2016-08-11 14.19.08

Foto: Gedächtnisbüro 2016

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Was haben sich die Brüsseler eigentlich dabei gedacht? Sie bringen Ekelbilder auf Zigarettenpackungen an und glauben, dass dann weniger junge Leute mit dem Rauchen anfangen?

Ein paar Gegenbeispiele.

Trotz einer beispiellosen Fitness-Offensive, die vor allem auf junge und figurbewusste Frauen abzielt und jeden Tag in allen Medien und Facetten beworben wird, greifen immer mehr junge Frauen zum Glimmstengel.

Es gibt wohl keine Region der Welt, die so viel Wert auf gute Ernährung legt, wie  Europa. Gerade scheitert ein Handelsabkommen mit den USA (TTIP), auch weil die USA auf Absenkung der Standards bei gentechnisch veränderter Nahrung bestehen. Die BIO-Welle ist in allem Medien und der Werbung präsent und trotzdem werden junge Leute immer dicker.

Für beide Trends mag es eine Vielzahl von Gründen geben, die von der Emanzipation bis hin zu den neuen Medien reicht. Niemand verbringt so viel Zeit vor PC, Tablet und Smartphone wie die Teens und Twens, Bewegungsmangel und Zigarettenkonsum sind also programmiert.

Werden aus diesen Gründen zukünftig auch Warnhinweise auf Suchmaschinen und Portalen sozialer Netzwerke verpflichtend? Nach dem Motto: Internetkonsum schadet ihrer psychischen Gesundheit, macht dick und faul?

Wohl kaum, wenn man vor solchen Entscheidungen in Brüssel wenigstens die wichtigsten psychologischen Mechanismen berücksichtigt. Eine Grundregel der Werbe- und Konsumentenpsychologie heißt: Wenn Manipulation erkannt wird, erzeugt sie Reaktanz. Die avisierten Bevölkerungsgruppen tun dann genau das Gegenteil, von dem, was mit der Manipulation beabsichtigt war.

Bedenklich ist bei dieser Taktik der Ekelbilder auf Zigarettenpackungen aber auch, dass sie ihr Ziel in ganz unerwarteter Weise verfehlen. Statt vom Rauchen abzuschrecken, zeigen sie, dass Krankheit hässlich und abstoßend sei und führen zur Stigmatisierung von Kranken. Am Ende  bekommen derart beeinflusste Menschen noch mehr Angst rechtzeitig zum Arzt zu gehen, weil sie sich schämen. Nebenbei sind diese Bilder tatsächlich schwere Manipulationen, weil sie gestellt sind, wie das Titelfoto dieses Beitrages zeigt.

Es geht auch ohne Manipulation – Kondomwerbung als positives Beispiel

Positive Beispiele bieten hier noch am ehesten die Kampagnen für den geschützten Geschlechtsverkehr, die inzwischen weniger manipulativ daher kommen. Aus der Angstmacherei bezüglich einer möglichen HIV-Infektion wurde im Laufe der Jahrzehnte eine durchaus gelungene Werbung für vielfältige Sexualität, die in Ordnung geht, wenn man sich dabei schützt. Wer sich durch die jeweilige Werbung angesprochen fühlt, denkt dann auch über Kondome nach.

Politische Manipulation kommt äußerst ungeschickt daher

Die Gleichung, dass Manipulation zu Reaktanz führt, gilt aber nicht nur für den Life-Style, sondern auch für die Politik. Eine unerklärte, aber vorhandene Allianz von linken Politkern, Medien und transatlantisch orientierten Think-Tanks haben Jahrzehnte gebraucht, um den Deutschen „political correctnes“ einzuhämmern. Dieser Prozess funktionierte kaum über Werbung,  vielmehr über Meinungshegemonie. Irgendwann waren Konservative und Traditionalisten gefühlt in der Minderheit. Sie hatten Angst, öffentlich weiterhin auf ihren Negerküssen oder Mohrenköpfen zu bestehen. Die moralische Verurteilung war ihnen gewiss und da jetzt scheinbar alle politisch korrekt dachten, wollte man dem Fortschritt nicht im Wege stehen. Das gilt zumindest für den Westen Deutschlands.

Reaktanz im Osten der Republik

Im Osten wurde die Meinungshegemonie der Linken, die sich statt des Kampfes um soziale Gerechtigkeit nun auf die politisch korrekte Umerziehung der Bevölkerung konzentrierten, als Manipulation verstanden und erzeugte erhebliche Reaktanz bei den Ossis.

Geschult durch die ständige staatliche Manipulation der DDR, war man im Osten kritischer und hat die permanente Indoktrination aus dem Westen, als das verstanden, was es ist. Eine Manipulationswelle mit der westliche Politiker im Osten Boden unter die Füße bekommen wollten. Das hat nicht funktioniert.

