WSJ-Blarney-590

Schon 2013 wusste man, in welchem Umfang die NSA den Datenverkehr speichert, der über amerikanische Server läuft.

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Wer in den letzten Tagen die mediale Empörung im Westen über das russische „Gesetz für ein souveränes Internet“ verfolgt hat, konnte nur den Kopf schütteln über so viel Einseitigkeit. Mit keinem Wort wurde in den Medien erwähnt, dass Russland bei der Nationalisierung von Internetknoten und Servern das tut, was Amerika als Internet-Supermacht schon längst praktiziert. Amerikanische Server für ein amerikanisches Internet.

Die NSA-Affäre allerdings hat gezeigt, dass amerikanische Geheimdienste schon längst das tun, was den russischen Behörden und Geheimdiensten nun vorgeworfen wird: Kontrolle über das Internet im großen Stil anzustreben.

Wer sich über den Stand der Technik bei der NSA erkundigen will, wird im Netz schnell fündig. Es wird so ziemlich alles angezapft, was möglich ist, im Interesse der amerikanischen Sicherheit natürlich. Natürlich.

Dimitrij Peskov argumentiert ebenfalls mit der nationalen Sicherheit, aber eben der Russlands. Er gibt zu, dass der Stand der Technik keinesfalls ausreicht, ein nationales Internet mit ausschließlich russischen Servern aufzubauen. Solange läuft der russische Internetverkehr eben auch noch über US-amerikanische Server. Im Interesse der russischen Sicherheit kann das nicht sein, ganz sicher nicht.

Die Überwachung aber, die von der Soros-eigenen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch befürchtet wird, dürfte in Russland noch wesentlich schlechter organisierbar sein, als in den USA. Wenn die NSA schon große Teile des Traffics über ihre Server leiten und speichern kann, ohne die gigantischen Datenmengen jedoch effektiv sichten zu können, kann der FSB in Russland das noch nicht einmal andeutungsweise. Somit besteht Nachholbedarf.

Denn im Falle der globalen Internetüberwachung gilt eigentlich nur eine einzige Regel: Wer es kann, macht es.