Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Na, mit der E-Mobilität hat es ja wohl nicht geklappt. Auch nicht in diesem Jahr. War auch abzusehen, weil der Marktanteil von E-Mobilen schon seit Jahren bei etwa 10% des auch nicht gerade üppig verkauften Stadtwagens der Marke Smart liegt. Das Millionenziel, dass die Bundesregierung schon vor Jahren verkündete, dürfte bis 2020 nicht zu erreichen sein.

Ein paar Vorstöße gab es mit dem i3 von BMW und dem Peugeot ION, aber mehr als ein paar Hingucker in unsere Metropolen sind dabei nicht rumgekommen. Autos, die an Smartphones erinnern, scheinen auch nur eine kleine Schicht in unserem bunten, gesellschaftlichen Mix anzusprechen. In der Sprache der Sinus-Milieus ausgedrückt, dürften hier nur ein paar wenige in den Segmenten der Performer, Liberal-Intellektuellen und Sozioökologischen aufgesprungen sein.

Autoindustrie, Du fährst in die Krise und siehst alt aus!

Das kann man auch gern wörtlich auffassen. Das Durchschnittsalter eines Neuwagenkäufers lag im Jahr 2015 bei 53,8 Jahren, so hoch wie nie zuvor. Kein Wunder, denn unsere Neuwagen vom Typ VW, BMW, Audi und Mercedes kann man sich nur noch leisten, wenn man schon sein Schäfchen im trockenen hat. Ein aktueller Artikel in der Welt gibt eine interessante Übersicht dazu.

Die allgemeine Verwunderung verwundert mich allerdings überhaupt nicht. Wo sollen junge Leute dreißigtausend Euro für einen einfach ausgestatteten Neuwagen hernehmen?

Die Zukunftslosigkeit der Autoindustrie ist wohl begründet

Grund Nummer 1: Die Autos sind zu teuer geworden. In den letzten zwanzig Jahren hat der Neuwagenpreis in fast allen Segmenten über einhundert Prozent zugelegt, sich also mehr als verdoppelt. Was gar nicht daran liegt, dass Autos bauen so viel teurer geworden ist. Es liegt viel mehr daran, dass das Austattungsniveau ins Fantastische gestiegen ist. Der Hyperwettbewerb lässt grüßen. Aber noch ein anderer Umstand hat den Umbau des Automobils zu einem rollenden Luxussessel im high-tech Format gefördert.

Die Autobauer verdienen vor allem an dem Mehrwert, der durch die Ausstattung entsteht. An der Idee also. Die Zulieferer kassieren für die Basisausstattung, da bleibt beim Konzern nicht so viel hängen. Autos müssen also immer komplexer und teurer werden, damit die großen Autofirmen noch genug verdienen.

Grund Nummer 2: Ist eine schleichende Trendwende, die sich gerade bei den jungen Leuten beobachten lässt. Die sind mit Abstand nicht mehr so autogeil, wie die geburtenstarken Jahrgänge es waren. An die kann man sich mit Neuwagen nur noch schwer heranpirschen. Am besten funktioniert es noch mit neuen Mobilitätskonzepten, dem Car-Sharing beispielsweise, dass in den Großstädten durchaus erfolgreich ist. Nicht vergessen sollte man aber, dass ein großer Teil der jüngeren Leute dennoch Auto fährt, gebraucht und billig allerdings, weil die Neuwagen für viele unerschwinglich sind.

Grund Nummer 3: Überzogen ausgestattete, fast schon selbstfahrende Autos sind was für Technikverliebte unter den Autofahrern. Gute Fahreigenschaften und hinreichender Komfort würden aber auch ausreichen. Autos, die Spaß bringen, müssen für Viele leicht und wendig sein, sowie guten Kontakt zur Straße bieten. Man fragt sich, warum solche Autos so extrem teuer sein müssen? Mehr Fahrspaß, weniger Aufpreis, das wäre die richtige Lösung, die die Autoindustrie aus bekannten Gründen verweigert. Warum muss man sich in einen Dacia quälen, um preiswert autozufahren? Warum geht das nicht mit mehr Spaß im VW, Audi und BMW? Warum nicht im Mercedes? Stattdessen geht der Wettbewerb um den bestausgestatteten Neuwagen jedes Jahr in die nächste Runde, in jedem Segment, ob Klein-, Kompakt-, Mittel-,Oberklasse, Luxuswagen oder SUV. So aufwendig wie möglich muss es sein!

Die falsche Autophilosophie, das Fahrzeug als Statussymbol mit allem Drum und Dran und nicht als einfacher Begleiter, der Spaß beim Fahren macht, kann heute vielleicht noch Gewinne einfahren, aber in zehn Jahren?

Dann kommen die Elektroautos! Denkst´e!

Die Elektroautos werden die Autobranche nicht retten. Dann kommen ganz andere zum Zug. Die Batterien und Elektrohersteller. Am Ende ist der einzige Ausweg, verbrauchsarme und emissionsarme Fahrzeuge, die einfachen, aber ehrlichen Fahrspaß vermitteln. Ob das mal wieder kommt? Denken wir an den alten Golf, an den alten Dreier BMW, denken wir an die großen Erfolgsgeschichten.

Denken wir und handeln dann.

So jedenfalls möchte man es den Autoherstellern zurufen.