Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Starke Menschen entschuldigen sich nicht, was auch viele Vorteile hat.

Wann hat sich je ein Grüner für etwas entschuldigt, titelt Henryk M. Broder in der Welt. Es gibt Leute, die entschuldigen sich einfach nicht, weil das für sie ein Zeichen von Schwäche ist.

Mit den Grünen hat Broder natürlich ins Schwarze getroffen. Aber was ist mit russischen Politikern oder Erdogan, was ist mit der AfD?

Es gibt eben solche Leute.

Es gibt anscheinend Vorteile bei dieser subjektiven Unfehlbarkeit. Schauen wir einmal welche.

Meine Frau (Ex) hat sich auch nie bei mir entschuldigt, verlangte aber permanent Entschuldigungen von mir. Beides scheint zusammen zu gehören, die anderen zum Kotau aufzufordern und sich selbst dabei herauszunehmen. Das machen die Grünen mit Wonne, aber auch AfD-Politiker, Putin und seine Crew, sowie Erdogan und übrigens auch Donald Trump.

Was auch noch dazu gehört, darauf zu lauern, dass der andere einen Fehler macht, den man ihm servieren kann, mit der Aufforderung zur Entschuldigung natürlich. Das macht auch die gesamte westliche Politikerschicht vorzugsweise mit östlichen Renitenten, wobei wir wieder bei Putin, aber auch Orban, Erdogan und Kaczynski wären, die das auch tun, ganz besonders Recep Erdogan!

Auch habe ich noch Berufskollegen vorzuweisen, die sich so verhalten und dafür reichlich gehasst werden oder wurden.

Starke Reaktionsbildung gegen den Hass anderer und auf andere

Da wären wir auch schon beim Knackpunkt des ganzen Dilemmas. Denn alle Leute, die sich so verhalten, werden mehr oder weniger gehasst und haben sich bereits daran gewöhnt. Es ist ihnen egal. Vor allem deshalb egal, weil sie selbst die anderen hassen. Warum soll man sich bei jemandem entschuldigen, den man hasst? Noch einen Schritt weiter, warum soll man einen Kotau vor jemandem vollführen, den man stattdessen einfach hassen kann?

Dabei wären wir schon bei einem psychologischen Benefit dieser Art von Unbeugsamkeit. Wer sich an den eigenen Hass gewöhnt hat, möchte auf die Vorteile nicht mehr verzichten und entschuldigt sich folglich niemals!

Eine Grundeinstellung, die ich in dem russischen Teil meiner binationalen Familie seit Jahren beobachte, was auch zu unserem Scheitern wesentlich beigetragen hat. Entschuldigen ist eine Angelegenheit von Schwachen, die Starken hassen stattdessen, auch dann, wenn sie eigentlich die Schwächeren sind.

Man kann auf diese Weise einiges Durchsetzen, wie man an den Grünen, an Putin, an Erdogan, an Orban, Kaczynski und auch an meiner Ex sehen kann. Letztere hat mir in ihrer hellsichtigen Art zu verstehen gegeben, dass sie grundsätzlich erst dann etwas zugibt, wenn sie den Machtkampf, um den es dabei meistens geht, tatsächlich verloren hat. Erst dann nimmt sie den Läufer, den Springer oder auch die Dame aus dem Spiel, nie aber den König.

Mit anderen Worten: Es gibt Menschen, mit denen man nur auf der Machtebene kommunizieren kann, alles andere ist vergebens.

Ein typisches Merkmal ist auch, dass diese Leute von anderen keine echte Erhellung mehr erwarten. Das lässt sich besonders gut bei den Grünen verfolgen, die eine verrückte Kehre nach der anderen gemacht haben und trotzdem das Gefühl hatten, immer richtig zu liegen.

Einmal aber haben sich die Grünen entschuldigt, als es um die Aufarbeitung der pädosexuellen Vergangenheit in der Partei ging. Da allerdings ging es auch nicht anders, weil der Skandal der Grünen ansonsten zu einem Verfassungsproblem geworden wäre. Da hat man dann ein paar Figuren aus dem Spiel genommen.

Ansonsten, egal welche Kriege sie angezettelt und welche Persönlichkeiten sie zerlegt haben, gab es nie irgendein Bedauern.

Der letzte Benefit dieser Haltung lässt sich auch bei den Grünen besonders gut nachweisen. Das Bewusstsein, jederzeit als Opfer durchgehen zu können, was die Grünen zur Perfektion getrieben haben. Das verhindert verantwortliches Handeln gegenüber Andersdenkenden. Übrigens haben auch Putin, Kaczynski und Donald Trump dieses Opferverhalten bis zur Perfektion getrieben. Die Grünen befinden sich da in bester Gesellschaft. Nicht zu vergessen, auch mit meiner Ex und ihrer Familie.

Wir leben in einer Welt des schlechten Charakters und der größte Teil davon ist Importware oder aber für den Export bestimmt. Schließlich gibt es keine Partei in Deutschland, die ihre krude Mentalität mit derartiger Leidenschaft zur Beglückung anderer Kulturen und Gesellschaften exportiert, wie die Grünen.