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Polzisten versuchen während der Parade Gilets Jaunes von Besuchern der Parade zu trennen (Screenshot)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Eigentlich sollte es ein ungestörter Feiertag werden, der 14. Juli in Paris. Aber die Gilets Jaunes hatten bereits angekündigt, „mitfeiern“ zu wollen, wofür sich insbesondere die Militärparade auf den Champs Elyseés anbot.

Was dann tatsächlich passierte, wurde von Macron und Castaner mit Zufriedenheit quittiert (Kanzlerin Merkel war auch auf der Tribüne). Die Parade lief ungehindert ab und lediglich der Präsident musste beim Vorbeifahren aus der Menge „Macron Demission!“ (Entlasst Macron) und jede Menge Aouh und Trillerpfeifen hören. Die ganze Aktion der Gelben Westen dauerte etwa 10 Minuten, dann wurde die Menge von der Polizei in eine Seitenstraße gedrängt und dort bewacht. Etwa ein- bis zweihundert Aktivisten waren davon betroffen.

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Ein Hubschrauber kreiste direkt über dem Abschnitt des Boulevards, in dem sich die Gelbwesten befanden (Screenshot)

Währenddessen hörte man von Verhaftungen der wichtigsten Köpfe der Gilets Jaunes: Eric Drouet, Jerome Rodriguez und Maxime Nicole. Ersterer wurde sogar wegen „Rebellion“ verhaftet, eine Straftatbestand, der in Frankreich  zwischen sechs Monaten und sieben Jahren Gefängnis einbringen kann.

Innenminister und Premier äußerten sich in etwa so ignorant wie immer per Twitter. Beide meinten, dass man die Störer auf der Tribüne nicht hören konnte. Man war stattdessen gemeinsam fasziniert von der Vorführung eines fliegenden Mannes auf einem Jet-Board.

Während die Gelben Westen bis zum Ende der Parade nicht mehr in die Prachtstraße gelassen wurden, lieferte sich der schwarze Block, zunächst nur mit 60 Personen, eine Schnitzeljagd mit der Polizei, wobei vor allem das Gebiet rund um die Pigalle bis zum Place du Clichy Schauplatz der Auseinandersetzung war.

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Ein kurzes Scharmützel und der Schwarze Block verschwand in den engen Seitenstraßen rund um die Pigalle. Mehrere Fahrzeuge gingen in Flamen auf. (Screenshot)

Auffallend war die Fähigkeit der Militanten, sich nach einer Aktion, in der sie Fahrzeuge anzündeten, sofort wieder in Luft aufzulösen. Sie blieben dann sowohl für die Polizei, die in Motorradkolonnen durch die Pigalle fuhr, als auch für Journalisten unauffindbar.

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Plötzlich waren der Schwarze Block verschwunden und tauchte später auf den Champs wieder auf (Screenshot)

Nach Ende der Parade fanden sich aber nicht nur die Gilets Jaunes, sondern auch der Schwarze Block wieder auf den Champs Elysée ein und lieferten sich dort nachmittags die schwersten Straßenschlachten auf dem Boulevard seit dem 16.3.2019. Im Verlauf der Auseinandersetzungen, an denen mindestens dreihundert Militante beteiligt waren, wurde auch eine Frau schwer verletzt.

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Auseinandersetzungen auf dem Boulevard nach der Parade. Es gab Tränengas, Wasserwerfer und eine schwerverletzte Demonstrantin (Screenshot)

Gegen Abend liefen weitere kleinere Scharmützel mit der Polizei ab, eine schwere Straßenschlacht fand aber letztlich nicht statt. Die Militanten profitierten bei einer zehnfachen Übermacht der Polizei vor allem von den zahlreichen Barrikaden, die noch von der Parade auf dem Boulevard standen und ihnen die Möglichkeit gaben, schnell und flexibel Straßensperren zu errichten , die es der Polizei dann unmöglich machte, in großen Einheiten auf die Demonstranten zu zulaufen.

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Böse Stimmung auf den Champs-Elysée nach der Parade (Screenshot)