Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Seltsame Fußballwelt. Die einen machen das Spiel und die anderen schießen die Tore.

Deutschland ist es in allen Vorrundenspielen so gegangen, aber wir sind nicht die einzige Mannschaft, die am erfolgreichen Konterfußball, eigentlich schwächerer Mannschaften gescheitert ist.

Argentinien wäre es beinahe gegen Nigeria so gegangen und heute scheitert Portugal trotz 80% Ballbesitz und einem druckvollen Spiel auf den gegnerischen Strafraum an Uruguay.

Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit. Argentinien ist zuletzt an einer furios spielenden französischen Mannschaft gescheitert und Deutschland schied am Ende gegen überraschend starke Süd-Koreaner aus.

Dennoch fällt auf, dass Außenseiter-Rezepte eben nicht nur in der Politik, sondern auch bei dieser Fußball-WM Furore machen.

Nun ist Defensiv- Fußball nichts Neues. Aber im Moment ist es etwas Neues, weil diese Art des Verteidigens seltsam dynamisch daher kommt. Fast so, als wäre es viel weniger kräftezehrend, als ein gut aufgebautes Angriffsspiel, wirkten sowohl die Nigerianer gegen die Argentinier erstaunlich frisch und unverbraucht und die Mannschaft aus Uruguay wirkte gegen Portugal geradezu explosiv. Nach dem erlösenden Ausgleich für Portugal nach dem 1:0 Rückstand zu Beginn des Spiels, schossen die Profis aus Uruguay einfach gleich noch ein Tor.

Das Konzept funktioniert also.

Fast sieht es so aus. Kräftesammeln in der Kontraktion (Verteidigen ohne Ende) und dann plötzlich explodieren und ein Tor schießen.

Das hat auch was!

Mal sehen, wie das Turnier weiter geht. Wenn sich der Trend bestätigt, wird wohl noch viel mehr darüber gesprochen werden.