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Fotos: Gedächtnisbüro Berlin 2015

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Wie der Abgasskandal von Volkswagen und die laufenden TTIP-Verhandlungen zusammenhängen.

Gar nicht? Könnte man vermuten, wenn man die unschuldig wirkenden Medienberichte verfolgt, die die Schuld für die manipulative Abgas-Software ausschließlich beim VW-Konzern suchen.

Richtig so, denn wenn man Volkswagen für sich allein genommen betrachtet, sieht es tatsächlich so aus. Neulich erklärte mir ein VW-Mitarbeiter allerdings ziemlich freimütig, dass es in der „Diesel-Mafia“ bekannt sei, wie die Abgaswerte weltweit von fast allen Herstellern manipuliert werden. Realistische Messungen sind bei dem USA-geführten Konzern Mitsubishi genau wie bei deutschen Dieselherstellern wie BMW und Mercedes um das drei- bis vierfache höher, als die offiziell angegebenen Werte.

Eine globale Augenwischerei also, bei der auch US-Konzerne mitmischen.

1.Plage: Die Bankenkrise

Nicht viel anders, war es bei der Deutschen Bank, die Schrottpapiere auf dem europäischen Markt genauso wissentlich verbreitete, wie die US-Banken, von denen schließlich eine Pleite ging und die Bankenkrise auslöste. Warum nun ausgerechnet die Deutsche Bank zur nächsten Skandalbank in den USA wurde, ist auf den ersten Blick nicht zu erklären, auf den zweiten Blick schon. Die USA fürchteten eine deutschen und europäischen Alleingang an den Finanzmärkten und brauchten eine Daumenschraube, um deutsche Entschädigungsansprüche im Rahmen der Bankenkrise zu verhindern. Genau diese Daumenschraube lieferte die dumme Mitläuferbank namens „Deutsche Bank AG“ mit ihren kriminellen Machenschaften in den USA.

2. Plage: Die Eurokrise

Der Kampf zwischen den Europäern und den Vereinigten Staaten ging dann mit der Eurokrise in die nächste Runde. Es ging hier vor allem um die wachsende Bedeutung des stabilen Euros als Weltreservewährung. Fast ein Viertel aller Devisenreserven weltweit, waren zu Beginn der Eurokrise in unserer Gemeinschaftswährung angelegt. Der erfolgreiche Versuch den Euro zu destabilisieren, wurde bereits in einem geheimen Wallstreet-Treffen, dem so genannten New Yorker Dinner im Februar 2010 zwischen amerikanischen Investmentbankern (darunter auch George Soros) abgesprochen. Die Zündung der Eurokrise ging dann von amerikanischen Rating-Agenturen aus, die begannen, die Bonität Griechenlands in Frage zu stellen und schließlich alle so genannten PIGS-Staaten im Euro ins Visier nahmen. Als Ergebnis dieser sehr erfolgreichen finanzwirtschaftlichen Kriegsführung gegen Europa wurde die geplante Euro-Dollar-Parität (ein Euro sollte ein Dollar wert sein) inzwischen fast erreicht, der Euro ist als Reservewährung in der Welt seitdem wesentlich unattraktiver geworden, obwohl die  Amerikaner ihren Dollar inflationär in die Finanzmärkte pumpen und seit Jahren einen prinzipiell zahlungsunfähigen Staat auf diese Weise am Leben halten. Ohne die Lizenz zu drucken, wäre Washington schon seit 10 Jahren pleite. Die Abwertung des Euros verschaffte den Europäern zwar grundsätzliche Exportvorteile, gab den Amerikanern aber die Chance, ihre Währung als „stabile“ Reservewährung und Weltwährung zu behaupten, weil eine weitere Abwertung des Dollars durch die Eurokrise (hier zählt vor allem das Verhältnis Euro-Dollar) nicht zu befürchten war. Ein regelrechter Anschlag also.

