Deutschtürkische Flagge

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die soziale Feindlichkeit gegen Muslime in Deutschland nimmt zu. Wen wundert es, Studien haben bereits auf eine hohe Labilität der Einstellungen gegenüber Muslimen hingewiesen. Die Feindlichkeit vieler Muslime gegenüber unserer Gesellschaft kann diesen Trend potenzieren.

In den Fängen der Imame, könnte man das Buch von Constantin Schreiber auch nennen. Er besuchte diverse Moscheen in Deutschland und fand nicht den Hauch eines fortschrittlichen Islams. Die Imame, denen er zuhörte und die manchmal kein Wort Deutsch konnten, predigten durchweg einen extrem konservativen, sektiererischen und anderen Religionen (den Ungläubigen) feindselig gesinnten Islam. Auch zum Widerstand gegen die Demokratie und die westliche Lebensart wurde aufgerufen. “Man kann nicht gleichzeitig ein Schiit und ein Demokrat sein,“ hieß es in einer Predigt. Unsere Werte wurden in den Predigten durchweg abgelehnt.

Übrigens weigerten sich die meisten Imame nach der Predigt mit dem Journalisten zu sprechen und einige zeigten Empörung, dass Schreiber es gewagt hatte, in die Moschee zu kommen und einfach so zuzuhören. Das hatte vor ihm wohl auch keiner gemacht, mutmaßte der Journalist in einem Stern-Interview.

Szenenwechsel:

Wer vor dem türkischen Konsulat zu Berlin die Wähler fragt, (wo derzeit Wähler mit türkischem Pass Schlange stehen, um in Bezug auf das türkische Referendum abzustimmen Anmerk. des Verfassers) ob sie dem Referendum zustimmen oder nicht, kann schnell in eine brenzlige Situation geraten. Vor dem Eingang treffen wir zwei junge Burschen im Joggingrapperstyle. Die befragen wir zuerst. Ihre Antwort sind laute „Erdogan, Erdogan“ – Rufe.

Szenenwechsel:

Vor dem Lageso in Berlin Charlottenburg (am Fehrbelliner Platz) kommt es immer wieder zu Schlägereien zwischen jungen Flüchtlingen. Auch heute gab es solche Ereignisse, die die Menschen auf der Straße, teilweise mit Kopfschütteln, teilweise mit bewusstem Wegschauen quittierten. Auffällig war jedoch, dass die Sicherheitskräfte, die dazwischen gingen, fast alles Männer mit südländischer Optik und mutmaßlich ebenfalls Muslime waren. Allerdings erheblich ruhiger, als die Streitparteien vor dem Amt, die meist aus jungen Männern bestanden. Darüber kann man ja froh sein, allerdings wächst auch das Unbehagen. Es kommt einem so vor, dass der größte Teil der privaten Sicherheitsdienste inzwischen von solchen Männern aus muslimischen Ländern besetzt sind. Sind das vielleicht die einzigen, die sich in diesem Umfeld Respekt verschaffen können? Das wäre schlimm.

Ein Mann mit ebenfalls arabischem Aussehen, so um die zwanzig, ging mit einem überlauten Ghettoblaster in den U-Bahnhof und stellt das Ding auch auf dem Bahnsteig nicht ab. Die Leute guckten irritiert. Der Typ wartete offensichtlich auf Ärger, bekam aber keinen. Dann verschwand er in einer U-Bahn der Linie 7.

Egal ob renitente Imame, die verhältnismäßig offensichtlich gegen unsere Gesellschaftsordnung und gegen unsere Kultur, auch gegen unseren Glauben predigen, ob aggressive Erdoganisten im Größenrausch oder einfach nur aggressiv aufgeladene, junge Männer aus den muslimischen Ländern. Man bekommt den dringenden Verdacht, dass diese Leute keine Freunde unserer Gesellschaft sind, keine Freunde unseres Landes und sich dabei zunehmend selbstbewusst und feindlich verhalten.

Das ist nicht gut.

Was sich da zusammenbraut, ist gefühlt eine Mischung zwischen dem ewigen Opfergefühl von Muslimen, die in westlichen Ländern leben und einem Machtanspruch, der sich zunehmend aus einer Art moralischer Überlegenheit gegenüber den „Ungläubigen“ (das sind wir) speist.

