Bealla die Zweite

Auch hier haben Benalla und Compagnion zugeschlagen. Video-Screenshot vom Jardin des Plantes am 01.Mai in Paris. Im Zentrum dieser Gewaltaktion auch sein Kollege Vincent Crasse.

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Benallas Fehltritte am 1.Mai waren offensichtlich zahlreicher und systematischer, als gedacht. Ein neues Video ist aufgetaucht.

Erneut tauchte gestern ein Video vom 1.Mai 2018 auf, in dem Alexandre Benalla und sein Kollege Vincent Crase, im Jardin des Plantes, einige Stunden vor den bekannten Ereignissen am Place de Contrescarpe ebenfalls dabei aufgenommen wurden, wie sie einen Demosntranten gewaltsam wegschleppen.

Vor dem Auftauchen des Videos hatte Benalla noch angegeben, dass er im Jardin des Plantes lediglich die Aktionen der Polizei verfolgt habe und in gemessenem Abstand mit seinem Kollegen hinter den Polizisten gewesen sei. Eine “Festnahme” von Demonstranten hatte er abgestritten.

Die Sache wird langsam eng für Benalla und auch für den französischen Präsidenten. Eine halboffizielle Prügel-Garde ohne Polizeivollmachten, die sich Macron hier zusammengestellt hat, sagt einiges über die Meinung Macrons zur Gewaltenteilung aus.  Ein typisches Verhalten von Diktatoren, die sich der demokratisch gewählte Präsident hier anzueignen scheint. Vom Saalschutz Adolf Hitlers, aus dem später SA und SS rekrutiert wurden bis zu den Todesschwadronen der südamerikanischen Diktatoren.

“Todesschwadronen sind offiziell meist illegal. Inoffiziell werden sie von der jeweiligen Regierung jedoch häufig geduldet, unterstützt oder sogar gesteuert.”(Wikipedia)

Im Keim liegt ein solcher Fall einer inoffiziellen und illegalen, bewaffneten Gruppe vor, die vom Elysée und auf Geheiß des Präsidenten, an allen Sicherheitsstrukturen vorbei, installiert wurde. Kohler, der Chef des Elysée, bezeichnet diese Strukturen suffisant als Cheffrie, was impliziert, dass diese Leute mehr Einfluss haben, als die offizielle Sicherheitsgruppe des Präsidenten und die Polizei zusammen.

Wie eine Vernehmung des Generalsekretärs von EnMarche vor der Untersuchungskommission ergab, zweifelt auch Christophe Castaner, an den derzeitigen Sicherheitsstrukturen seiner Organisation (LREM). Man habe ein externes Unternehmen beauftragt, hier ein professionelles Konzept zu entwickeln.

Dieses Signal beruhigt ein wenig. Allerdings ist die Idee einer eigenen “Privatpolizei” für En Marche, die sich offensichtlich im Elyseé durchgesetzt hat, ein dermaßener Beweis von demokratischer Unsensibilität, dass man generelle Zweifel an der demokratischen Verfasstheit von EnMarche haben darf.

Für eine Transparenzoffensive dieser recht undurchsichtigen, parteienähnlichen, aber nur ähnlichen, Organisation von Emanuel Macron, scheint es jetzt schon etwas spät zu sein!