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Karte die angeblich bei einem IS-Mitglied gefunden wurde

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Bereits im Oktober wurde bei einem IS-Kämpfer eine Karte von Berlin gefunden, welche eine ganze Reihe von Markierungen aufwies. Hierbei handelte es sich vor allem um strategische Punkte der Stadt, Straßen- und Autobahnkreuzungen und Brücken, Polizei und Militäreinrichtungen sowie das Berliner Regierungsviertel.

Natürlich kann man eine solche Karte recht schnell herstellen und die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein „Fake“ handelt, ist hoch.

Auf mehreren Internetseiten wurde diese Karte als genereller Angriffsplan auf Berlin gedeutet. Tatsächlich wäre es so, dass die markierten Punkte der Stadt, sollten sie vollständig eingenommen werden, die Kontrolle über die gesamte Metropole ermöglichen würden.

Eine solche Idee ist allerdings reichlich hoch gegriffen und man sollte eher konventionell denken. Wenn Terroristen einen Anschlag planen, gibt es nach Einschätzung des Pentagon zunächst einen Pool von Möglichkeiten, die näher ausgespäht werden, bis sich eine Gruppe für ein bestimmtes Anschlagsziel entscheidet. Oft werden die Objekte zuvor monatelang untersucht, beobachtet und ausgespäht. Es werden Angriffspläne und Fluchtpläne ausgearbeitet. Auf solche Aktivitäten können auch ganz normale Bürger achten, denen etwas Ungewöhnliches auffällt. Das Pentagon führt übrigens Online-Schulungen zwischen zwei und vier Stunden Dauer zu diesem Thema durch, die durchaus wertvoll sein können. Diese Schulungen sind ursprünglich für amerikanische Militärangehörige konzipiert worden. „Antiterrorism Awareness Training“ Man trägt seinen Namen ein und darf das Training nicht unterbrechen. Jeder Teilnehmer bekommt nur einen Durchlauf. Am Ende gibt es ein Zertifikat. (Kann jeder machen. Hier der Beweis!)

Zertifikat Antiterror Training

Die gefundene Karte, sofern sie kein „Fake“ ist, könnte also auch eine Vorauswahl von möglichen Anschlagszielen darstellen, über die man nachdenken sollte.

Berlin ins Chaos zu stürzen, ist nicht schwer. Es reicht eine Vollsperrung auf der A100 während der Rush Hour in beiden Richtungen. Sensible Punkte sind das Autobahndreieck zur Avus am Funkturm oder das Autobahnkreuz nach Berlin Steglitz. Beide Stellen sind auf der Karte markiert.

Es braucht dabei noch nicht einmal einen Anschlag, sondern nur eine möglichst realistische Anschlagsdrohung, um den Verkehr in der Stadt zum Erliegen zu bringen. Die Polizei erledigt dann den Rest. Die abfahrenden Fahrzeuge verstopfen schließlich die Hauptverkehrsstraßen und nichts geht mehr.

In einer solchen Situation würden auch Polizei und Rettungsdienst nur unter großen Mühen an einen Anschlagsort kommen, der dann irgendwo innerhalb des Stadtringes liegen kann.

Symbolträchtige Gebäude, die sich gut für Anschläge eignen, lägen im Berliner Regierungsviertel, das für Terroristen dann mit dem Tiergarten auch große Rückzugsmöglichkeiten offen halten würde. Daneben wäre aber auch die City-West mit ihren überfüllten U-Bahnhöfen „anschlagsgeeignet“ und sicherlich leicht zu nehmen für gut bewaffnete Terroristen. Man denke nur an den Zoologischen Garten, wo die Täter die Polizei stundenlang in Schach halten könnten, weil sich sämtliche Zugänge zu diesem Stadtkern problemlos kontrollieren und absperren ließen. Für den Bahnhof Zoo braucht man lediglich fünf schwer bewaffnete Kämpfer. Einen auf dem Einkaufszentrum Bikini. Einen Scharfschützen auf dem Europacenter, eine Person, die den Ernst-Reuter-Platz Richtung Hardenbergstraße blockiert und einen der die Kreuzung Kantstraße-Joachimsthaler-Straße kontrolliert. Eine fünfte Person kann dann mordend durch die eingeschlossene Menschenmenge laufen.

Eine Horror-Show, die mit wenig Aufwand umzusetzen wäre. Erschreckend!

Angesichts dieser Verletzlichkeit unserer Metropole fragt man sich, warum nicht wenigstens die Basics der Sicherheit in dieser Stadt eingehalten werden. Im gesamten U-Bahnhof Zoologischer Garten gibt es keinen einzigen bombensicheren Papierkorb. Die Detonation, die im Bereich des Durchganges zwischen dem Hochbahnhof und den U-Bahnhöfen möglich wäre, würde in diesem Bereich mangels Druckausgleich vermutlich so heftig ausfallen, dass sogar die Decke des Durchganges einstürzen könnte. Die Druckwelle wäre gewaltig.

Eine der wichtigsten Anti-Terror-Techniken, laut Pentagon, ist die Antizipation von möglichen Anschlägen. Warum hier in Berlin so wenig dafür getan wird, ist kaum verständlich.