas über Sechzigtausend frankreichweit und laut Innenministerium nur die Hälfte) Zulauf bekommen, denn dann haben sich die Gewerkschaften ebenfalls angekündigt und werden mit den Gelben Westen gemeinsam auf die Straße gehen, als Zeichen der Solidarität.

Der schwarze Block befand sich heute übrigens in Strassbourg, wo man versuchte den Weg in die Innenstadt frei zu kämpfen, was nicht gelang. Die Demonstranten mussten in der Peripherie laufen, durch Wohnblocks und konnten lediglich das Parlamentsviertel mitnehmen.

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Toulouse und Bordeaux in Stimmung!

Insgesamt blieb es heute auffallend friedlich. In Marseille, wo ebenfalls ein paar Tausend unterwegs waren, herrschte Volksfeststimmung und in Toulouse ebenfalls. Bordeaux war etwas weniger besucht, ebenso wie Lille. Daneben die üblichen Blockaden an den Verkehrsknotenpunkten.

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Paris hatte wieder eine der größten Demonstrationen, daneben Bordeaux deutlich schwächer besucht

In Paris waren ebenfalls wieder einige Tausend Demonstranten unterwegs, ohne gravierende Zwischenfälle, wie es sie am letzten Wochenende gab, als mehrere hundert Demonstranten festgenommen wurden (man denke an Russland, wo das auch so gemacht wird).

Spannend wird also der 1. Mai am kommenden Mittwoch, auch deshalb, weil Macron von den Franzosen verlangt, sie sollen im Gegenzug zum Steuerverzicht des Staates, doch bitte mehr arbeiten. Die Abschaffung der 35 Stunden-Woche und der Verzicht auf ein bis zwei Urlaubstage soll wohl das Geschenk an die Wirtschaft werden. Die Gewerkschaften jedenfalls sind schon ordentlich sauer!