Screenshot Antisemitismus

Screenshot 2017

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Filmempfehlung für die zensierte Arte-Reportage, die im TV nicht gezeigt werden soll.

Die umstrittene Arte-Reportage über Antisemitismus in Europa ist derzeit, trotz Sendeverbot seitens der öffentlich Rechtlichen auf Youtube zu sehen. Die BildOnline stellt den Film für 24 Stunden selbst online. Aus diesem Grund kann der Film zumindest vorrübergehend auf Youtube angesehen werden.

Das Bemerkenswerte an dieser Reportage ist nicht so sehr die gängige Vermischung von israelkritischen, politischen Positionen und Antisemitismus. Viel interessanter und überraschender ist, die breite Verankerung von israelkritischen Positionen bei europäischen NGOs und eine fast unkritische Unterstützung Palästinas bis hinein in die EU. Die Hilfsgelder fließen in Milliardenhöhe nach Gaza und kommen dort ganz offensichtlich auch der Hamas zugute.

Breiten Raum nimmt in der Reportage aber auch der Israelhass in den muslimischen Gemeinden in Europa ein, besonders in Frankreich. Da wirkt es fast schon lässlich, dass Teile der Linken und der Rechten in Europa sich intensiv für Palästina engagieren und gleichzeitig eine zionistische Verschwörung an den internationalen Finanzmärkten konstatieren, die angeblich eine Weltregierung anstrebt.

Die mentale Verlinkung von Elitenetzwerken, insbesondere im Bereich der Finanzmärkte, mit zionistischen Merkmalen, wird allerdings auch ziemlich offensichtlich unterstellt. Eine Wissenschaftlerin an der FU-Berlin macht dies besonders grob und offensichtlich. Am Ende ist jeder, der Elitenetzwerke kritisiert, ein Antisemit.

Der Film lässt den Zuschauer irgendwie ratlos zurück, was angesichts des endlosen Nahostkonfliktes auch nicht verwundert.

Man weiss nicht, was man denken soll, außer dass der Nahostkonflikt Europa extrem polarisiert (gezeigt wird auch Martin Schulz, der Abbas vor dem Europäischen Parlament applaudiert, obwohl dieser wüste Unterstellungen gegen Israel erzählt und zugleich unterschwellige Drohungen ausstößt).

Also was soll man nun denken?

Ich weiss es nicht. Jeder sollte sich ein eigenes Bild machen. Das ist politische Aufklärung, fast im Kantschen Sinne. Die Tatsache, dass der Film nicht im öffentlich rechtlichen Programm gezeigt wird, spricht allerdings dafür, dass dort noch immer der Imperativ herrscht, dass der Zuschauer am Ende wissen muss, was er “politisch korrekt” zu denken hat. Genau das aber leistet dieser Film nicht.

Danke dafür!