Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Ganz offensichtlich zeigt der hohe Druck, bewirkt durch den derzeitigen rechten Gegentrend zur gesellschaftlichen Auflösung durch Kapitalismus und Globalisierung,  in linken Gehirnen eine verheerende Wirkung.

Sie kriegen einen Anfall nach dem anderen und zerren dabei wieder Adorno, Horkheimer und Marx an die Öffentlichkeit, Philosophen also, die die linke Hybris immer wieder rechtfertigen sollen, aber in Wirklichkeit nur weitere Auflösung im Programm haben.

Aber was kommt dabei raus?

Familienkritik als Kapitalismuskritik.

Im angelsächsischen Raum als „familiy abolition“ firmierend und ein furchtbar alter Hut, den die Motten schon halb aufgefressen haben. Hauptbeteiligte sind Frauen, die die weibliche Befreiung nur durch die Abschaffung der Familie sehen. Dabei wird das kommunistische Manifest rauf und runter zitiert, in dem lediglich steht, dass der Proletarier im Prinzip keine Familie hat und auf Weibergemeinschaften verwiesen wird, die Kinder gemeinsam aufziehen. Der Proletarier hat aber deshalb, nach Marx, keine Familie, weil sämtliche Nachkommen in den Produktionsprozess gezwungen werden, was im KM auch ziemlich genau so steht.

So what?

Feministische Kapitalismuskritik war schon immer Familienkritik. Eine äußerst hohle und durchsichtige Nummer, denn die Ausbeutungsverhältnisse in Familien haben in der Regel mit dem Besitz von Produktionsmitteln und der Ausbeutung der Massen überhaupt nichts zu tun. Es sei denn, man gibt dem Arbeiter die Schuld, dass er aus Not irgendwo auf der Welt seine Kinder verkauft. Dann haben wir die These, dass die Unterdrückten durch Unterdrückung ihrer Familien an ihrer Ausbeutung mitarbeiten. Also alle, die gerade keine Revolution veranstalten.

Schön also für jeden globalen Konzern, für jeden Oligarchen und Superreichen, zu wissen, dass die Armen ihre Unterdrückung wegen mangelnder Moral (verursacht durch familiäre Unterdrückungsverhältnisse) selbst verschulden. Dann ist doch die Welt des brutalen, neoliberalen Systems wieder in Ordnung!

Ein Blödsinn, den sich nur das neue revolutionäre Subjekt (nach der Frankfurter Schule), also der durchgeknallte Linke, einfallen lassen kann oder besser, die durchgeknallte Linke. (Meist frustrierte Frauen, die als Mädchen zum Geschirrspülen gezwungen wurden.)

Die Realität sieht ganz anders aus und wurde von Marx auch so beschrieben. Unter kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen wird das Familienbild der Bourgeoisie ad absurdum geführt, erstickt an seinen eigenen Widersprüchen, was zur Auflösung der Institution Familie führt. Also nicht die Familie perpetuiert den Kapitalismus sondern der Kapitalismus zerstört die Familie. Genauso läuft es ja auch seit Jahrzehnten.

Adornos Todestrieb der Rechtsradikalen

1967 als Theodor W. Adorno, der orakelnde linke Philosoph der Frankfurter Schule, seine Vorlesung über Aspekte des Rechtsradikalismus geschrieben hat, mag seine Analyse, dass die neuen Faschisten in Deutschland den Untergang herbeisehnen, den Untergang insgesamt, noch verständlich gewesen sein. So kurz nach dem Untergang des Dritten Reichs, konnte man den wieder aufflammenden Nationalismus, vertreten durch die damals erfolgreiche NPD, vielleicht nur tiefenpsychologisch begreifen. Die ewig Gestrigen also, die das Werk der Zerstörung zur Musik von Richard Wagner endlich zu Ende bringen wollen, darunter wohl eine ganze Reihe von Kriegstraumatisierten.

Vielleicht war ja etwas dran, 1967.

Diese These aber für prophetisch zu halten, ist schlicht und einfach Macke.

Heute geht es der neuen Rechten um Restauration und nicht um Zerstörung, um das Überleben von gesellschaftlichen Institutionen, wie der Familie und nicht um Auflösung im wagnerianischen Rausch. Vielleicht brauchen die orientierungslosen Linken ja eine antiautoritäre Vaterfigur (Adorno), die sie nur in der Frankfurter Schule finden können, weil die eigenen Väter ja schon aus ideologischen Gründen nichts taugen dürfen. Aber auch das ist Tiefenpsychologie und Orakel waren doch eigentlich schon abgeschafft.

Was die Frankfurter Schule aber der antiautoritären Linken immer geboten hat, ist die perfekte Absolution für jede ihrer Verantwortungslosigkeiten, bis hin zur Unterstützung der RAF.

Man brauchte einfach nur genug Intellekt, um als revolutionäres Subjekt durchzugehen, das sich quasi jeder Verantwortung für sein Handeln entziehen kann. Denn die Revolution, welche auch immer, schafft schließlich etwas vollkommen Neues, das niemand vorhersehen kann (Marx und Lenins große Fehler, Verantwortung übernehmen zu wollen.). Der Revolutionär braucht nur die Auflösung des Vorhanden zu betreiben, den Rest richtet die Geschichte.

Wer an diesen Blödsinn heute immer noch glaubt, ist ein Idiot oder eben durchgeknallt.

Wir sehen heute ganz aktuell die Folgen nach jeder Revolution in der arabischen Welt. Das Ergebnis ist immer dunkle Barbarei. Die Linken halten das weiterhin für richtig.

Die Grünen dagegen haben, genau aus diesem Grund und weil sie die soziale Frage nicht leiden können, große Hemmungen, mehrheitlich Linke zu werden. Sie sind konservative Ideologen einer neoliberalen Ökologie und einer kleinen Besonderheit, die daraus resultiert. Sie kennen keine Grenzen, denn die Natur macht ja auch nicht an Staatsgrenzen halt und sie lieben die Globalisierung, sind also keine Globalisierungsgegner, wie manche Linke, weil sie die Möglichkeit bietet, den ganzen Erdball als ökologisches Objekt des grünen revolutionären Subjektes (ebenso elitär wie die Frankfurter Schule) zu begreifen. Damit sind die Grünen zwar nicht links und noch weniger sozial, aber sehr sehr antinational, man könnte schon sagen, staatsfeindlich (auch hier der Vergleich zu den linken Ideologen).

Was nun?

Wie zu erwarten, graben unsere fortschrittlichen, gesellschaftlichen Kräfte alte Hüte aus und bedienen sich auf den Friedhöfen der linken Geistesgeschichte bei Wiedergängern, wie Marx, Adorno oder Horkheimer.

Sollen Sie. Aber ernst darf man die nun wirklich nicht nehmen!