Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Wie Frauen sich vergendern. Gedanken zum internationalen Tag der Frauen.

Gerade habe ich auf einem Kongress für Psychiatrie einen neuen Ausdruck gelernt, den ich noch nicht kannte. „Gender Dysphoria“

Das meint so viel, wie Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschlecht und ist durchaus auch mit dem Wunsch einer Geschlechtsumwandlung verbunden, aber keinesfalls immer. Oft ist einfach nur die Unzufriedenheit da, ohne dass ein konkreter Handlungswunsch besteht. Eine Art Geschlechter-Depression könnte man das vielleicht nennen.

Eine spanische Studie wurde vorgestellt, die im großen Stil psychiatrische Themen bei Twitter in den USA untersuchte und völlig unerwartet auf diesen Begriff stieß, der die Hitlisten bei Twitter anführte. Nicht Depression, nicht Suizid, nein, Gender Dysphoria und Angst waren die führenden Begriffe, die entsprechend oft „retweetet“ wurden.

In einer anderen Studie wurden belastbare Zahlen über die Häufigkeit von Homosexualität und damit verbundener Depressivität bei Adoleszenten gefunden. Insgesamt war der prozentuale Anteil von Homosexuellen recht gering, die Depressivität in dieser Gruppe aber recht hoch und bei lesbischen, jungen Frauen deutlich höher, als bei schwulen, jungen Männern.

Die Kombination dieser beiden Studien im Gedächtnis führt mich jetzt zu zwei Überlegungen. Erstens, eine sehr kleine Gruppe von Leuten mit psychischen Problemen dominiert bei Twitter sehr große Gruppen mit sehr viel häufigeren Problemen (was tatsächlich der Aufmerksamkeitsverteilung in den Mainstream-Medien, die Twitter dominieren, geschuldet ist) und zweitens scheint das Gender-Problem psychisch vor allem bei den Frauen einzuschlagen. Oder nicht?

Halten wir das mal so fest und schauen einfach weiter.

Auf Google News gab es heute den Aufreger, dass unsere Frauenbeauftragte die Entmännlichung der Nationalhymne gefordert hat. Sie möchte vor allem die Passage mit dem deutschen Vaterland und der Brüderlichkeit umschreiben. Ein fast schon kalkulierter Anschlag, der eigentlich keinen anderen Sinn hat, als der Frauenbeauftragten ein wenig mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen. Ich nenne ihren Namen ganz bewusst nicht, um es mit der Aufmerksamkeit nicht zu übertreiben.

Frauen brauchen Aufmerksamkeit und sie müssen sich beschweren können. Ein wesentlicher Teil der Quotendiskussion beruht genau auf dieser Grundbefindlichkeit. Wenn sie es nicht schaffen, sich den Teil ihres vermeintlichen Rechtes auf Karriere zu erkämpfen, tendieren sie dazu, ihn einklagen zu wollen. Vor allem aber brauchen sie die Aufmerksamkeit, die das erzeugt. Das ist fast schon ein Markenzeichen von Frauen, dass sie mit Vorwürfen an die Männerwelt gedenken, Karriere zu machen. Die #metoo-Debatte hat wieder etliche PersönlichkeitInnen vor dem Vergessen gerettet und dafür ist es doch allemal Wert, Männer unter Generalverdacht zu stellen.

Nun ist es aber so, dass es inzwischen so viele Frauen gibt, die mit echten Spitzenleistungen Karriere gemacht haben, dass man einfach nicht mehr glauben mag, dass Frauen sich immernoch in der Opferrolle fühlen. Aber warum stolpert Mann dann ständig über weibliche Opfer. Sogar die Besten der Besten machen sich zum Opfer.

Ein signifikantes Beispiel gab es heute auf dem besagten Kongress. Da kam eine Professorin aus Thailand, die in England eine beachtliche Karriere gemacht hat und hielt einen brillanten Vortrag über kulturelle Merkmale psychischer Gesundheit. Es gab nur einen kleinen Schönheitsfehler bei der Präsentation:

Man konnte die Rednerin nicht sehen.

Ich habe mich eine ganze Weile gefragt, ob das einem Mann auch passiert wäre und ich muss das verneinen. Weder habe ich das je erlebt, noch kann ich es mir für die Zukunft vorstellen.

