acte 37b

Demonstration in Paris am letzten Samstag (Screenshot)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Es wird viel diskutiert in den sozialen Netzwerken und die Gilets Jaunes in Frankreich sind ausgezeichnet vernetzt. Die Bewegung hat ihre eigenen Foren und nutzt sie, um an ihrem politischen Profil zu feilen.

Regelrechte kleine Talkrunden, die auf die Initiative von Aktivisten bei Facebook via „Facetime“ durchgeführt werden, zeigen die Gesichter der Bewegung in ihrer eigenen Wohnumgebung. Mit der Zigarette in der Hand, wird beratschlagt, welche Aktionen am wirkungsvollsten sind, wie man die Menschen noch besser mobilisieren kann und mit welchen Forderungen man sich politisch aufstellen sollte.

Les Citoyenne en colere

Screenshot einer Diskussion auf Facebook (Facetime) mit dem Titel “Les Citoyennes en colere” (Screenshot)

Die Aktionen, das hat auch der letzte Samstag gezeigt, sind vielfältig und kreativ. In Anspielung auf die vielen Verletzten der Proteste wurde ein Brunnen in Paris blutrot gefärbt. Die eigentlich Demonstration hatte mehrere tausend Teilnehmer und stand vor allem im Gedenken an Steve, einen 24 jährigen, der bei der Räumung der Fete de la Musique in Nantes vor einem Monat ertrunken war. Die Polizei hatte diverse Demonstranten in die Loire getrieben, wenn man den Veranstaltern glaubt. Veröffentlicht wurde ein Video, das durch die französischen Medien ging und zeigte, wie aggressiv man die Feststeilnehmer der politischen Veranstaltung in Richtung Wasser jagte. Eine Mitschuld der Sicherheitskräfte wird seitdem in Frankreich heftig diskutiert.

Acte 37

Blutroter Brunnen, der an die vielen Verletzten der Demonstrationen erinnern soll (Screenshot)

Insgesamt waren über 18000 Menschen in Frankreich auf der Straße, was für den Urlaubsmonat, August, eine beachtliche Zahl darstellt.

Am heutigen Samstag, Acte 39, ist erneut ein Marsch in Nantes geplant, der an die ungeklärte Schuld der Sicherheitskräfte beim Tod von Steve Maia Caniço erinnern soll. Für Paris ist heute ab 10.00 eine Demonstration geplant, die entlang des 16. Arrondissements vor allem in weiterer Entfernung an den Regierungsinstitutionen und den Champs-Elyseé vorbeiführen soll, die nur an ihrem untersten Ende als Demonstrationsroute genehmigt wurde, weit entfernt vom Arc de Triomphe.

acte 39

Heutige Demonstrationsroute in Paris, wobei die eigentlichen städtischen Mittelpunkte von Paris nicht genehmigt wurden (Screenshot)

In vielen anderen französischen Städten sind ebenfalls Kundgebungen geplant.