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Auch am letzten Samstag waren die Gelben Westen wieder zu Tausenden auf Frankreichs Straßen (Screenshot)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Das Ausmaß an Polizeigewalt nimmt in Frankreich von Samstag zu Samstag zu. Der letzte Demonstrations-Samstag der Gelben Westen zeigt vor allem auf der Gegenseite, in welchem Maße die Gilets Jaunes einen französischen Polizeistaat offen gelegt oder provoziert haben.

Trotz geringer Teilnehmerzahlen beim Acte 32 häufen sich brutale Übergriffe gegen einzelne Demonstranten, die jeweils auch auf Videos festgehalten und publiziert wurden.

https://www.facebook.com/dan.faure.3/videos/332902107405485/UzpfSTEwNTQ4MzkwNDQ6NTM0NjI2MjAwNjg5Mjg2/

Einige Beispiele zeigen, dass keinesfalls die klassisch uniformierten und gerüsteten Einsatzkräfte allein das Bild der Gewalt prägen. Die polizeilichen Hilfskräfte eskalieren die Situation häufig und provozieren damit Szenen massiver Gewalt.

Das Modell Benalla

Der ehemalige persönliche Sicherheitschef des französischen Präsidenten, der ebenfalls Sicherheitschef seiner NGO En Marche, während des Präsidentschaftswahlkampfes war, hat vor über einem Jahr bereits Schlagzeilen gemacht, indem er mehr oder weniger nicht legitimiert auf Seiten der französischen Polizei mitprügelte.

Dieses Modell Benalla hat ganz offensichtlich Schule gemacht und lässt sich auch als Modell der roten Armbinde bezeichnen.

Wir erinnern uns, dass der Saalschutz der Nazis anfangs auch nicht uniformiert war, sondern durch SS und SA Armbinden gekennzeichnet war. Aus diesem Saalschutz ging dann die persönliche Elitetruppe Hitlers hervor. Macron scheint ähnliche Tendenzen zu haben, sich eine eigene Sicherheitsgruppe aufbauen zu wollen. Benalla war also kein Einzelfall, sondern, wie sich im Verlauf der Gelbwesten-Proteste zunehmend zeigte, ein Modell.

Die Franzosen sind sauer, die Gilets Jaunes sind zugleich entmutigt, weil sie bereits bei kleineren Kundgebungen von einer Übermacht der staatlichen Provokateure mit Armbinden und der Polizei empfangen werden. Normale Bürger wollen sich so etwas nicht antun.

Die Wut einer Autofahrerin, die im Verlauf der letzten Verkehrsblockade der Gilets Jaunes, festsaß, richtete sich aber eindeutig gegen Macron. Die temperamentvolle Wutrede gegen Macron kursiert zurzeit im Netz.

https://www.facebook.com/watch/?v=1752585238102818

Am 14.7. ist eine Großdemonstration in Paris geplant. Mal sehen, ob sich die Gilets Jaunes tatsächlich entmutigen lassen. Der Acte 35 wird es zeigen.