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Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

In einem aktuellen Interview mit „Le Figaro“ äußert sich der ehemalige Premierminister zum Problem das Frankreich mit dem Islam hat.

“Depuis l’attentat de Nice, certains demandent l’interdiction de tous les signes religieux dans l’espace public. Là, je dis stop! Je refuse une France où l’on ne pourrait plus porter une croix dans la rue, un t-shirt à l’effigie du Pape, une kippa, un turban ou un voile!”

Die Aussage, dass man das tragen religiöser Symbole nicht einschränken sollte, leuchtet ein. Die Religiosität ist nach Fillon auch gar nicht das Problem, auch nicht in Bezug auf den Islam.

Das Problem ist „le totalitarisme islamique“ und hier gibt sich Fillon durchaus kämpferisch. Niemandem, der den Islam zu einer Ideologie macht, die das öffentliche und politische Leben bestimmen soll, dürfe man nachgeben.

“Il y a une montée de l’intégrisme musulman dans la société française. Mais c’est au commanditaire qu’il faut s’attaquer, celui qui entraîne, qui fixe des objectifs, qui dissémine son idéologie mortelle.”

Auch in der derzeitigen angespannten Situation sieht er eine vermehrte Integration von Muslimen in die französische Gesellschaft. Auf der anderen Seite aber, muss eine islamische Ideologie konsequent angegriffen werden. Solche Angriffe sollten nicht die Menschen treffen, die religiös sind, sondern jene, die deren Religiosität für eine gesellschaftliche Polarisierung zu Gunsten einer ideologischen Religionsauffassung nutzen.

Die Differenzierung ist nicht ganz einfach. Aber Fillon hat ein Buch darüber geschrieben.

http://livre.fnac.com/a10054552/Francois-Fillon-Vaincre-le-totalitarisme-islamique

Natürlich gibt es auch bei uns in Deutschland Islamkritik, die gut gemacht ist und ohne Diffamierung auskommt. Man kann hier auf die syrische Schriftstellerin und Pädagogin Lamya Kaddor verweisen, die derzeit leider in das Visier von Rechtsextremen geraten ist und sogar Morddrohungen erhält.

Natürlich kann man Morddrohungen mindestens genauso leicht aus der islamischen Community erhalten, wie aus der rechtsextremen Ecke, wenn man das jeweils scheinbar falsche sagt.

Langsam aber kristalisiert sich heraus, dass Morddrohungen vor allem die ehrlichen Leute bekommen, die sagen, was Sache ist.

In Bezug auf die Muslime in Europa ist diese Sache eine Unfähigkeit sich selbstkritisch zu dem dringenden Reformbedarf zu äußern, den die muslimischen Gemeinden seit Jarhzehnten verschleppen und sich somit immer weiter abseits zu den westlichen, liberalen Gesellschaften stellen. Das mag an der autoritären Strukturierung vieler Muslime liegen.

In Bezug auf die Islamkritiker ist die Sache eine penetrante und fast schon gewollt wirkende Vermischung von Religion und Ideologie, wenn der Islam kritisiert wird. Für das, was Erdogan derzeit in der Türkei abzieht, kann man beim besten Willen nicht den Propheten Mohamed verantwortlich machen, für den grauenvollen Islamischen Staat erst recht nicht.

Allerdings sagt Kaddor etwas sehr wichtiges, was viel zu selten gesagt wird: Im teilweise sehr unsachlichen Konflikt zwischen westlichen Gesellschaften und Muslimen spielen ideologische Islamisten und Rechtsextreme sich gegenseitig die Bälle zu, um die Situation weiter zu eskalieren. Genau das ist der Stoff aus dem irgendwann Bürgerkriege gemacht werden. Bei uns in Europa wird es allerdings keinen Bürgerkrieg geben, dann eher noch einen radikalisierte Abfuhr der Mehrheitsgesellschaft an Muslime, die durchaus diverse “Rausschmisse”beinhalten kann.

Ob es so weit kommt, liegt auch in den Händen der gemäßigten Leute bei den Muslimen und der Mehrheitsgesllschaft. Beide Seiten, mit der Betonung auf Beide Seiten, müssen ihre Scharfmacher disziplinieren. Bei den Muslimen erlebt man das allerdings viel zu selten!