Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Im Jahr 2018 kommt der ARD-Zweiteiler „Gladbeck“ nach drei Jahren Drehzeit zur Erstausstrahlung. Gleichzeitig kommen die beiden Täter Dieter Degowski und Hans Jürgen Rösner frei. Ersterer befindet sich bereits in Freiheit (unter Auflagen) und hat seinen Namen geändert. Der Zweite, Rösner, unterzieht sich seit über einem Jahr einer Therapie, um seine Chancen auf Freigang und Entlassung zu erhöhen. Auch für Rösner könnte das Jahr 2018 in der Freiheit enden.

Der von der ARD in Auftrag gegebene Zweiteiler ist nur eine von mehreren Verfilmungen, die in seit 1998 das spektakuläre Verbrechen zum Inhalt hatten. Damals wurde von RTL die Doku „Wettlauf mit der Zeit“ ausgestrahlt. Für Hintergrundgespräche hätten die beiden Entführer von RTL eine „Aufwandsentschädigung“ bekommen, die aber von einer RTL-Sprecherin nicht näher beziffert wurde.

Von einem der beiden Geiselnehmer und Mörder stammt das Zitat: „Es ist schöner tot zu sein, als wie ohne Geld…“

Könnte dies der Hintergrund sein, dass sich Rösner, damals ohne Entlassungsperspektive wegen seiner negativen prognostischen Einschätzungen bzgl. der Resozialisierbarkeit, im Jahr 2008 erst erneut wegen Drogenbesitzes verurteilt, gegen die ARD-Produktion gerichtlich gewehrt hat?

Er sah seine Persönlichkeitsrechte verletzt, wenn die Tat durch den Film erneut aufgewühlt würde. Für einen eiskalten Verbrecher ohne Reue eine sehr ungewöhnliche Begründung. Hintergrund könnte gewesen sein, dass die Degeto, die den Film im Auftrag produzierte, kein Geld an die Geiselnehmer zahlte und Rösner vielleicht auf einen Vergleich oder eine Entschädigung gehofft hatte.

Dies wirft die Frage auf, wie viel Geld Degowski und Rösner bislang überhaupt an ihrem grausamen Verbrechen verdient haben, bei dem sie einen Fünfzehnjährigen und eine Achtzehnjährige kaltblütig getötet haben.

Ganz offensichtlich ist aber, dass sich beide Täter für das Jahr 2018 um ihre Freilassung bemüht haben. Degowski erfolgreich und Rösner vielleicht auch noch, eine positive staatsanwaltliche Einschätzung hat er schon.

Nach dem Opferschutzgesetz haben „Verletzte“ zwar ein Pfandrecht auf Einnahmen, welche die Täter aus der öffentlichen Verwertung des Verbrechens erzielen, aber eindeutig ist das alles nicht und muss letztlich auf dem Klageweg über das Bürgerliche Recht erstritten werden.

Degowski und Rösner könnten also versuchen, sich einen schönen Lebensabend aus den Einnahmen von Interviews, Hintergrundgesprächen und verkauften Fotos zu machen. Voraussetzung dafür ist natürlich die Freiheit, die im Jahr 2018 mit einer späten Belohnung für das Verbrechen winkt:

Die erneute öffentliche Aufmerksamkeit für das Gladbecker Geiseldrama durch den Film „Gladbeck“.

Recherchen zu diesem Thema sind übrigens rar, weil weder die viel kritisierten Medien noch die Verbrecher Interesse daran haben können. So wurde die damalige „Aufwandsentschädigung“ durch den Sender RTL auch nie öffentlich beziffert, obwohl dies eigentlich von höchstem öffentlichen Interesse sein müsste.