Acte 45

Auch am Abend gab es noch Scharmützel zwischen Demonstranten und der Polizei (Screenshot)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Paris kommt nicht zur Ruhe. Bei der heutigen Klimademonstration in Paris, die im Vorfeld des UN-Klimagipfels stattfand, gab es Probleme mit dem schwarzen Block. Gelbe Westen waren eher weniger sichtbar.

Ungefähr 1000 Militante haben sich im Quartier Latin auf dem Boulevard St.-Michelle in die Klimademonstration gemischt und die Demonstration gewalttätig eskaliert. Die Polizei begann dann, Tränengas und Gummigeschosse gegen die Demonstranten einzusetzen. Es gab deutlich über einhundert Festnahmen und Teile der Veranstalter forderten die Demonstranten auf, nachhause zu gehen (Greenpeace).

Gelbe Westen sah man im Straßenbild allerdings nicht viele, wobei viele Demonstranten für soziale Gerechtigkeit, ihre gelben Westen schon deshalb nicht tragen, weil sie dann sofort von der Polizei angegriffen werden. Die Polizei war mit 7500 Einsatzkräften vor Ort, bei instgesamt 15000 Demonstrationsteilnehmern. Angeblich wurde sie verstärkt durch Einheiten der italienischen Polizei, wie es in den sozialen Netzwerken hieß.

Die Themen diversifizieren sich, die Demonstranten schließen sich zusammen

Interessant ist, dass die Demonstranten selbst, trotz sehr unterschiedlicher Themen, Solidarität übten. In Medieninterviews gaben Teilnehmer an, dass die Klimafrage und die soziale Frage zusammen gehörten. Ähnlich war es schon am ersten Mai, wo es ebenfalls zu Ausschreitungen in Paris kam, als eine breite Front von Gewerkschaften, Gelben Westen und eben auch Militanten durch Paris marschierte.

Die massive Polizeipräsenz ist allerdings auch eine Ursache für die Solidarisierung in sehr unterschiedlichen Partialinteressen, die vom Klimaschutz bis zur Eskalation des Konfliktes mit dem Staat (Schwarzer Block) reichten. Ab einem gewissen Punkt wurden heute auch einfach Touristen von der Polizei angegriffen, die in Frankreich das Recht hat, schon Personengruppen im Dutzend als unerlaubte Demonstration zu betrachten.

Warum diese Zuspitzungen sich besonders in Frankreich und Paris ereignen und nicht in anderen europäischen Hauptstädten, wäre noch eine besondere Betrachtung wert. Vermutlich ist die extreme Polizeigewalt dafür mitverantwortlich. Auch denkbar, dass Paris zum neuen Mekka der Militanten geworden ist, die sich zuvor besonders in Berlin und Hamburg ausgetobt haben.

Klima und soziale Frage gehören allerdings tatsächlich zusammen. Die Kombination war ein Auslöser der Gelbwestenproteste in Frankreich überhaupt, als im letzten Herbst die Benzinpreise aus Klimagründen in Frankreich angehoben werden sollten. Es traf natürlich besonders die Pendler, die ohnehin sehr knapp bei Kasse sind. Der Anfang der Kreiselproteste bei denen Verkehrskreisel außerhalb der Ortschaften blockiert wurden. Heute war bereits der 45. Samstag an dem die Gelben Westen Proteste für sich reklamiert haben.

Außerhalb von Paris gab es ebenfalls viele Demonstrationen, daunter in Lyon, wo ein Portrait von Macron mitgeführt wurde, das vom Bürgermeister der Stadt “Vienne” Thierry Kovacs (Les Republicains) zur Verfügung gestellt wurde.

Kovacs selbst lieh den Gelben Westen das Bild unter der Bedingung, dass keine obszönen Dinge damit angestellt werden und die Bürgermeisterei es am Montag unbeschädigt zurückbekommt.

Mal sehen.