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Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Der erste Mai war in Berlin mal wieder äußerst revolutionär und anarchisch. Hier der Bericht von der Rollerausfahrt am Kudam und der Randale in Kreuzberg (letztere durch die Berliner Zeitung).

Nachdem gestern bereits die offizielle Mai-Demonstration von Gewerkschaften und Konsorten abgearbeitet wurde, kam heute der inoffizielle, man könnte sagen, erfreuliche Teil der Maifeierlichkeiten bei schönstem Sonnenschein.

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Auf dem Kudamm wurde die Rollersaison eröffnet. Hunderte von Rollerfahrern, auch klassische Mofafahrer auf Solex und ähnlichen motorisierten Fahrrädern, knatterten mittags von Ampel zu Ampel. Alles vollkommen ohne Polizei.

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Polizei am Kudam nicht zu sehen, waren alle in Kreuzberg

Die hatte alle Hände voll zu tun, um den „Revolutionären 1.Mai“ in Kreuzberg und das „Myfest“ auf dem Lausitzer Platz zu bändigen. Beide Veranstaltungen waren natürlich nicht genehmigt worden und beide Veranstaltungen fanden selbstverständlich statt. Zwischen sieben- und dreizehntausend Leute sollen teilgenommen haben.

Die Berliner Zeitung berichtet über die traditionelle Randale in Kreuzberg. Hier einige Zitate (gesperrt gedruckt):

Die Polizei nahm mehrere junge Leute fest, die selbstgebastelte Sprengkörper mit sich führten. Für einen sicheren Abtransport mussten die Entschärfer der Polizei anrücken.

Augenzeugen berichten, dass Demonstranten auf dem Lausitzer Platz von Flaschen und Steinen getroffen werden, die von Demonstranten geworfen wurden.

Die Polizei hat zwei Personen im Bereich der Skalitzer Straße festgenommen. Bei einem der Festgenommenen handelt es sich um einen Rollstuhlfahrer (Kommentar meiner Frau: Die anderen waren wohl schneller als die Polizisten?)

Zwischenzeitlich hatte ein Mann mit Hakenkreuz in der Hand versucht den Demoaufzug zu stoppen.  Er scheiterte und bekam auf die Mütze, das heißt einen Faustschlag ins Gesicht.

Offensichtlich wurden die erbitterten Auseinandersetzungen auch mittels modernster Kommunikationstechnik geführt. Polizei und Demonstranten boten anscheinend alle verfügbaren Waffen auf:

Zeugen wollen gesehen haben, dass die Polizei Geräte einsetzt, mit denen Handygespräche mitgehört werden können.

Schaulustige fotografierten die Szenerie mit ihren Handys.

Auf einem Foto sieht man, wie ein verletzter Demonstrant mit seinem Smartphone gegen die Polizei vorgeht.

Den von der BVG gemeldeten brennenden Bauwagen kann die Polizei nicht feststellen. Im Bereich der Kottbusser Straße und am Kotti kommt es immer  wieder zu vereinzelten Festnahmen. Partygäste des Myfests verlassen das Areal. Vielleicht auch, weil einige morgen wieder zur Arbeit, Uni oder Schule müssen.

20.10 Die Demo endet jetzt am Lausitzer Platz. Hier mischt sich nun das Partyvolk mit den Demonstranten. Ob es friedlich bleibt, bleibt abzuwarten. Überall liegen Glasflaschen herum.

Die Gefahr eines erneuten Aufstandes ist bekanntlich erst gebannt, wenn die BSR alle Flaschen weggeräumt hat.

Na dann.

Herzlichen Dank an die Berliner Zeitung für diese eindrucksvolle Reportage.2016-05-01 13.16.32