Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

11000 Euro am Tag. Soviel kostet der Unterhalt des Rettungsschiffes „Aquarius“, das seit 2016 im Mittelmeer Flüchtlinge aus Seenot rettet. Die NGO, die dazu gehört, „SOS Mediterrane“ ist in Marseille ansässig. Ihr Geschäftsmodell ist ausschließlich der Betrieb dieses Schiffes. Mit Unterstützung von „Mediciens sans Frontieres“ und privaten Spenden ist das Projekt finanziert.

Etwas Besseres, als die Weigerung von Italien und Malta das Schiff mit 629 Flüchtlingen an Bord, aufzunehmen, konnte der Organisation nicht passieren. Die Schlagzeilen in den Medien türmten sich fast meterhoch auf und die Spendenflut dürfte deutliche gestiegen sein. Schließlich gab es jetzt den sicheren Hafen in Valencia.

Das Geschäftsmodell solcher NGOs beruht ausschließlich darauf, genug Flüchtlinge aufzunehmen, um die Spendenbereitschaft der Menschen immer wieder anzukurbeln. Sollte einmal ein Jahr darunter sein, in dem keine Flüchtlinge auf dem Mittelmeer „gefunden“ werden,  dürfte die NGO pleitegehen.

SOS Mediterrane dürfte deshalb, genau wie andere Schiffsbetreiber-NGOs ohne breite Spendenbasis, geradezu gezwungen sein, informelle Kontakte mit Schleppernetzten zu pflegen, um seine Tätigkeit fortsetzen zu können. Hier beginnt die Grauzone zur Kriminalität, in der auch die italienische Staatsanwaltschaft gegen verschiedene NGOs, die Flüchtlingsschiffe betreiben, ermittelt. Ob SOS Mediterrane auch Gegenstand solcher Ermittlung ist, wurde bisher nicht bekannt.

Das Geschäft mit der selbst organisierten Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer, so verständlich es in seinen humanitären Absichten ist, bleibt, solange es nicht durch die EU-Staaten organisiert und finanziert wird, ein Geschäft in der Grauzone.

Der Unterschied zur organisierten Schlepperbande, ist in manchen Fällen nur noch schwer zu erkennen.

Ob hier die Flüchtlingsindustrie angekurbelt oder deren Kollateralschäden in humanitärer Hinsicht bekämpft werden, lässt sich nicht mehr entscheiden. Es offenbart sich lediglich eine Kette, in der jedes Glied ineinander greift. Von den Anwerbern in den Afrikanischen Staaten über die Transporter, die jeweils für viel Geld, die einzelnen Streckenabschnitte bis zur libyschen Küste für die Menschen organisieren, bis hin zu den Seeleuten, die marode Boote zur Verfügung stellen, mit denen Flüchtlinge lediglich ein paar Meilen aufs Meer hinausfahren können. Das letzte Glied dieser Kette, sind die privat organisierten Rettungsschiffe der europäischen Flüchtlings-Lobby.

Solange das so läuft: Ein todsicherer Job.