Wenn die wichtigsten EU-Partner nicht bereit sind mit Deutschland zusammen einen gemeinsamen Puffer für die Flüchtlingsströme zu bilden und stattdessen zur Nationalstaaterei zurückkehren, wird auch Deutschland das Problem nicht lösen können.

In Frankreich ist der Staat restriktiver im Umgang mit Flüchtlingen, als in Deutschland. Das ist nicht unbekannt, schließlich habe man trotz vieler Einreiseversuche in 2015 die Zahl der zugereisten Flüchtlinge auf etwa fünf Prozent des faktischen deutschen Flüchtlingskontingents begrenzt, das natürlich nirgendwo verabredet wurde.

Das Land setzt auf Abschreckung und führt illegal eingereiste Flüchtlinge umgehend in die Ersteinreiseländer zurück. Da,  wo das am Widerstand der Flüchtlinge scheitert, wie beispielsweise in Calais, führt der französische Staat einen stummen Krieg, von dem derzeit ungefähr sechstausend Flüchtlinge betroffen sind.

Ein Spiegel-Artikel berichtet über die Verhältnisse in einem improvisierten Flüchtlingslager in Calais, in dem die Behörden gerichtlich gezwungen werden mussten, wenigstens für die gröbste Infrastruktur zu sorgen. Am liebsten will man das Lager auflösen, da von dort Flüchtlinge immer wieder versuchen, nach England zu kommen, teils in lebensgefährlicher Art und Weise.

Unterstützung erhalten die Flüchtlinge vor allem von Hilfsorganisationen, die auch gemeinsam mit diesem eine kleine Schule, eine Kirche, ein Restaurant und einen Laden aus Bretterbuden improvisiert haben. Die Kinder sitzen tagsüber dick angezogen in einer solchen Bretterbude und erhalten von freiwilligen Lehrern Unterricht, während sie nachts teilweise von Tränengas aufwachen und Luftnot haben, welches die französische Polizei immer wieder in das Lager schießt.

Der französische Staat will die Menschen vertreiben und ist bei diesen Versuchen inzwischen bei Terrormethoden gegen Flüchtlinge und ihre Kinder angekommen. Die Sache erinnert stark an die Vertreibung von Sinti und Roma aus Frankreich unter der Präsidentschaft von Sarkozy – Hollande ist offensichtlich nicht besser – die Franzosen sind offensichtlich so!

Hier in Deutschland haben wir es mit ganz anderen Dimensionen des Flüchtlingsproblems zu tun und können wohl auf die bekannte Partnerschaft mit Paris in dieser Frage nicht zurückgreifen. Die Franzosen beschämen sich derzeit selbst durch ihre restriktive bis brutale Politik gegen wenige, damit sie Viele davon abhalten, in ihr Land zu kommen. Denn der Staatsterrorismus gegen die Flüchtlinge in Frankreich spricht sich über die sozialen Medien schnell herum.

Natürlich ist das Problem nicht rein französisch, schließlich haben die Engländer mal eben Schengen außer Kraft gesetzt und hindern Flüchtlinge durch intensive Grenzkontrollen an der Einreise in ihr Land. Der Dschungel von Calais ist ein Problem das aus dieser Politik resultiert.

Deutlich aber wird an diesem Brennpunkt in der französischen Hafenstadt, dass Frankreich und Großbritannien absolut willens sind, dass gesamteuropäische Problem der Flüchtlingszuwanderung an die schwachen Einreiseländer im Süden Europas zu delegieren und selbst keine Verantwortung zu übernehmen! Das ist insbesondere deshalb schuftig, weil beide Länder im arabischen Raum gebombt haben, was das Zeug hält. Insbesondere Großbritannien hat hier massiv zur Destabilisierung des Iraks und Libyens beigetragen. Beide ehemalige Kolonialmächte im nordafrikanischen Raum, sind sich ihrer Verantwortung in keiner Weise bewusst und zerstören darüber hinaus mit ihrer Politik die Integration Europas.

Der neue Schmusekurs Camerons mit der antidemokratisch eingestellten Regierung Polens wirkt da, wie eine skrupellose Leichenfledderei. Der Brite tut so, als sei die EU schon Geschichte und paktiert ungehemmt mit extremen EU-Gegnern, die die Union von Polen aus spalten möchten. Die feindliche Haltung gegen Deutschland ist dabei unverkennbar.

Die deutsche Dominanz in der EU zeigt sich im Augenblick darin, dass Deutschland ein großes Problem auf sich nimmt, um den Schengenraum, den Euro und die EU zu erhalten! Das tun wir nicht das erste Mal!

Die Art und Weise, in der wir derzeit damit allein gelassen sind, und uns zunehmend von Regierungen, auch ehemals befreundeten Regierungen, wie Frankreichs Regierung Hollande, umgeben sehen, die jetzt ihren Nationalismus gegen den europäischen Gedanken setzen, schmerzt.

Weder Frankreich noch England haben ein Recht, europäische Probleme an andere zu delegieren und sich selbst von der Lösung auszunehmen. Noch schlimmer ist das Paktieren mit Ländern, die sich vollends einer Lösung der Flüchtlingskrise unter Beibehaltung des Schengenraumes verweigern. Die Annäherung an Polen ist unter den derzeitigen Umständen ein Schlag ins Gesicht von uns Deutschen. Die Engländer sollten dann lieber gleich die Konsequenzen ziehen und die EU verlassen!

Angesichts dieser neuen europäischen Krise ist Politik nicht mehr das, was die da oben machen, sie ist nicht abstrakt und das Verhalten von Franzosen und Engländern, von dänischen und schwedischen Regierungen schlägt direkt auf uns deutsche Bürger zurück. Es wird für uns keine Lösung der Flüchtlingskrise geben, wenn die EU sich verweigert. Allerdings wird es dann auch keine Lösung für die EU geben, was weitreichende Konsequenzen für die Mitgliedsstaaten haben wird. Die eingeschränkte Reisefreiheit und der Verlust der gemeinsamen Währung sind dann vorprogrammiert. Wie lange der gemeinsame Wirtschaftsraum dann noch funktioniert, dürfte äußerst fraglich sein!

Wenn die wichtigsten EU-Partner nicht bereit sind mit Deutschland zusammen einen gemeinsamen Puffer für die Flüchtlingsströme zu bilden und stattdessen zur Nationalstaaterei zurückkehren, wird auch Deutschland das Problem nicht lösen können. Dann werden wir wieder ein Europa der Grenzen haben. Auch der Grenzen zwischen Deutschland und Frankreich.

Ich persönlich überlege mir inzwischen, ob und wann ich mein ehemaliges Lieblingsland in Europa wieder besuchen werde. An Dänemark habe ich schon eine Absage erteilt, die Briten sehen mich so bald nicht mehr, aber Frankreich Adieu zu sagen, das schmerzt wirklich!