Sönke Paulsen Gedächtnisbüro Berlin

Der Skandal nach den Regionalwahlen in Frankreich, in denen der Front National keine Region für sich gewinnen konnte, aber dennoch erschreckend stark abschnitt, war nicht unbedingt das Wahlergebnis.

Frankreich, oder sagen wir, das etablierte und linke Frankreich regt sich über Le Pens Retourkutsche gegen den Vergleich des Journalisten Jean-Jacque Bourdin zwischen dem IS und dem FN auf.  Dieser Vergleich, der intellektuell äußerst schwach ausgearbeitet, wie effektvoll war, hat Le Pen offensichtlich massiv geärgert.

In einem Interview äußerte Bourdin im Rahmen einer (recht suggestiven) Frage:

Jean-Jacques Bourdin, qui interviewait un spécialiste du monde arabe, a déclaré : “Je voudrais revenir sur les liens… euh… entre Daech et le Front… enfin les liens, pas les liens directs entre Daech et le Front national, mais ce repli identitaire, qui finalement est une communauté… d’esprit, parce que l’idée pour Daech c’est de pousser la société française au repli identitaire.” (LÓBS A LA UNE)

Die Gemeinsamkeit zwischen IS und FN bestünde also darin, dass beide Frankreich isolieren wollten. Nachvollziehbar, dass die FN-Chefin dieses Bemühen eines eher linken Journalisten alle Gegner auf einen Nenner zu bringen und dabei FN und IS gemeinsame Ziele zu unterstellen, recht ungehalten war.

Sie twitterte daraufhin Bilder von IS-Opfern, die den guten Geschmack der Franzosen verletzten und wurde daraufhin prompt, bis hinauf zu Manuel Valls als Brandstifterin bezeichnet.

Ein ziemlicher Quatsch ist das. Le Pen zeigte in drastischen Bildern, wie unpassend der Vergleich zwischen einer Terrororganisation des Islamismus und einer rechten politischen Partei vom Format Le Pens ist. Damit hat sie schlicht und einfach Recht.

Menschen linker Provenienz, die nicht nachdenken können und es sich in ihrem einfachen Weltbild bequem machen, werden dann mit solchen Bildern bestraft. Bilder übrigens, die überall im Internet frei zugänglich sind und nicht, wie behauptet, von Marine Le Pen veröffentlicht wurden.

Insgesamt hat man in der Auseinandersetzung zwischen links und rechts nicht nur in Frankreich den Eindruck, dass die Linken in wesentlich höherem Umfang Denkverbote und Maulkörbe verteilen, als die Rechten. Keine Reklame für den FN oder andere rechtspopulistische Parteien. Jedoch eine deutliche Aufforderung an die Linken, ihr Verhalten zu ändern und Realitäten offen und ungeschminkt zu diskutieren. Natürlich auch in Bezug auf den Islamistischen Terror! Dies möglichst ohne entstellende und verharmlosende Vergleiche, die dann einem ganz anderen politischen Gegner schaden sollen.

Die Familie des ermordeten Journalisten James Foley interveniert allerdings zu recht, da die Darstellung seines Leichnams gegen die Menschenwürde verstößt und die Familie außerdem noch zusätzlich belastet. Le Pen sollte den Tweet wieder entfernen, auch wenn die Bilder nicht von ihr stammen und vorher im Netz zugänglich waren.