Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Warum sprengten sich drei der Attentäter von Paris vor dem Stade de France, ohne ein größeres Blutbad anzurichten?

Das Fussballspiel hatte schon begonnen, als einer der Attentäter von einem Zuschauer, der zu spät zum Spiel gekommen war, auf der Toilette eines Schnellimbisses gesehen wurde. Er habe sich schweißüberströmt auf das Waschbecken gestützt. Dem Mann war dies aufgefallen und noch ein weiterer Mann vor dem Imbiss, der mit einem Rucksack dastand und wartete. „Er wirkte auffällig“. Warum, wird in dem Spiegel-Artikel, der über diese Vorfälle berichtete, nicht deutlich. Kurz darauf gab es eine Explosion und der Interviewte hat seitdem einen Hörschaden auf dem linken Ohr.

Lediglich einer der drei Attentäter, die sich vor dem Stade de France in die Luft sprengten, riss einen Passanten mit in den Tod. Für die französische Polizei unerklärlich. Es wäre leicht gewesen, einfach zu warten, bis die Massen wieder aus dem Stadion strömen, um auf den Straßen viele Menschen mit in den Tod zu reißen.

Die Attentäter waren noch nicht erwachsen

Das war offensichtlich nicht die Absicht der Männer, deren Alter von Gerichtsmedizinern derzeit auf fünfzehn bis achtzehn Jahre geschätzt wird!

Kinder also, wenn man es gefühlsmäßig ausdrücken will, Jugendliche und junge Erwachsene, wenn man es nüchtern betrachtet.

Die Frage, warum sich drei junge Männer mit Sprengstoffgürteln inmitten einer koordinierten Terroraktion fast allein in die Luft sprengten, macht nachdenklich.

Natürlich könnte man meinen, dass sie sich entdeckt gefühlt haben und in Panik handelten. Allerdings war das nicht der Fall. Alle drei Explosionen kamen überraschend, niemand hatte sie verfolgt. Einer war am Stadion abgewiesen worden, aber weil er keine gültige Eintrittskarte hatte. Der Rest machte gar nicht den Versuch hineinzukommen.

Angst, Panik oder Skrupel?

Waren den Attentätern im letzten Moment Skrupel gekommen? Haben sie bewusst das Leben von unzähligen Menschen verschont? Waren sie gar vom Glauben abgefallen?

Schwer zu beurteilen, aber alle drei Fragen klingen gleich unwahrscheinlich.

Das scheinbar unerklärliche Phänomen könnte aber eine Begründung finden, wenn man die drei sehr jungen Männer und jugendlichen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.

In mehreren Anschlägen wurden durch die islamistische Terrororganisation Boko Haram zwölfjährige Kinder mit Sprengstoffgürteln auf einen Wochenmarkt geschickt und dort „ferngezündet“. Zunehmend gibt es Berichte, dass im Krieg in Syrien Selbstmordattentäter nicht freiwillig ihren Sprengstoff in den Feind steuern, also keine echten Selbstmordattentäter sind.

Könnte es sein, dass dem IS die Fanatiker ausgegangen sind, die bereit sind, sich für Allah in die Luft zu sprengen? Waren diese drei Sprengstoffattentäter von Paris überhaupt freiwillig unterwegs?

Es kann durchaus sein, dass Menschen mit Waffengewalt in einen Sprengstoffgürtel gezwungen werden, der einen Fernzünder enthält. Unter der Androhung, sie sofort in die Luft zu sprengen, wenn sie ihre Befehle nicht ausführen, werden sie dann in den „Feind“ getrieben. In der richtigen Position werden sie dann von einem Außenstehenden ferngezündet und getötet.

Erzwungene Selbstmordanschläge – Eine krude Theorie?

Sie könnte zumindest erklären, warum die Attentäter ohne erkennbaren Grund kurz nacheinander explodierten und zwar in deutlichem Abstand vom Stadion. Wenn eine weitere Person den Eindruck bekommen haben sollte, dass sie unzuverlässig wurden, wäre diese der eigentliche Mörder, der auch die drei jungen Männer und einen Passanten getötet hätte. Ansonsten ist es schwer zu erklären, dass sich drei Attentäter im Abstand von mehreren dutzend Metern einfach kurz nacheinander umbringen.

Kein Selbstmordanschlag, sondern ein Mord oder vier Morde, um es genauer zu sagen.

Die Brisanz dieser Überlegung besteht darin, dass dem IS vermutlich die Attentäter abhanden kommen würden, wenn sich herausstellt, dass diese Menschen in Wirklichkeit zu ihren Attentaten gezwungen werden. Gezwungene Märtyrer, sind nämlich keine Märtyrer und dürften als Opfer, die vielleicht sogar vom Jihad abgefallen sind, nur wenig Beachtung im perversen Paradies der Islamisten finden?

Wie auch immer.

Schwerer propagandistischer Schlag gegen den IS, wenn  gezwungene Attentäter auspacken würden

Beim ersten genötigten Attentäter, der es schafft sich seines Gürtels zu entledigen und bei der Polizei aussagt, dürften erhebliche Wellen von Zweifel und Unmut durch die fanatisierten Netzwerke der Islamisten laufen.

Für viele aus dieser Szene dürfte dann sogar der Betrug des IS an seinen Sympathisanten schwerer wiegen, als die vielen Morde an Unschuldigen, die er begangen hat.

Sollte sich nun auch herausstellen, dass die Attentäter selbst Mordopfer des Islamischen Staates sind, ist der Mythos augenblicklich erloschen und das kann viel mehr gegen den IS bewirken, als die gemeinsamen Bombardements, welche die Russen und Franzosen nun gegen den IS durchführen wollen.