Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

„Wird das Treffen zwischen Trump und Putin in Helsinki Spannungen abbauen?“ 70% der Spiegelleser wissen mehr und stimmen für Nein. Über 50% der Leser der „Welt“ fühlen sich durch das Treffen zwischen Trump und Putin eher beunruhigt, als beruhigt. Der Pressespiegel zeigt dabei überwiegend negative Konnotationen des Gipfels. Es dominiert die Sorge, dass hier zwei Autokraten die westlichen Demokratien unterminieren, Europa „fest im Griff“ halten und (Vorwurf mehr an Putin) Unrecht gegen Recht setzen.

Ein Versprecher Trumps, der besonders Freude macht, weil es kein Versprecher war, wird besonders hart konnotiert. Trump habe mit der Äußerung, er sähe keinen Grund, warum Russland hinter den Wahleinmischungen in den USA stecken sollte, seine Geheimdienste düppiert. Aber da fiel dem Präsidenten noch ein, dass er das “nicht” vergessen hatte. Er sähe keinen Grund, dass Russland nicht dahinter stecken würde.

In Amerika greifen die Medien begierig die giftigen Äußerungen der kalten Krieger auf und attestieren Trump Schwäche, Verrat und Lächerlichkeit im Umgang mit dem russischen Gegner. Die Rede ist von den beiden Senatoren McCain und Graham, die heute eine große Bühne bei den Medien hatten, weil sie ja schon immer wussten, dass Russland böse und Amerika gut sei und mit einem gewaltigen Sendungsbewusstsein jeden Regime-Change auf dem eurasischen Kontinent unterstützt oder auch mit initiiert haben, darunter auch die Tragödie in der Ukraine.

Wenn man am Ende dieses Tages als Leser, Zuschauer und Hörer nicht mehr weiß, wem man vertrauen darf, kann das aber auch ein heilsamer Augenblick sein, sich seine Meinung selbst zu machen.

Die Tatsache, dass Russland und Amerika mit dem Treffen der beiden Präsidenten wieder einen Dialog beginnen wollen, der seinen Namen verdient, über Abrüstung, Nichtverbreitung von Atomwaffen und bessere Zusammenarbeit sprechen und verhandeln wollen, geht im Getöse der Empörung unter.

Ein Lärm, der von eben den Eliten gemacht wird, an denen vorbei der amerikanische Präsident 2016 ja gerade gewählt wurde.

Genau diese Leute sind es, die in Washington an der Macht beteiligt bleiben wollen und deshalb so laut „Verräter“ schreien, wenn Trump sich gegenüber Putin verständnisvoll zeigt. Obama wurde schon für viel weniger (kein Angriff in Syrien) als lahme Ente bezeichnet.

Weil eben diese Leute lieber Krieg wollen, als Frieden, mobilisieren sie die Medien, die Geheimdienste und die Justiz, wo immer sie können, die alten Feindbilder zumindest aufrecht zu erhalten, wenn nicht zu verschärfen. Für den Wunsch nach Frieden und Abrüstung, den beide Präsidenten auf der gestrigen Pressekonferenz geäußert haben, gab es jedenfalls in den westlichen Medien keine Belohnung!

Das Problem ist, dass Trump dafür gewählt wurde, gegen die amerikanischen Machteliten vorzugehen

Ob es dem Kreml nun lieb war oder nicht. Im Herbst 2016 hat das amerikanische Volk einen Präsidenten an die Macht gebracht, der sich explizit gegen die alte Washingtoner Machtelite gestellt hat und mit groben Worten ankündigte, dort aufzuräumen.

Die Tatsache, dass sich Trump nun nicht eindeutig auf die Seite des „Staates im Staate“ der USA, der Medienmehrheit, des CIA, des NSA und des FBI gestellt hat, alles Institutionen, die von Leuten besetzt sind, die Amerikas Macht in der Welt mehren und im Inneren die Deutungshoheit über das behalten wollen, was „amerikanische Interessen“ sind, die von einer verhältnismäßig dünnen Führungsschicht geführt werden, die sich aus der Ostenküsten-Aristokratie rekrutiert und in den letzten Jahren von den „Neokonservativen“ dominiert wurden, ist wichtiger, als die Hoffnung auf Frieden und Kooperation.

Auch man selbst kann durchaus zu den Skeptikern gehören, die nicht glauben, dass der Gipfel von Helsinki wirklich Spannungen abbauen wird. Das liegt dann aber weder an dem amerikanischen noch an dem russischen Präsidenten, sondern überwiegend an einer bissigen Meute von so genannten amerikanischen Demokraten, welche die Spannungen überhaupt nicht abbauen wollen.

Die wollen die Macht zurück und werden das mit allen Mitteln betreiben!

Es besteht durchaus die Gefahr, dass genau diese  Schlangengrube, die sich von den USA bis nach Europa fortsetzt, in welcher auch die letzten amerikanischen Präsidenten regieren mussten, die direkte Machterteilung des amerikanischen Volkes an ihren Präsidenten, um den Preis sich international verschärfender Spannungen, rückgängig machen wird.

Wir haben es momentan mit einer internationalisierten amerikanischen Innenpolitik zu tun, die für die Welt äußerst gefährlich ist. Man darf nicht zu optimistisch sein, das es einem unerfahrenen amerikanischen Präsidenten gelingt, diese Gefahr abzuwenden. Denn für diese Eliten, die gegen Trump stehen, geht es um ihre Existenz.