3. Plage: Die Ukraine-Krise

Dann kam, die Eurokrise war noch nicht ausgestanden, die Ukraine-Krise, welche direkt in die Konfrontation mit Russland führte. Gegenstand war ein beiläufig verhandeltes EU-Assoziierungsabkommen, das schließlich von den USA dazu benutzt wurde, einen Umsturz in der Ukraine zu initiieren und aus Europa eine Art Hegemonialmacht gegen Russland zu formen. Den Amerikanern ging es dabei nicht nur um die Schwächung des militärischen Konkurrenten im Osten, sondern auch um die Schwächung der EU und vor allem die Entfremdung zwischen der EU und Russland. Die europäischen Regierungen, die von Washington im Jahr 2014 mit Sanktionen gegen Russland vor sich hergetrieben wurden, sollten die eurasische Perspektive gründlich verlieren und nie wieder an einen gemeinsamen eurasischen Wirtschaftsraum mit Russland denken. Der engste Modernisierungspartner Russlands, Berlin, stand vor allem im Visier der Amerikaner und wurde über den starken amerikanischen Einfluss auf die Polen und Balten, massiv unter Druck gesetzt, sich gegen die Regierung Putin zu stellen. Ähnlich erging es Frankreich. Auch hier wurde das amerikanische Erpressungsmuster, das wir schon von der deutschen Bank kannten, wiederholt. Die BNP-Paribas bekam eine Milliardenstrafe in den USA wegen des Verstoßes gegen Sanktionsgesetze, die sich 2003 auf den Iran bezogen, mit dem klammheimlichen Angebot, die Strafe auszusetzen, wenn Frankreich seine Mistral-Schiffe nicht an Russland liefern würde. Genauso ist es gekommen. Die französische Regierung wurde über wirtschaftliche Druckmaßnahmen von den USA „motiviert“, das Geschäft zu canceln.

4. Plage: Die Syrienkrise und die Flüchtlingskrise

Am Ende stand die Zerstörung, der in Washington gefürchteten Achse „Paris-Berlin-Moskau“ und eine instabile EU, welche neuerdings von Flüchtlingsströmen überflutet wird. Die internationale Schleusermafia rekrutiert sich dabei vor allem aus arabischen Ländern, in denen die USA vor kurzem Krieg geführt haben. Dem Irak und Libyen. Letzteres wurde unter erheblicher Beteiligung der Amerikaner destabilisiert, die dafür lediglich den Angriff auf die Botschaft in Bengasi als Quittung bekamen und dafür aber eine weithin destabilisierte Region direkt vor den Toren Europas schaffen konnten. Die Flüchtlingsströme sind außerdem das direkte Ergebnis einer „amerikanisch“ betriebenen Destabilisierung Syriens, die auch während der Phase der Allianz gegen den IS unter amerikanischer Führung konsequent fortgesetzt wird. Hinter dem Deckmantel einer so genannten politischen Lösung für Syrien und des Kampfes gegen den IS, wurde weder der Islamische Staat, der in amerikanischen Gefangenenlagern im Irak, wie Camp Bucca, vor einigen Jahren unter den Augen der Amerikaner gegründet wurde, konsequent bekämpft, noch eine Lösung mit dem Assad-Regime gesucht, es wurde einfach weiter Bürgerkrieg betrieben, der dann zu dem Exodus führte, unter dem Europa derzeit ächzt!

Das ist die aktuelle Phase des amerikanischen Krieges gegen Europa. Man könnte die aufgezählten Ereignisse auch als typische amerikanische „Zersetzungstrategie gegen die Europäische Union“ bezeichnen, landet damit aber auf dem Index der Verschwörungstheoretiker.

 

Dennoch sollte man die Augen nicht verschließen, wenn aktuell ausgerechnet auf einem der Höhepunkte des öffentlichen Widerstandes gegen TTIP (das amerikanisch-europäische Freihandelsabkommen) der vorgetäuschte Umweltstandard eines deutschen Automobilkonzerns in den USA offenbar wird. Einen besseren Schachzug hätten die Amerikaner gar nicht tun können, als zu diesem Zeitpunkt Volkswagen mit Kompromat anzugreifen! Gerade werden die Umweltstandards bei TTIP verhandelt und in der Öffentlichkeit sieht es so aus, dass die Amerikaner eine Absenkung diverser Umweltstandards im Rahmen des Abkommens verhandeln wollen, da kommt der Volkswagen-Skandal!