Wo tausende von Betrieben abgewickelt wurden und Millionen von Arbeitslosen entstanden, wollte man sich nicht auch noch das Gehirn vernebeln lassen. Den Höhepunkt der Reaktanz im Osten gab es vor und während der Flüchtlingswelle. Die Ossis verhielten sich fast so, als lebten sie in einem besetzten Land und bezeichneten folgerichtig die Medien der „Besatzer“ als Lügenpresse. Dieser Begriff ist im Osten eingeschlagen und hat sich inzwischen fest etabliert. So wenig, wie sich die Ossis eine staatlich verordnete Völkerfreundschaft mit den Russen überhelfen ließen, so wenig sind sie bereit, sich Anglizismen, Multikulti-Ideologien und der „transatlantischen Freundschaft“ zu beugen, wenn sie in den Medien und von führenden Politikern permanent und penetrant mit dem Begriff „Freiheit“ assoziiert wird.

Dementsprechend gibt es im Osten Deutschlands auch eine ganz andere Linke, die stark auf Gleichheitsprinzipien, soziale Gerechtigkeit und eine Mehrheitsgesellschaft fokussiert ist, die überwiegend aus kleinen Leuten besteht. Mit den libertinären Wohlstandslinken im Westen haben die nichts zu tun.

Die zahllosen Manipulationsversuche, mit denen westliche Medien und Politiker und deren Anhänger im Rahmen der kritischen Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft versuchten, den Ossis das recht doppelbödige, westliche Denken zu vermitteln, sind weitgehend gescheitert und haben tiefe mentale Gräben zwischen den beiden Teilen Deutschlands aufgerissen.

Begriffe wie Volksverräterin, Bundesgauckler und Lügenpresse sind Begriffe der Reaktanz – sie benennen „überehrlich“ einen Dissenz

Der Widerstand der Ostdeutschen zeigt sich dabei nicht nur in Pegida, Legida und wie sie alle heißen, sondern auch in sehr engen und verfilzten, politischen Netzwerken, in denen kein Wessi nach oben kommen kann. Von der kommunalen, politischen Ebene an, hat man im Osten gelernt, sich die „Besserwessis“ vom Hals zu halten. Weder eine Kanzlerin noch ein Bundespräsident, die für eine gemeinsame Politik stehen sollten, haben diese Gräben zugeschüttet. Ganz im Gegenteil. Sowohl Merkel, als auch Gauck haben sich massiv einer manipulativen Sprache bedient, um den Osten dahin zu bringen, Freiheit mit Amerika, Demokratie mit Kapitalismus und Meinungsfreiheit mit westlichen Medien zu assoziieren. Eingebracht hat es ihnen die Schimpfworte „Volksverräterin“, „Bundesgauckler“ und „Lügenpresse“. Das sind Begriffe, die sich in den neuen Bundesländern längst über PEGIDA und rechtsradikale Kreise hinaus bei der Bevölkerung etabliert haben.

So etwas nennt man Reaktanz. Es ist die Reaktion auf eine versuchte manipulative Umerziehung einer ehemaligen „Staatsbevölkerung“.

Wir erinnern uns noch an die Zeiten, in denen man Merkel auch im Westen ihre „Alternativlosigkeit“ in der Sprache vorgehalten hat. Das ist heute nicht mehr annähernd so ausgeprägt, wie in der Anfangszeit ihrer Kanzlerschaft. Merkel vermeidet es bewusst, ihre Entscheidungen, als alternativlos darzustellen, handelt aber weiterhin so, als gäbe es keine Entscheidungsalternativen. Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei ist das jüngste Beispiel für diese Taktik. Entweder Flüchtlingsdeal mit einem Despoten oder neue Flüchtlingswellen, die das Land überfluten. Alternativen werden nicht erörtert.

Die AfD als direktes Ergebnis von Manipulation und Reaktanz der Wähler

Die Alternativlosigkeit Merkels, die mental diktatorisch wirkt, ist im Osten Deutschlands längst sprichwörtlich geworden und wird auch nicht vergessen. Diese Manipulationstaktik der Kanzlerin, die in der Bankenkrise und Eurokrise weitgehend von den westlichen Medien mitgetragen wurde, hat der rechtspopulistischen Gegenpartei, die sich derzeit nicht nur im Osten, aber vor allem im Osten etabliert, den Namen gegeben. „Alternative für Deutschland“.

Wenn das kein Wink mit dem Zaunpfahl ist, dass man mit ständiger Manipulation keine Bevölkerungsschichten für sich gewinnen kann, was bitte, braucht es noch, um zu erkennen, dass die gezielte Beeinflussung der Sprache durch Politik und Medien von großen Teilen der Bevölkerung als Lügen verstanden wird? Wie deutlich müssen die Menschen noch werden? Müssen sie die AfD so stark machen, dass sie demnächst den Kanzler stellen kann?

Hoffentlich nicht!

Der Umgang der etablierten „West-Parteien“ und „West-Medien“ mit der AfD lässt allerdings den Schluss zu, dass hier nichts gelernt wurde. Es wird kräftig weiter manipuliert.

Verteufeln, Ausgrenzen, Diffamieren, lächerlich machen. Inhaltliche Auseinandersetzungen mit den Positionen der AfD gibt es weder bei den etablierten Parteien, noch in den großen Medien und der so genannten „kritischen“ Öffentlichkeit. Das wird sich rächen.

