benalla

Alexandre Benalla im Einsatz (aber doch nicht für Russland)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Zu guter Letzt. In Frankreich läuft eine Diskussion, ob die Affäre Benalla von russischen Trolls gesteuert wurde.

Anstoß zu dieser Diskussion gab die Untersuchung des belgischen Forschers, Nicolas Vanderbiest, die am 10.8.2018 veröffentlicht wurde. Dort wurde das Aktivitätsmuster ausgesuchter „Twitter-Kontos“ in den letzten Wochen analysiert. Ein großer Teil dieser Kontos war bereits während der Präsidentschaftskampagne 2017 untersucht worden.

Vanderbiest stellte eine Hyperaktivität verschiedener Twitter-Gruppen zum Thema Benalla fest, die auch schon bei der Präsidentschaftskampagne gegen Macron aktiv gewesen seien.

Im Einzelnen stellte er folgende Gruppen (im Sinne von Stichproben) dar:

Parmi ces hyperactifs, on retrouve différents réseaux identifiés pendant la présidentielle française : (Unter den Hyperaktiven (Twitterkonten) hat man verschiedene Quellen gefunden, die auch während der Presidentielle indentifiziert wurden.)

 

    27 % font partie de l’écosystème qui relayait les médias Russia Today et Sputnik en février et mars 2017 (pendant la campagne présidentielle française de 2017 et avant la diffusion de la chaîne RT en France qui date de décembre 2017).

(27% die im Zusammenhang mit Russia Today und Sputnik gesehen wurden)

    9,43 % faisaient partie des 840 comptes ayant partagé au moins trois désinformations durant la présidentielle qui ont été identifiées comme telles par Crosscheck, un projet de FirstDraft, organisme référent de fact-checking.

(9,43% ein Teil von 840 Konten bei denen im Mittel drei Desinformationen während der Presidentielle durch FirstDraft nachgewiesen wurden)

    2,8 % faisaient partie des quelque 1653 acteurs qui ont amplifié les #Macronleaks 2 à 3 heures après leur publication.

(2,8% ein Teil von 1653 Akteuren, die #Macronleaks in den ersten Stunden nach deren Veröffentlichung vergrößert haben)

 

Die Kritik an dieser Untersuchung blieb nicht aus. Die Schlussfolgerung, dass dann knapp 43% der Aktivitäten auf Twitter in der Affäre Benalla politisch gesteuert waren (und zwar überwiegend von russischen oder russophilen Accounts, wurde nicht so richtig geschluckt. Die Methodik litt etwas darunter, dass die Stichproben eben auf diese russophilen Accounts zugeschnitten war und deshalb natürlich nur aussagte, dass 43% der vorher als Anti-Macron oder russophil geltenden Accounts auch in der Affäre Benalla hyperaktiv waren.

Der Autor hat sich heute verteidigt und wirkt dabei nicht sehr sattelfest, was die eigene Studie angeht. Zu den methodischen Fehlern konnte er kaum etwas vorbringen, so offensichtlich sind diese.

Den Vorwurf, die Affäre Benalla als russische Propaganda in den Bereich der Fake-News zu ziehen, wies er jedoch von sich. Russophil bedeute ja noch lange nicht, dass die russische Regierung dahinter stecke.

Wie auch immer.

Der Geschmack bleibt, dass wir zunehmend in einen Automatismus geraten, dass alles, was gegen die Regierung läuft, bestimmt aus Russland kommen müsse. Am Ende ist unsere ganze Opposition russische unterwandert?

Die Affäre Benalla ist wirklich eine urfranzösische  Affäre, auch wenn, neben allen etablierten französischen Medien, auch ein paar suspekte Twitteraccounts an ihrer Verbreitung in der Öffentlichkeit beteiligt waren.