Braucht man eigentlich noch mehr Hinweise, um die Bedeutung, welche die Amerikaner diesem Abkommen tatsächlich zumessen, einzuschätzen? Die Bedeutung ist gewaltig, auch wenn sie in der Washington-Administration künstlich bagatellisiert wird. Es geht um nicht weniger, als die Sicherung amerikanischer Rechtsstandards auf dem Europäischen Markt, einschließlich eines Einfallstores gegen das europäische Rechtssystem. Die so genannten Schiedsgerichte, der Amerikaner sollen in die Lage versetzt werden, auch das in Europa zu tun, was sie in Amerika längst praktizieren, Konzerne und ganze Gesellschaften mit einer „privaten“ Rechtsprechung unter Druck zu setzen, sich amerikanischen Interessen und Ansprüchen zu beugen. Beim Widerstand gegen TTIP geht es nicht um ein Freihandelsabkommen, sondern darum, ein deutliches Zeichen gegen die wirtschaftliche und politische Hegemonie der Amerikaner in Europa zu setzen.

Europa war dabei, sich als Staatenblock zu finden und zu organisieren, als die Amerikaner anfingen ihre sieben Plagen über unseren Kontinent zu schicken.

 

Die nächsten drei Plagen, welche die Amerikaner für uns bereithalten, liegen in der Zukunft, deuten sich aber bereits an.

5. Plage Rohstofferpressung

Derzeit wird das globale Rohstoffgefüge von den Amerikanern und ihren Verbündeten (insbesondere Saudi Arabien) kräftig durcheinander gerüttelt. Die Zerstörung der Partnerschaft mit Russland und die Verhandlungen über das TTIP-Freihandelsabkommen dienen auf Ebene der Rohstoffmacht vor allem den Zweck, die amerikanische Fracking-Technologie in Europa salonfähig zu machen. Es geht dabei, wie auch bei den kanadischen Teersänden, die im CETA-Abkommen politisch reingewaschen wurden, darum, eine schmutzige und gefährliche Technologie der Gas- und Ölgewinnung in den westlichen Ländern zu verankern, die Amerika eine Führungsposition sowohl in der Technologie, als auch der eigentlichen Rohstoffproduktion sichert. Die derzeitig von den arabischen Erdölproduzenten (insbesondere Saudi Arabien) durch hohe Förderquoten provozierte Verbilligung des Erdöls führt dabei nicht nur zu einer Schwächung des Technologischen Fortschrittes in der Ölgewinnung bei den Russen, die stark vom Rohstoffmarkt finanziert sind und durch die Sanktionen auch noch von technologischen Ölförder-Entwicklungen abgeschnitten sind, sondern auch zu einer schnelleren Verausgabung der konventionell gewonnen Erdöl- und Erdgasreserven. Darin werden die USA zusätzlich noch von dem Islamischen Staat unterstützt, der seine eroberten Erdölfelder zum Schleuderpreis ausbeutet. Die Überflutung des Weltmarktes mit billigem Rohöl führt dabei nicht nur zu Konkurrenznachteilen für die europäischen sauberen, aber teureren Technologien auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien, sondern auch zu einem schnellen Heranrücken einer Energieknappheit, die nach Verausgabung der konventionellen Öl- und Gasfelder zu dem Zwang führen, die nächste schnell einsetzbare Ausbeutungstechnologie zu akzeptieren. Die ist das Fracking amerikanischer Provenienz. Die fünfte Plage wird also in Fracking-Gebieten überall in Europa bestehen, welche derzeit umwelttechnologisch als ebenso riskant wie die Atomenergie zu betrachten ist.

Im Ergebnis werden die Europäer in nicht allzu ferner Zukunft dann nicht nur abhängig von der amerikanischen Technologie, sondern auch von amerikanischen Öl- und Gasexporten sein. Die Russen werden, wenn das amerikanische Kalkül aufgeht, in ihrer Fördertechnologie weit hinterher hinken und Europa nicht mehr im gewohnten Umfang beliefern können. Von den Hindernissen für den Öl- und Gashandel, die durch die neue politische Blockbildung West gegen Ost ausgeht, einmal ganz abgesehen.

