Krim Tartaren flagge

 

Flagge der Krim-Tataren

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin Es ist eine Ironie der Geschichte, dass in Zeiten des Islamischen Staates, einer generellen sunnitischen Expansion im mittleren Osten sowie einer sich religiös radikalisierenden Türkei ausgerechnet der Ukraine-Konflikt nun zunehmend von sunnitischen Islamisten und Nationalisten bestimmt wird.

Wer es für einen schlechten Witz aus dem Jahre 2014, dem Höhepunkt der Ukraine-Krise, gehalten hat, dass auch Gruppen des IS im Süden der Ukraine gegen Donezk und Lugansk, also auch gegen Russland kämpften, weiß nun allmählich, dass es sich nicht um einen Witz handelte.

Die Krim-Tataren (sunnitisch-islamisch geprägte Minderheit auf der Krim und in der Ukraine) proben den Aufstand gegen Russland. Seit dem 22.11.2015 ist die Krim überwiegend ohne Elektrizität, weil diese radikale Volksgruppe, die in ihren Wurzeln auch türkisch ist, jede Menge Versorgungsmasten zur Halbinsel gesprengt hat. Effektiv haben die Krim-Tataren Russland den Krieg erklärt und einer ihrer Führer hat jüngst erklärt, dass man sich auf dem direkten Weg zum Terrorismus befände.

Der Islamische Staat lässt grüßen!

Die Legitimation dieser Volksgruppe ist allerdings eher die einer Minderheit, etwa 12% der Bevölkerung besteht aus Krim-Tataren und demgegenüber bilden Ukrainer und Russen die überwältigende Mehrheit auf dieser Halbinsel mit wechselnder nationaler Identität. Dennoch sind ihrer Drohungen eines neuen Terrorismus ernst zu nehmen, was Moskau auch ganz offensichtlich tut.

Es gibt auch allen Grund dafür, weil Hasspredigten und Fanatismus sowie Dominanzstreben dieser islamistischen Spielart schon vor der Ukraine-Krise ziemliche Virulenz auf der Krim erzeugten. Wer da nach der Deportation Stalins in den letzten zwei Jahrzehnten zurückkam, war nicht unbedingt orthodox geläutert, sondern radikalisiert und fanatisiert sowie darin erfahren, Konflikte für eigene Interessen zu provozieren und zu nutzen. Auch jetzt zeigen diese Leute wieder ein vergleichbares Verhalten. Angedroht wird unter anderem die Unterbrechung der Seeverbindung nach Russland durch terroristische Akte.

Ob Russland nun mit einer Politik der „harten Hand“ reagieren wird, vergleichbar mit Tschetschenien, oder eher bemüht ist, die dort lebenden Sunniten zu vereinnahmen, wird sich herausstellen. Eines ist jedenfalls sicher.

Erfolge, wie der Islamische Staat sie auf der arabischen Halbinsel gefeiert hat, werden den Sunniten türkischer Prägung auf der Krim wohl nicht beschieden sein. Es könnte viel eher zu einer neuen Vertreibung dieser Volksgruppe kommen, wenn ihre Anführer sich tatsächlich dem Terrorismus zuwenden.

Die Entwicklung bleibt spannend und sollte nicht vergessen werden.