Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Michael Schumacher ist in ein anderes Leben übergetreten. Nicht freiwillig, das Schicksal hat ihn gezwungen oder einfach das Pech. Tatsache ist aber auch, dass die Anerkenntnis seiner neuen Existenzform, wie auch immer man sie beschreiben möchte, den alten Michael Schuhmacher nicht verschwinden lässt.

Der Weltklasse-Rennfahrer hat eine Reihe von Initiativen begonnen, welche die Familie nun weiterführen wird. Die Laufen im Namen des alten und des neuen Michael Schumachers, auch wenn er davon jetzt nichts mitbekommt – immerhin sind es seine Initiativen.

Die Familie muss in der Lage sein, in diesem Sinne in der Öffentlichkeit aufzutreten, ohne mit ständigen Fragen nach seinem Gesundheitszustand konfrontiert zu werden. Das macht unfrei und behindert die sozialen Anliegen, die Schumacher vor seinem Unfall verfolgt hat.

Die Fragen nach seinem Gesundheitszustand kann man sich jetzt, zweieinhalb Jahre nach seiner schweren Hirnschädigung auch sparen. Deutschland ist intelligent genug, zu wissen, wie es um ihn steht, auch ohne es gesagt zu bekommen. Nur so viel: Die Hirnschädigung war äußerst schwer und ausgedehnt, was auch in den ersten Wochen in der Öffentlichkeit bekannt war. Es grenzt ein Wunder, dass er das überlebt hat.

Die Frage, welche Hirnfunktionen jetzt noch gegeben sind, dürfte damit fast beantwortet sein. Nur noch die basalen Funktionen, die zum Überleben des Organismus erforderlich sind, vielleicht noch Grundgefühle, vielleicht noch einfachste Bewegungen – mehr ist nicht zu erwarten. Mehr wird auch nicht kommen. Die Zeit, in der sich Dinge deutlich bessern können, ist um.

Solche Leben gibt es tausendfach in unserem Land und niemand will beurteilen, was diese Menschen noch empfinden, ob es ein gutes, erträgliches oder unerträgliches Dasein in der Dämmerung ist. Es ist aber ein Dasein in der Dämmerung und das wissen wir alle.

Hören wir also mit dem Fragen auf. Schumacher ist vermutlich der beste Rennfahrer, den unser Land je hervorgebracht hat, aber er ist kein Gott. Er unterliegt menschlichen Gesetzen und seit Dezember 2013 unterliegt er den Gesetzen eines irreparabel geschädigten Gehirns. Akzeptieren wir das, ohne wenn und aber. Seine Familie wird dankbar dafür sein, denn die möchten auch in ihrem Leben weitermachen.