Diese Kombination, die in aggressiver Weise sowohl von der AKP und Erdogan, als auch von Imamen im Freitagsgebet immer wieder beschworen wird, dass Muslime sich gegen die westliche Gesellschaft wehren müssen (das sind wieder wir), scheint äußerst giftig zu sein!

Der Begriff wehren ist dabei sehr relativ. Denn diejenigen, die hier ihre Verachtung unserer Gesellschaft mehr oder weniger offen zeigen, tun das nicht in der Türkei oder ihren arabischen Heimatländern, sondern hier bei uns!

Hier liegt die Sprengstoff für einen Bürgerkrieg oder aber für eine Rückkehr zu einem ethnisch orientierten Staat, der muslimische Bevölkerungsgruppen immer weniger toleriert. Der Punkt, an dem es heißen könnte, „Muslime raus“, scheint dabei nicht mehr so weit entfernt zu sein.

Eine Untersuchung des PEW-Research Centers hat sich mit der Toleranz oder auch der Feindlichkeit gegenüber religiösen Minderheiten ebenso beschäftigt wie mit der parallelen Entwicklung staatlicher Restriktion und Repression gegen religiöse Minderheiten. Das Ergebnis lässt Schlüsse zu, dass der so genannte Government-Restriction Index dem Social-Hostility-Index folgt, dass also staatliche Repression in der Folge sozialer Feindseligkeit gegen religiöse Minderheiten zunimmt. Das scheint auch in Deutschland so zu sein.

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Grafik Gedächtnisbüro, Zahlen Pew-Research-Center, (Rot: Soziale Feindlichkeit gegenüber anderen Religionen, Blau: Restriktionen gegen religiöse Minderheiten die von der Regierung ausgehen, Deutschland liegt in Bezug auf die soziale Feindlichkeit eher im oberen Bereich der verglichenen Länder)

Muslime, auch wenn manche von ihnen, das nicht mehr wahrzunehmen scheinen, sind in Europa eine Minderheit, zur Zeit eine aggressive Minderheit, von der nicht zuletzt auch Terror gegen die europäische Bevölkerung ausgeht. Der Social Hostility Index des Pew Research Centers wurde zuletzt 2014 für die bekannte Studie erhoben, seitdem ist einiges passiert. Man sieht an der Grafik, dass es eine labile Bewegung dieses Index gibt, was auch bedeutet, dass es hier schnell zu Schwankungen kommen kann.

Der streitbare deutsch-türkische Satiriker Serdar Sommuncu, der durchaus befürchtet, dass Erdogan einen Bürgerkrieg provozieren könnte, den er aber innertürkisch zwischen AKP-Anhängern und Gegnern sieht, hat es, auch bezüglich der Deutschen, auf den Punkt gebracht. Für ihn sind die Deutschen noch immer unberechenbar.

“Ich weiß nie: Mögen die jetzt Flüchtlinge oder nicht?”, so Somuncu im stern-Gespräch. “Sind die türkenfreundlich oder türkenfeindlich? Wenn die heute sagen: ‚Wir sind alle für Integration’ – kann sein, dass die morgen Sarrazin wieder gut finden.”

Für die Deutschen scheint es übrigens klar zu sein. Aggressive Minderheiten mögen die überhaupt nicht, auch oder gerade, wenn es Muslime sind.

Die Feindlichkeit wird ansteigen und damit auch die Notwendigkeit, restriktiver gegen Muslime vorzugehen. Das geht bei Regierungen, die von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt werden (und nicht von der Minderheit) zwangsläufig Hand in Hand.

Das könnte früher oder später bedeuten, dass Deutschland ein “schlechter Ort” für Muslime wird. Der deutsche Staat schützt diese Bevölkerungsgruppen dann nicht mehr, sondern wird sie zunehmend repressieren, um den sozialen Frieden im Land, notfalls auf Kosten dieser Minderheit, zu erhalten.

Letztlich wird diese Entwicklung auch davon abhängen, ob die Muslime in Deutschland endlich aufwachen und begreifen, wo sie sind.