Wenn das westdeutsche Establishment sich einbildet, es könne die AfD allein auf Grund ihrer fehlenden politischen Korrektheit aus dem Feld schlagen, wird es erleben, wie diese Partei eine Karriere macht, die sogar jene von „Donald Trump“ in den Schatten stellt. Hinter dieser Partei stecken massive Unzufriedenheiten einer Bevölkerungsmehrheit, die sich nicht mehr ernst genommen fühlt. Das ist im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf auch nicht so sehr anders.

Die Reaktanz, die aus der ständigen Manipulation von oben resultiert, spült solche Leute, die einfach nur dagegen halten (auch wenn sie nicht wissen, was sie stattdessen tun wollen) regelrecht nach oben. Die innere Logik solcher Eruptionen ist eindeutig. Es ist der berühmte Wink mit dem Zaunpfahl. Das Volk will ein Zeichen setzen!

Die Antwort auf solche Entwicklungen kann nicht, wie derzeit zu beobachten, noch mehr Manipulation sein. Sie besteht vielmehr in einer einfachen Frage: „Warum?“ Die Frage, warum das Volk unzufrieden ist, würde einen gesellschaftlichen Diskurs eröffnen, der die Mehrheit der Deutschen nicht mehr von der politischen Willensbildung ausgrenzt, weil diese Anschauungen vertritt, die angeblich nicht politisch korrekt sind.

Offener Diskurs ist in unserer Gesellschaft nicht mehr möglich

Das Risiko eines solchen Diskurses ist eine Veränderung der Politik und damit die Gefahr des Machtverlustes oder eines Verlustes der „Meinungshegemonie“ für etablierte Parteien in einer Republik, die politisch durch und durch „vermachtet“ ist.

Wie in einem Krabbenkorb, auf den man keinen Deckel tun muss, weil jede Krabbe, die herauskrabbeln will, von den anderen sofort wieder zurückgezogen wird, traut sich in Berlin niemand, eine solche Politik der Veränderung ernsthaft zu diskutieren.

Stattdessen wird in den deutschen Hauptstädten und in Brüssel weiter gelogen und manipuliert. Die Medien mischen kräftig mit.

Auffällig ist dabei, dass Informationen gezielt unterdrückt werden und sich niemand dessen mehr schämt. So wurde in Köln von oben an den Polizeiberichten manipuliert, nachdem es in der Sylvesternacht zu massenhaften Übergriffen seitens männlicher Flüchtlinge gegen deutsche Frauen gekommen war.

Es ist auch weiterhin üblich, über Gewaltverbrechen zu berichten und die Herkunft und Nationalität des Täters nicht in den Medien anzugeben. Entweder, weil diese von der Polizei unterdrückt wird, oder aber, weil die Medien dies aus falsch verstandener Staatsräson heraus nicht veröffentlichen. So entsteht die absurde Situation, dass man Zeitungsberichte über Verbrechen von kriminellen Familien-Klans liest und genau weiß, dass es sich um arabischstämmige Familien handelt, obwohl es im Text unterschlagen wird, dass sexuelle Übergriffe gegen Frauen in Schwimmbädern berichtet werden und man sich zusammenreimen muss, dass es sich um die Taten von Flüchtlingen aus einem islamischen Land handelt, was dann erst wesentlich später durch die Medien geht.

Absurd. Probleme dürfen nicht beim Namen genannt werden und wenn sie beim Namen genannt werden, muss dies mindestens mit einem ganzen Absatz über eine verfehlte Integrationspolitik in Deutschland kompensiert werden. Nicht die Täter sind schuld, sondern die Politik.

Ehrlich gesagt kann man verstehen, dass Leute die Medien, die so vorgehen, als „Lügenpresse“ bezeichnen. Es sollen ja auch Informationen unterdrückt werden, um rassistische Reflexe nicht anzuheizen. Dann betreibt man doch lieber Desinformation, anders ausgedrückt bedient man sich der Mittel der Propaganda, manipuliert also.

Das geht nicht gut!

Am Ende haben die politischen und medialen Manipulationstaktiken gegenüber der Bevölkerung prinzipiell ähnliche Auswirkungen, wie die Schmuddel-Bildchen auf den Zigarettenpackungen. Die Wahrheit wird so verzerrt und verdreht dargestellt, dass sie am Ende nicht mehr geglaubt wird. Wer Manipulation statt Aufklärung betreibt, fördert am Ende die Reaktanz und zerstört das Vertrauen der kommunizierenden Seiten und gesellschaftlichen Gruppen. Auf unsere Demokratie wirken sich diese Tendenzen zu Manipulation von oben äußerst destruktiv aus. Immer mehr gesellschaftliche Gruppen verweigern dann den friedlichen, gesellschaftlichen Diskurs, in der Erwartung, ohnehin nur entwertet und diskreditiert zu werden.

Keine gute Aussicht für die Zukunft!