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Foto: Gedächtnisbüro 2015

Sönke Paulsen, Berlin

Die Diskussion um die Zielungenauigkeit des Standardgewehrs der Bundeswehr (G36), das in den frühen neunziger Jahren von Heckler und Koch für die Bundeswehr entwickelt wurde, weckt seltsame Phantasien.

Die Bundesverteidigungsministerin, deren akkurate Frisur seit ihrem Amtsantritt, zunehmend an einen Stahlhelm älterer Bauart erinnert, ist da in einen Skandal ihrer Vorgänger hineingeraten, den sie nicht zu verantworten hat. Die Probleme mit dem Gewehr waren schon bei ihren Vorgängern bekannt.

Dennoch gab es keine Beschwerden bei der Bundeswehr, zumindest nicht von Soldaten im Einsatz. Das mag vielleicht an der bisherigen Verwendung dieser Armee liegen, die sich in Afghanistan nur äußerst ungern in heftige Kämpfe verwickeln ließ. Die Waffen wurden vermutlich selten einmal heiß geschossen.

Wenn die mangelhafte Tauglichkeit im „heißen Einsatz“ nun zu einem Problem wird, dann könnte es auch etwas mit einem Wandel unserer Beamtenarmee zu tun haben, welche immer mehr der politischen Forderung nach „Schlagkräftigkeit“ ausgesetzt ist.  Ein Begriff, den man bisher eher den amerikanischen Marines oder der Royal Navy, vielleicht noch der Fremdenlegion zuordnen möchte, wenn es einmal nicht um Luftschläge geht, soll jetzt plötzlich auf unsere Bundeswehr passen?

Wenn van der Leyen über Hitzebeständigkeit und Staubunempfindlichkeit für eine neue Ordonanzwaffe der Deutschen philosophiert, denkt man unwillkürlich an Wüsten.

Sollten solche Wüsten zukünftige Einsatzgebiete für unsere Soldaten werden? Wird deshalb die Relevanz der Mängel dieser Waffe, die schon seit Jahren für nicht so relevant gehalten wurden, plötzlich betont, gar zum Skandal gemacht?

Nach all den kriegerischen Andeutungen unserer Bundespräsidenten, von Köhler bis Gauck, kann man nicht misstrauisch genug sein.

Deutsche Soldaten in der libyschen Wüste, an den heißen Küsten Somalias zur Seewegsicherung und sogar in der Sahara, zu Bekämpfung islamistischer Einheiten, Seite an Seite mit den Franzosen?

Die immer öfter kritisierte, schwache Tauglichkeit unserer Armee für harte Kampfeinsätze, könnte Methode haben. Egal ob es um Hubschrauber, Fregatten, zu schwach gepanzerte Truppentransporter oder das Standardgewehr G36 geht. Unsere Bundeswehr, die bisher immer noch zur Landesverteidigung im Bündnis gedacht war, soll kriegsfest gemacht werden.

Das bedeutet nicht unbedingt den Verteidigungsfall und auch nicht den Bündnisfall, sondern vermutlich militärische Interventionen, im Sinne von Angriffskriegen. Die Politik müsste dann nur, wenn das neue Gewehr, vermutlich wird es das MG36 derselben Firma, das schon auf dem Markt ist, zur Verfügung steht, schöne Euphemismen für Angriffskriege im islamischen Gürtel der Erde finden.

Deutschland muss ja nicht immer am Hindukusch verteidigt werden. Die libysche Wüste wäre ja auch mal was, oder gleich die Sahara und das Horn von Afrika zusammen? Es wird sich schon was finden.