Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Ein geniales Konzept könnte 2021 wieder zum Leben erweckt werden. Der C1 Roller von BMW.

Als extrem teurer Lifestyle-Roller um die Jahrtausendwende von BMW auf den Markt gebracht, führte die „Kabine auf 2 Rädern“ fortan ein kümmerliches Nischendasein. BMW ging dann wenige Jahre später mit dem Konzept in die Knie und verschleuderte die restlichen C1-Roller zu Schnäppchenpreisen.

Auch ich habe mir bei dieser Gelegenheit einen C1 zugelegt und den 125er jahrelang gefahren, bis ich ihn (Wunder gibt es immer wieder) 2006 mit leichtem Gewinn wieder verkaufen konnte. Der Roller war zu dem Zeitpunkt schon extrem begehrt.

Das Konzept des C1, das als beste Features einen effektiven Wetterschutz und helmfreies Fahren bot, hatte allerdings deutliche Schwächen.

Der Schwerpunkt wanderte durch die stabile Dachkonstruktion zu weit nach oben, was zum Abkippen in eng gefahrenen Kurven bei niedriger Geschwindigkeit führen konnte. Einen Führerscheintest, bei dem man mit Schrittgeschwindigkeit um eng gestellte Pylonen kurven muss, möchte ich mit einem C1 Roller lieber nicht machen.

Das andere Problem, das noch mehr nervte, waren die Motorgeräusche, die innerhalb der Fahrerzelle auftauchten. Die waren teilweise unerträglich. Während der Roller verhältnismäßig moderat in der Geräuschentwicklung nach außen war, konnte man in der Zelle erleben, wie sich Motorgeräusche bis zur Schmerzgrenze hochschaukeln.

Beide Probleme, der zu hohe Schwerpunkt und die Motorgeräusche ließen sich durch ein E-Konzept des Rollers lösen, auch wenn BMW offensichtlich kein Interesse mehr daran hat.

Eine E-Bike-Firma aus München nimmt das nun in Angriff. Der Hersteller Govecs, der auch schon die E-Schwalbe erfolgreich auf den Markt gebracht hat, bekommt offensichtlich das Konzept des C1 Rollers von BMW. Zu welchem Preis ist nicht bekannt.

Der Preis des Rollers, der damals schon ein wesentlicher Knackpunkt war (weit über 10 000 DM für einen 125er mit entsprechender Ausstattung), dürfte auch bei dem E-Konzept problematisch werden. Denn der E-Roller spricht zunächst die junge, urbane Avantgarde an, die keinesfalls so kaufkräftig ist, wie die normale Mittelschicht.

Der Roller dürfte also 10 000 Euro nicht überschreiten, was schwierig werden könnte.

Man darf gespannt sein. Die E-Schwalbe jedenfalls ist mit 5400 Euro schon ein recht teures Retrokonzept. Der C1 dürfte wesentlich teurer werden.