60646291_421314941780000_4478243154067193856_n

Nombre Jaune, die Selbstzählung der Gelben Westen vom 18.5.2019

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die gelben Westen sind der französischen Regierung inzwischen so verhaßt, dass es kurz vor der Europawahl eine Art Lügenwettbewerb gibt, wer die niedrigsten Teilnhemerzahlen für den letzten Samstag behauptet und damit durchkommt.

Das Innenministerium, Castaner, hatte dabei die Nase vorn mit behaupteten 2800 Teilnehmern frankreichweit, davon 1100 in Paris.

Le Figaro kolportiert diese Zahl unkritisch, obwohl im selben Artikel eine Aufzählung von Demonstrationen erfolgt, die schon mindestens das Dreifache an Teilnehmern ergeben.

Reims 1000

Nancy 2000

Paris 1000

Lyon 300-400

St Nazaire 300

Toulouse 2500

Gesamt: 7100

Später korrigiert die Zeitung sich dann und spricht von 15000 Demonstranten frankreichweit. Die Gilets Jaunes geben in ihrer einschlägigen Website, Nombre Jaune , zunächst 40497 Teilnehmer an 152 Orten an, am Ende dann 42128 Demonstranten an fast 300 Orten.

Die Wahrheit liegt nicht mehr in der Mitte

Auffällig ist der „Wahrheits-Gap“ zwischen den Angaben der Gelben Westen und dem Innenministerium schon. Die Lücke war nie so groß, wie eine Woche vor der Europawahl. Die Teilnehmerzahlen lagen zwanzig Mal so hoch, wie vom Innenministerium behauptet, bisher waren lediglich Abweichungen auf die Hälfte oder ein Drittel der realen Teilnehmerzahlen vom Innenministerium gewagt worden.

Passend dazu behauptete Macron an diesem Wochenende, die Gelben Westen hätten kein politisches Gewicht mehr.

Ob das so ist, darf bezweifelt werden. Derzeit laufen in Frankreich zwei Petitionen über Forderungen der Gilets Jaunes recht erfolgreich. So hat die Forderung nach einer permanenten Volkabstimmung (RIC) bereits einhunderttausend Unterschriften gesammelt, während die Forderung nach einer Begrenzung der Benzinpreise sogar 1,2 Millionen Unterschriften bekommen hat. Durchgeführt wird diese Petition von der Aktivistin, Priscillia Ludosky.

Sechs Monate nach ihrem Debut, ist die Bewegung der Gelben Westen alles andere als geschlagen, ihr politisches Gewicht, das Macron so leidenschaftlich kleinredet, ist weiterhin erheblich. Es gibt auch Solidarisierungen der Gewerkschaften, wie am 1. Mai mit hunderttausenden Teilnehmern frankreichweit, unschwer zu erkennen war.

Faktisch lügt die Regierung Macron die Bewegung klein und überlässt die politische Lösung weiterhin dem Innenministerium und der Polizei.

Am Samstag gab es erneut eine schwer verletzte Demonstrantin, die mit schweren Kopfverletzungen ins Krankhaus kam, weil sie von der Polizei brutal überrannt wurde. Ein Taktik die gegen kleine Gruppen von Demonstranten fast schon routinemäßig umgesetzt wird. Eine Siebzigjährige wurde vor einigen Wochen in Nizza ebenfalls Opfer dieses brutalen Niederstoßens durch die Sicherheitskräfte und erlitt schwere Hirnblutungen.

Trotz aller Manipulationen und Lügen, trotz aller Brutalität. Es ist der französischen Regierung nicht gelungen, diese Bewegung niederzuschlagen, zu zerstreuen oder aufzulösen.

„On est la!“ tönt es auf den Demonstrationen „Wir sind noch da!“