Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Dem gelegentlichen Besucher fällt es vermutlich nicht einmal auf. Wer sich aber regelmäßig auf Google mit News versorgt, der stellt schnell fest, welche News-Anbieter leserfreundlich sind und wem es vermutlich nur um Maximierung der Klicks geht. Klicks sind schließlich die Währung über die Einnahmen im Internet generiert werden. Werbeeinnahmen natürlich.

Interessant ist schon, dass gerade die “Klick-Maniacs” unter den Medien bei Google News ganze Spalten mit Lesevorschlägen füllen, während andere, wie beispielsweise die TAZ, nur ganz gelegentlich dort auftauchen. Das hat etwas mit Popularität zu tun, aber nicht nur. Der Spiegel beispielsweise der mit seinen Werbeauftritten moderat und für den Leser erträglich bleibt, ist das größte deutsche Online-Medium, bei Google News aber deutlich unterrepräsentiert. Noch auffälliger ist die Diskrepanz zwischen der Größe also der Leserschaft eines Mediums und seiner Leuchtkraft bei Google News im Falle der Bild-Zeitung. Bild online erscheint ebenfalls erheblich unterrepräsentiert.

Jetzt aber zu den Medien, die bei Goggle News aus meiner Sicht überrepräsentiert sind, mannchmal bis zum Errbrechen, obwohl der Informationsgehalt der angezeigten Artikel dies kaum rechtfertigen kann. Zuvorderst ist es der Focus. Der enttäuscht regelmäßig mit Schlagzeilen, die im Header der bei Google News nicht ausgeschrieben ist, sensationales verheißen, dann aber beim Klick auf den Artikel nur mäßig interessant sind. Beispielsweise “Grenzzoff mit Österreich: Flüchltinge dürfen nur noch an fünf Übergängen nach…” – Da klickt doch der Unbedarfte gern mal drauf, um eine neue kleine Sensation zu finden. Faktisch hat man sich einfach nur geeinigt, welche Grenzübergänge genutzt werden sollen. Nix besonderes. Bei Focus liest man heute auch, dass China den USA mit Krieg droht. Faktisch wurde nur gesagt, dass China keine Angst vor einem Krieg mit den USA hätte. Typisches Säbelrasseln also, wie in den letzten Tagen auch. Fakten, Fakten, Fakten, hieß es einmal im Focus. Jetzt heißt es wohl eher “Menschen, Tiere, Sensationen”, auch wenn letztere keine sind oder nur eingebildete.

Von mir bekommt der Focus mit dieser Informationspolitik keine Klicks mehr, auch wenn er sich auf Google News nach vorn drängelt.

Wer auch leider keine Klicks mehr bekommt, ist die Welt. Ebenfalls recht dominant bei Goggle News vertreten und von der Gestaltung der Artikel her auch seriös und interessant. Nur das nützt mir nichts, wenn jedesmal beim Klick auf einen Artikel irgendein dummes Werbevideo einen Filmbericht der Welt einleitet, auf den ich gar nicht geklickt habe. Autostart nennt man sowas wohl. Ich kann drauf verzichten.

Die nächste, bei Google News überrepräsentierte Zeitung ist der Tagesspiegel. Das mag auch nur ein Mirror-Effekt sein, der bei Berlinern auftaucht. Google erkennt schließlich, wo man sitzt und was einen interessiert. Jedenfalls macht der Tagesspiegel auf ähnliche Weise Kasse, wie der Focus. Durch sensationsverheißende Header werden die Klicker angelockt, die Artikel dahinter sind häufig mäßig interessant, manchmal auch arg ideologisch angehaucht, wie wir es vor allem im letzten Jahr in der Ukraine Krise erleben mussten. Fast alles dort war Anti-Putin. Egal, mit Überschriften wie “Nippel statt Hetze” oder den berühmten unausgeschriebenen Headern a la  “Entführte Kinder in Berlin und Potsdam: Polizei: Möglicherweise Leichnam von ist der Tagesspiegel eine reines Lockmedium für mehr Klicks. Wer es mag. Ich mag es nicht.

Nicht drauf zu klicken erfordert allerdings einiges an Impulskontrolle, die ich inzwischen aufbringe.

Auch überrepräsentiert bei Google, jedoch mit guten Auftritten ist die Frankfurter Rundschau. Angemessen finde ich die Süddeutsche und die FAZ bei Google News, sowohl in der Häufigkeit, als auch in der Qualität der Artikel. Sie sind in der Regel ihre Klicks wert. Ähnliches gilt für die “Zeit”.

Am Ende bleibt mein Bedauern, dass der Google News Algorithmus zwar auf informationsarme Sensationsblätter wie Focus und Tagesspiegel anspringt, die bei mir regelmäßig die Hälfte der News-Empfehlungen ausmachen, so gut wie nie aber auf hochaktive Online-Auftritte wie der von Augsteins “Der Freitag” oder “Cicero” reagiert wird. Hier fehlen wohl die Klicks in absoluten Zahlen. Das “neue deutschland” auch eine linke Zeitung ist allerdings auch nicht so auflagenstark und populär, bei Goggle News aber regelmäßig vertreten. Wieso?

Sehr erfreulich dagegen die schöne Präsenz von Regionalzeitungen bei Goggle News. Hier versagt der Algorithmus mal nicht.

Es kann also noch werden!