steinmeier et al

Gedenkfeier, Screenshot Gedächtnisbüro

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Entsetzlich! Was selten vorkommt, aber geschieht, dass ein Mensch mit paranoider Psychose, der offensichtlich auch Stimmen hörte, die ihn quälten, sein Wahnsystem in einen mörderischen Amoklauf enden lässt, wird von den Parteien sofort in politische Münze umgewandelt.

Es ist schwer vorzustellen, dass Politiker inzwischen so kopflos sind, dass sie bereits in der Klärungsphase der Tat klare politische Einordnungen des Täters vornehmen und dann auch noch eine Warnung vor einer politischen Partei aussprechen, die angeblich für die Tat verantwortlich sei.

In diesem Sinne äußerten sich bis hinauf zur Kanzlerin eine ganze Reihe von Spitzenpolitikern und das zeigt, die unglaubliche menschliche Verrohung, die unter dem politischen Konkurrenzdruck, der vor allem durch die AfD verursacht wird, stattfindet.

Merkel sprach heute vom Gift des Hasses und Brandmauern gegen die AfD bevor eine zuverlässige Einordnung der Tat überhaupt möglich war.

Obwohl sich jetzt schon Experten öffentlich geäußert haben, dass die Veröffentlichungen des Täters Tobias R. deutliche Hinweise auf eine Paranoide Schizophrenie liefern, wird die AfD als geistiger Urheber der Tat beschuldigt.

Tobias R. hatte, nach derzeitigen Erkenntnissen, überhaupt kein rechtsradikales Umfeld. Sein Vater war bei Bündnis 90/ die Grünen politisch aktiv und überlebte den Amoklauf seines Sohnes unverletzt, während die Mutter vom Täter erschossen wurde. Der Mord an der eigenen Mutter weist doch vielleicht auf die Schwere seiner psychischen Erkrankung hin?

Für eine genaue Einordnung der Tat ist es noch zu früh. Aber die Zweifel an der Version eines rechtsradikalen Terroraktes, die derzeit durch die Medien geht, hätten zumindest führende Politiker gelten lassen sollen.

Das Mitgefühl gehört den Opfern und ihren Angehörigen, aber eine Solidarisierungswelle setzt ein politisches Attentat voraus und nicht die Einzeltat eines psychisch Kranken. Die Bewertung hätte man abwarten müssen, bevor man so tut, als sei die Tat mit den politischen Morden des NSU gleichzusetzen.

Weder den Opfern, noch deren Angehörigen, noch der Gesellschaft, noch den Mitbürgern mit ausländischen Wurzeln, die hier leben, tut man damit einen Gefallen.

Es macht alles nur noch schlimmer!

Mehr Trauer und weniger Empörung wären angemessen gewesen.

Nur das ist in dem politischen Krieg gegen die AfD, der derzeit tobt, nicht zu erwarten.

Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit. Die heutige politische und mediale Großoffensive gegen alles, was rechts ist, hat nicht danach gefragt, was die genauen Hintergründe von Tobias R. waren. Die psychische Erkrankung, die hier erkennbar ist, interessierte nicht. Es wurde in den Nachrichtensendungen, Interviews und Talkshows sofort nach den Konsequenzen gefragt. Als sei bereits sicher, dass es sich um einen knallharten Rechtsterroristen handelte und als müsste nur noch seine Terrororganisation aufgedeckt werden. All das läuft erkennbar in die Irre und schafft noch mehr Misstrauen.

Das muss eigentlich jeden beunruhigen, ob mit oder ohne ausländische Wurzeln. Denn dieser kriegerische Stil ist mit Sicherheit geeignet, unser Zusammenleben zu stören. Heute zeigte sich nach einem schlimmen Anschlag die Zerstörungswut der Politik viel eher als das Mitgefühl gegenüber den Opfern.

Ich persönlich finde das unmenschlich, kopflos und beängstigend. Beängstigend von der Spitze unserer Gesellschaft von der Regierung unseres Staates her, die heute die Gesellschaft nicht beruhigt, sondern weiter angestachelt hat.

Mit Hass!