6.Plage Datenkrake über Europa

Die sechste Plage wurde bereits vom australischen Wikileaks-Gründer Julian Assange recht eindrucksvoll beschrieben. In seinem Buch: „Cyberpunks“ hatte er bereits unmittelbar vor dem NSA-Skandal die angestrebte globale Datenkontrolle durch die Amerikaner als Bedrohung für den Weltfrieden und die Demokratie ausgemacht.  Die Monopolisierung globaler Datenströme und deren Überwachung haben die Vereinigten Staaten längst erreicht. Schon heute sind sie in der Lage, jedes Land, jedes Unternehmen und jeden Bürger bei Bedarf vom internationalen Zahlungsverkehr abzukoppeln. Das hat Washington nicht nur am Beispiel russischer Unternehmen, sondern auch am Beispiel europäischer Banken, auch der Schweizer UPS angedroht oder schon bewiesen. Auch Wikileaks ist bereits Opfer einer solchen Isolierungsstrategie im internationalen Zahlungsverkehr geworden. Für Europa bedeutet dies zukünftig, dass die Chancen auf unabhängige Finanzinstitute durch die amerikanische Finanzmarkt- und Datenhegemonie kaum noch bestehen. Seit Jahren wird von einer europäischen Rating-Agentur geredet, die aber nicht kommt, wenn die Amerikaner das nicht wollen. Es stehen an der Wall-Street genügend Hebel zur Verfügung, solche Rating-Agenturen, die nicht im Besitz der Amerikaner sind, zu verhindern. Die sechste Plage ist also die Vernichtung der informationellen Selbstbestimmung durch die Amerikaner, die sich auf Bürger, Institutionen, Unternehmen und Länder beziehen kann. Google und Facebook wirken hier kräftig mit!

7.Plage Wer sagt, dass es nur sieben sind

Die siebte Plage lasse ich an dieser Stelle offen. Nicht, weil mir keine einfällt, die uns zukünftig von den Amerikanern ins Haus steht, sondern um die Phantasie des geneigten Lesers anzuregen.

Eins ist jedoch sicher. Sie wird kommen!

Kulturelle Hegemonie der USA oder Galgenhumor am Schluss

Wem in den letzten Jahren der europäischen Krisen nicht die kulturelle Hegemonie der Amerikaner in Europa aufgefallen ist, der hat mit Verlaub Tomaten auf den Augen.

Seit der Bankenkrise im Jahr 2008 kann man erkennen, wie die europäischen Hauptstädte keinesfalls nur durch McDonalds amerikanisiert wurden. Der Prozess fällt vor allem dadurch auf, dass wir in den neunziger Jahren und dem ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts durch die offenen Grenzen nach Osten einen osteuropäischen Trend in der Mode, der Musik und in den Konsumgewohnheiten hatten. Die unglaubliche Kreativität der Osteuropäer und vor allem auch vieler russischsprachiger Bürger zeigte sich vor allem im musikalischen Segment der Unterhaltungsindustrie, dem Modedesign und dem Lebensstil vieler Russen in Europa. Dieser war lebendiger, was die Musik anging, femininer, was die Mode betraf und lockerer, was den Umgang mit Geld, Konsum und Luxusgütern anging.

Seit der Ukraine-Krise ist davon nichts mehr übrig. Die großen Modehäuser haben auf amerikanische East-Side-Convention umgestellt, die Leute laufen inzwischen überall im County-Look amerikanischer Prägung herum und sehen dabei denkbar schlecht und schlampig angezogen aus. Die Europäerinnen, als Aushängeschild unseres Lebensstils, kann man unter ästhetischen Gesichtspunkten inzwischen vergessen. Sie sehen wie eine schlechte Kopie der typischen neurotischen East-Side New Yorkerinnen aus und verderben einem die Lust auf Europa.

Das gleiche Bild überall in den europäischen Modestädten, sei es Paris, Rom oder Berlin sogar in Kiew und Riga hat sich diese amerikanische Art, sich nicht anzuziehen, durchgesetzt. Aus dem Radio dödelt inzwischen nur noch amerikanischer Country-Pop und alle müssen bei dieser hundertzwanzigsten Neuauflage der Hippie-Bewegung mitmachen, weil es die Amerikaner auch tun. Denn die passen sich in Europa nicht an, sondern schicken ihre Marketing-Strategen, die amerikanische Trends in Europa durchsetzen.

Ein trauriges Bild, für einen eurasischen Kontinent, aus dem einmal die gesamte westliche Kultur hervorgegangen ist und der jetzt von seinem gierigen Satelliten aus Übersee kulturell, wirtschaftlich  und politisch geschluckt wird.

Gier ist das amerikanische Motiv schlechthin. Mit Gott hat das alles nichts zu tun. Die Aufzählung der sieben amerikanischen Todsünden erspare ich mir hier allerdings, sonst wird dieser Artikel zur Satire.

Vorsicht aber. Es ist keine Satire. Es ist viel Wahres dran!