Der Reihe nach: Das Rednerpult war für die geringe Körpergröße der Wissenschaftlerin zu hoch eingestellt. Ein technischer Mitarbeiter stellte ihr das Mikro zwar so ein, dass sie noch dran kam, aber das Pult blieb oben und verdeckte die gesamte Persönlichkeit für jeden Blickwinkel. Die Rednerin zog also ihren gesamten halbstündigen Vortrag inkognito durch.

Unglaublich! Da stellt eine Frau ihre Arbeit von Jahren vor und lässt sich von einem Rednerpult die Show stehlen. Jeder Mann hätte entweder Korrektur verlangt oder einfach das Mikrofon aus der Halterung genommen und wäre dann aus dem Schatten des Rednerpults getreten.

Ähnlich lief es bei den anderen Vorträgen. Nicht funktionierendes Mikrofon? Die Rednerin beschwert sich nicht, der Redner schon. Fragen aus dem Auditorium kamen zu 90% von männlichen Kollegen usw. Das alles in einem Bereich der Medizin, den die Frauen inzwischen zahlenmäßig dominieren. Mehr als die Hälfte der Psychiater sind weiblich. Hochrangige Vorträge kamen dabei vor allem von Frauen, unter anderem der Präsidentin der World Psychiatric Association, die so leise und stockend sprach, dass man sie kaum verstand, aber brillante Slides dabei hatte.

Woran liegt das nun? An den Männern oder an den Frauen? Ich glaube, die Frauen haben sich vergendert. Damit meine ich, dass sie genau den Teil der Menschheit darstellen, der am wenigsten vom eigenen Geschlecht absehen kann. Auch wenn die Idee des Gender-Mainstreams eigentlich weiblich ist, sind Frauen überhaupt nicht in der Lage, von ihrem Geschlecht ab- und sich selbst nur als Menschen und nicht nur als Frauen zu sehen.

Liegt das daran, dass sie nicht selbstbewusst genug sind? Oder ist es einfach so, dass sie auf die Vorteile, die ihnen der gesellschaftliche Gynozentrismus bietet, nicht verzichten wollen (einschließlich der bekannten weiblichen Hypoagency, der geringeren Verantwortlichkeit, die ihnen für ihre Handlungen zugemessen wird)?

Eigentlich könnte man dann auf den ganzen Gender-Unsinn verzichten und sich darauf einigen, dass Frauen einfach mehr soziale Aufmerksamkeit (man könnte sogar sagen “Fürsorge”) benötigen, als Männer und sich diese nicht im Sinne einer männlichen Dominanz verschaffen wollen. Sie wollen weiblich behandelt werden und das natürlich möglichst aufmerksam.

Genauso sahen die Kolleginnen auf dem Kongress auch aus. Modisch angezogen mit deutlich weiblicher Note, trotz der kühlen Temperaturen. Bei den Männern gab es wesentlich weniger Bemühungen in der Richtung.

Der Kongress fand übrigens in Nizza statt und wurde dementsprechend von Südeuropäerinnen dominiert. In Stockholm hätte so ein Kongress wahrscheinlich etwas anders ausgesehen.

Wie auch immer.

Die Gender-Diskussion geht offensichtlich für Frauen aus unserer westlichen Welt zunehmend nach hinten los, weil sie schlicht in ihren gehassten Rollenbildern steckenbleiben und das ganz von selbst – ohne männliches Zutun. Das kann schon Gender-Dysphorie erzeugen.

Es gibt allerdings einen Punkt bei der „Gender Dysphoria“, der mich als Mann verunsichert. Tatsächlich gibt es wesentlich mehr Männer, die den Wunsch haben, zur Frau zu werden, als umgekehrt Frauen, die Männer sein wollen. Die Rollen-Adhärenz ist im weiblichen Spektrum also größer. Vermutlich ist es sogar attraktiver eine (hilflose?) Frau zu sein.

Vielleicht ist die Gender Dysphoria ja sogar bei Frauen mehr verbreitet, als bei Männern, die in so einem Falle gleich zur Geschlechtsumwandlung tendieren. Aber dann wohl bei den meisten Frauen nach dem Motto: “Lerne klagen, ohne zu leiden.”