Putin 2

Screenshot Gedächtnisbüro 2012

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die Berichterstattung der Medien im Fall Skripal wirkt lückenhaft. Es sind wesentlich mehr Erkenntnisse an die Öffentlichkeit gedrungen, als üblicherweise im Zusammenhang mit dem Giftanschlag auf den ehemaligen GRU-Oberst und seine Tochter kolportiert werden.

Ist das journalistische Oberflächlichkeit oder gibt es andere Gründe dafür?

Einige Fakten, die Russland stark belasten und auch Wladimir Putin, den russischen Präsidenten, in Verdacht bringen, sind im ausführlichen Wikipedia-Beitrag über Sergeij Skripal dokumentiert.

Der Begriff Fakten, sollte hier nicht mit Beweisen verwechselt werden. Es handelt sich überwiegend um geheimdienstliche Mitteilungen, die durchgesickert sind und ein Video in dem Wladimir Putin sich über Verräter äußert und zwar anlässlich des Agentenaustausches im Jahr 2012, den nicht Putin, sondern der damaligen Präsident Medwedjew vorgenommen hat. Das Video kann als Reaktion hierauf verstanden werden. Er äußerte darin:

„Die Verräter werden ins Gras beißen. Vertrauen Sie mir. Diese Leute haben ihre Freunde betrogen, ihre Waffenbrüder“.

Was der Präsident bei seiner Äußerung nicht bedacht hat, ist, dass es sich nicht mehr um einen typischen geheimdienstlichen Ehrenkodex handelt, den er da bemüht, sondern um ein typisches Mafia-Verhalten, Verräter zu eliminieren. Die Geheimdienste sind in aller Regel schon etwas zivilisierter.

Putins Drohung (der Präsident droht des Öfteren in recht ernster Weise) kann durch initiale Äußerungen im staatlichen russischen Fernsehen kurz nach Bekanntwerden des Anschlages in Großbritannien ergänzt werden. Dort äußerste sich ein Moderator zynisch über die Gefahr in der sich ehemalige russische Staatsbürger in Großbritannien befänden. Das Klima sei sehr schädlich dort.

Außerdem seien am 3. und 4. März von einem Horchposten in Südzypern Nachrichten an einen „Offiziellen“ in Moskau unter anderem mit Inhalt „das Paket wurde geliefert“ und „die beiden hatten einen erfolgreichen Abgang“ abgefangen worden.

Zumindest hierbei handelte es sich um eine geheimdienstliche Information, die auch den europäischen Regierungschefs vor der Entscheidung zur Ausweisung russischer Diplomaten gegeben wurde. Sie erscheint glaubwürdig.

Warum berichten die Medien nicht darüber?

Die Frage ist berechtigt, warum unsere Medien solche Details, die die Glaubwürdigkeit der russischen Verwicklung in die Mordanschläge stützen, nicht kolportieren. Es besteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, es solle etwas hochgekocht werden, um einen Konflikt mit Russland zu provozieren, der sich dann auch in Bezug auf Syrien ausspielen lässt. Eine Vermutung, die bei der aktuellen Syrienkrise nach einem fraglichen Giftgasangriff der syrischen Armee auf Duma bei Damaskus, sicher nicht ganz weit hergeholt ist.

Warum werden die Indizien, die unsere Regierungen überzeugt haben, nicht auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt?

Putin hat einen Januskopf

Putin hat ganz sicher zwei Gesichter und eines davon ist sein KGB-Gesicht, das in der Weltöffentlichkeit nur schwer durchschaut wird. Am ehesten erkennt man dieses Gesicht, wenn er Drohungen gegen andere Personen ausspricht, also persönlich wird. Die Person, der gedroht wird, muss dabei selbst erahnen, dass sie gemeint ist. Die Art der Drohung ist dabei aber sehr direkt und existentiell. Darüber wurde hier bereits im Zusammenhang mit einer Fernsehdiskussion und Putins Antworten an die chancenlose Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschack, die Putin attackierte, berichtet.

Als Präsident mag Putin tatsächlich ein staatsmännisches Auftreten haben, als KGB-Mann, der er immer noch ist, ist er dagegen mit einer erheblichen kriminellen Energie „gesegnet“ – kurz, Putin ist gefährlich.

Putin ist eben auch ein Russe

Er ist wohl keinesfalls der einzige Russe mit einer kriminellen Energie, von der wir nur „träumen“ können. Der halbe Staatsapparat in Russland ist kriminell durchsetzt, die Mafia wird in Russland ehrfürchtig bewundert, teilweise sogar verehrt. Russen tendieren oft dazu, jede Art von Macht anzubeten, auch wenn sie moralisch vollkommen abgründig ist. Eine Fähigkeit, die die Zusammenarbeit mit dem Massenmörder Assad überhaupt erst möglich macht.

Der Punkt ist eben der, dass man solche Leute nicht beschuldigt, ohne Beweise vorzulegen. Das Problem besteht nämlich darin, dass sie alles abstreiten, was man abstreiten kann, auch wenn sie schuldig sind. In Russland ein völlig normales Verhalten, woanders auf der Welt übrigens auch.

Genau das ist das Problem. Der russische Staatsapparat ist zwar mafiös durchsetzt und erzeugt ein zunehmendes Unbehagen im Westen.

Aber warum wird nicht reagiert?

Statt stillschweigend mit russischen Oligarchen zu kooperieren, die russische Geldwäsche in Europa zu dulden und zu übersehen, Fussballvereine von Kriminellen finanzieren zu lassen und Parteispenden von der russischen Mafia anzunehmen, wie es vor allem die Tories in Großbritannien in den letzten Jahren getan haben, sollte man diese Leute konsequent offen legen.

So entsteht Glaubwürdigkeit und nicht durch hysterische Medienberichte und chaotische Reaktionen der Politik!