Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

#csd #berlin Hoffentlich ohne schreckliche Bilder!

Mehr Sicherheit für Lesben, Bi, Trans und alle Sternchen. Ein Wunsch, getwittert anlässlich des Dyke-Marsches, der gestern in Berlin stattfand.

Die heutige Parade zum Christopher Street Day, die wegen der EM um einen Monat verschoben wurde, dürfte nach den Terroranschlägen der vergangenen Wochen auch im Zeichen von mehr Sicherheit stehen – möchte man zumindest meinen.

Allein, man findet nichts. Der Tag, der unter dem Motto #dankefuernichts oder #thanksfornothing begangen wird, ist von einer erheblichen Anschlagsgefahr betroffen. Reflektiert wird das öffentlich kaum. Weder die Veranstalter, noch die internationalen Communities noch die Medien machen die hochriskante Demonstration mit ihren Anschlagsrisiken zum Thema.

Das Motto müsste also anders lauten, #thinknothing würde besser passen.

Hoffentlich geht es gut und es passiert nichts. Das wäre dann Zufall. Denn auf einer solchen langen und prestigeträchtigen Strecke zwischen dem Kudamm und dem Brandenburger Tor kann eine ganze Menge passieren. Der Tiergarten bietet dabei nicht nur ideale Rückzugsräume für Schwule und Lesben, sondern auch für Terroristen. Davon abgesehen werden heute alle Knotenpunkte der Stadt voll sein. Ideale Bedingungen für Anschläge für die ein einzelner, radikalisierter Attentäter völlig ausreichen würde.

Es hat etwas von #nichtwahrnehmenwollen, wenn die heutige Veranstaltung ohne neues Sicherheitskonzept einfach so durchläuft, #augenzuunddurch, möchte man meinen. Der Innenminister scheint dabei kein Problem zu sehen und soll sogar zur Teilnahme am CSD aufgerufen haben.

Sicher ist die Sache sensibel, die beteiligten Gruppen reagieren nicht besonders amüsiert auf ein großes Polizeiaufgebot. Eingepfercht auf einer stark gesicherten „Fanmeile“ auf dem 17.Juni würden die Leute sich möglicherweise nicht wohl fühlen und außerdem ist es ja eine Demonstration!

Aber jetzt einfach durchziehen? Man kann Zweifel haben, ob das vernünftig ist und man bekommt eklatante Zweifel, wenn jede öffentliche Diskussion über die Terrorbedrohung des CSD ausfällt wegen #istnicht.

Safety first, könnte man denken. Im Terrorsommer 2016 in dem wir den Anfang eines viralen Terrorismus erleben, der um sich greift, sollte man nicht so blauäugig sein.

#norisknofun oder #verdraengung?