schwedische fans

Screenshot: Schwedische Fans nach dem 1:0 durch Toivonen

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die Streitereien nach dem Spiel Deutschland Schweden, das dann doch noch 2:1 für die Deutschen ausgegangen ist, sind unverständlich.

Kommentare von Moderatoren, wie „die Schweden sind mittelmäßige Spieler“ waren leider völlig verfehlt, ebenso wie der Vorwurf von Bierhoff, die Schweden hätten von Anfang an auf Zeit gespielt.

Was für ein Blödsinn!

Deutschland und Schweden haben sich 95 Minuten lang (mit Nachspielzeit) einen Fußballkrimi geliefert, bei dem sich die Fans erkennbar in die Finger gebissen haben. Die deutsche Elf hat zwar von Anfang an das Spiel aufgebaut und war überwiegend in Ballbesitz. Aber die Konter der Schweden waren alles andere als Glück!

Schweden

Das erste Tor fiel in der 32. Minute (Toivonen), nachdem in der 13. bereits ein blitzartiger Konter der Schweden beinahe zum Abschluss geführt hätte. In der 44. Minute gab es eine ähnliche Chance für die Schweden (Forsberg), die unglaublich schnell vorgetragen wurde und beinahe zum Tor geführt hätte.

Die Schweden waren brandgefährlich!

Deutschland

Was darauf folgte war ein mühsamer „Selbstfindungsprozess“ der deutschen Nationalmannschaft unter massivem Druck. Dabei fiel die Mannschaft leistungsmäßig derart auseinander, dass es zeitweise nur noch zwei drei Spieler gab, die bereit waren, zum Abschluss zu drängen (darunter Reus und Kroos). Viele andere wie Boateng, Gündogan und Müller (nur als Beispiele genannt) konzentrierten sich vor allem darauf, keine Fehlpässe zu haben (was ja immerhin auch nützlich ist), übernahmen aber keinerlei Initiative.

Also das Problem waren nicht die Schweden, sondern sehr unterschiedliche Motivationslagen bei den deutschen Spielern.

Schweden hat hinreißend gekämpft

So ist das nun mal, wenn sich auch der Blick der Moderatoren und Kommentatoren auf die eigene Mannschaft verengt. Die anderen werden nicht mehr richtig gesehen. Sehr traurig, weil es sich ja eigentlich um ein Spiel zur Völkerverständigung handelt. Dabei ist eben beides wichtig: Das Spiel, das ein Spiel ist und die Völkerverständigung. In der Übertragung im Ersten hat wenigstens die Kameraführung verstanden, dass es darum geht. Zahlreiche Schwenks in den schwedischen Fanblock haben jubelnde und weinende Schweden gezeigt und damit die Dramatik des Spiels in einer sehr schönen Weise dargestellt.

Bis zum Ende blieben die Schweden nah dran am 2:1. In der 83 Minute nach einem Eckstoß strauchelt Neuer und kann einen Querschläger gerade noch abwehren. Das war knapp.

Fazit: Die Schweden haben anders gespielt, als die Deutschen, hätten einen Sieg aber ebenfalls verdient gehabt. Am Ende entschieden die Nerven und eine Standardsituation: Kroos lies in der Nachspielzeit einen Freistoß am Sechzehner in der exakt vorgeschriebenen Flugbahn (Parabel)  ins linke obere Eck des schwedischen Tors segeln.

Das war es dann.

Zu meckern gibt es an dem Spiel nichts, eher am drum herum.

„Die Deutschen seien schlechte Gewinner“ meinte der schwedische Trainer. Damit meinte er aber wohl nicht die Mannschaft, sondern die Betreuer, die nach dem Spiel ein Handgemenge bei der schwedischen Bank veranstalteten. Ja, so humorlos kann ein überzogener Leistungswille machen.