Lisa Fitz

Screenshot neues Video von Lisa Fitz: “Ich sehe was, was Du nicht siehst”

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

 Zum Antisemitismusvorwurf gegen Lisa Fitz

Die Frage mag vielleicht zu plakativ wirken, trifft aber einen Teil des Diskurses, den wir derzeit erleben.

Die linke Sammlungsbewegung von Sarah Wagenknecht steht in den Startlöchern und lässt eine mehr oder weniger große Welle, der fast schon erlahmten, Kritik am System der Reichen erhoffen. Kaum ist die Ankündigung getan, schießt sich die systemtreue und kapitalismusfreundliche Mainstream-Media schon auf die Linken ein.

Ein neuer linker Nationalismus wird (mit Nichtwissen) behauptet und die Gründungsmitglieder und prominenten Unterstützer werden schon mal auseinandergenommen. Darunter die Kabarettistin Lisa Fitz, die gerade ein Liedchen veröffentlicht hat, in dem es heißt:

„Der Schattenstaat, die Schurkenbank, der Gierkonzern, wer nennt die Namen und die Sünden dieser feinen Herrn?“

Außerdem:

„Rothschilds, Rockefeller, Soros und Konsorten. Die auf dem Scheißeberg des Teufels Dollars horten“

Schließlich:

 „Die Masterminds und grauen Eminenzen, Goldmann Sachs und deren Schranzen, Waffenhändler, Spekulanten, Militär.“

Auf diesen paar hinlänglich bekannten Begriffen, vorgetragen zu unheimlicher Musik, baute sich nach Veröffentlichung des Liedes ein ganzer Exkurs zum Antisemitismus der Kabarettistin auf, der von der Frankfurter Rundschau bis zur Jüdischen Allgemeinen reichte.

Es wurde auf die Aneinanderreihung jüdischer Namen verwiesen (Rothschild, Soros und Goldmann immerhin drei an der Zahl) und wegen der Begriffe Schattenstaat Verschwörungstheorien unterstellt. Lisa Fitz dürfte sich, nach einer solchen Kritik, ziemlich genagelt gefühlt haben, was ja wohl auch der Sinn der Übung war.

Gerade die großen Medien sind mit Antisemitismus-Vorwürfen extrem schnell – eine Strategie?

Es fällt auf, dass die Medien immer sorgloser und inflationärer mit Vorwürfen des Antisemitismus umgehen, gerade auch dann, wenn es um Kapitalismuskritik geht.

Lisa Fitz hat in ihrem Lied, von mäßiger Qualität, sicher auf eine Emotionalisierung bekannter Tatsachen gesetzt, die in bekannten Studien immer wieder repliziert werden.

Die Tatsache, dass die Reichen immer reicher werden und sich das globale Vermögen in den Händen von immer weniger Menschen befindet.

Die Tatsache, dass Reiche nachweislich einen weit höheren Einfluss auf die Politik auch demokratischer Staaten haben, als die Normalbevölkerung.

Die Tatsache, dass bestimmte Superreiche (Rothschilds, Rockefellers, Soros) exzessiv auf Wahlen Einfluss nehmen. Sowie die übergroße Nähe von systemrelevanten Banken und ihren politischen Netzwerken (Paradebeispiel ist nun mal Goldman Sachs)  zu politischen Entscheidungsträgern. Beides erzeugt in der Bevölkerung das zunehmende Unbehagen, nicht mehr von den gewählten Politikern sondern von einer, immer gleich bleibenden, Finanzelite regiert zu werden (Verschwörungstheorie – Schattenstaat)

Schließlich die, ebenfalls bewiesene, Tatsache, dass die Reichen und Superreichen die soziologisch am schlechtesten untersuchte gesellschaftliche Schicht sind und deshalb kaum jemand etwas substantielles über deren Mindsets, Pläne und Mechanismen der Machtausübung sagen kann. Dies wird von Soziologen bereits seit Jahrzehnten kritisiert.

Umfassend untersucht und bereits nachhaltig diskreditiert sind dagegen unsere gesellschaftlichen Unterschichten.

Wie auch immer.

Die Feststellung, dass Lisa Fizz die Rothschilds, Rockefellers, Soros und Goldman Sachs verantwortlich macht und an den Pranger stellt, ist auch dann nicht antisemitisch zu werten, wenn es rechte Kapitalismuskritiker gibt, die von einem Weltfinanz-Judentum reden.

Faktisch sind nämlich die Namen Rothschild, Soros und Goldman Sachs in den letzten zwanzig Jahren durch ihre jeweils exzessive politische Einflussnahme mittels hoch effektiver politischer Netzwerke aufgefallen.

Die Rothschild-Bank hat gerade in Frankreich ihren Kandidaten, Emanuel Macron, erfolgreich ins Präsidentenamt gehievt. Die NGO von Macron, En Marche, ist nichts anderes als ein Franchising von Soros amerikanischer NGO MoveOn, die die Demokraten um Clinton bei der letzten Präsidentschaftswahl in den USA unterstützte. Soros selbst unterstützte die Demokraten mit zweistelligen Millionenbeträgen, während die Rothschilds ihren ehemaligen Mitarbeiter Macron nicht nur direkt, sondern durch eine ganze Reihe von Spendenveranstaltungen in der französischen Finanzelite unterstützt haben.

Da hilft es wenig, dass es sich gerade mal um jüdische Namen handelt, die derzeit wohl kaum die entscheidende Rolle spielen – es geht um die demokratische Enteignung der Bürger durch die Superreichen und deren politisches Engagement.

Natürlich bleibt Fitz in ihrem Liedchen die Erläuterung der Zusammenhänge schuldig, die aber durchaus und fast schon problemlos zu erläutern wären, wenn sich unsere Massenmedien nur dafür interessieren würden.

Vor einigen Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise konnte man auch die bekannten Player des Goldman Sachs-Netzwerkes outen, ohne sich einen Antisemitismusvorwurf einzuhandeln. Das sind bei uns in Europa immer noch Leute wie Mario Draghi, der mit der EZB Politik macht und eine ganze Reihe politischer Repräsentanten, die sich in unseren transatlantischen Netzwerken finden.

Die Tatsache, dass man sich mit der Benennung des Goldmann Sachs-Netzwerkes heute Antisemitismus-Vorwürfe in den großen Medien einhandelt und der Verschwörungstheorie gezeiht wird, dürfte nicht nur Lisa Fitz beunruhigen. Es muss jeden beunruhigen, der die Macht der Finanzeliten nicht einfach so hinnehmen möchte und etwas dagegen tun will.

Die linke Sammlungsbewegung, die am 4. September offiziell startet und schon sechzigtausend Anhänger im Netz hat, wird sich also auf einiges gefasst machen müssen. Antisemitismuskeule und Verschwörungstheorie-Vorwürfe, Rassismus und Nationalismus werden als Vorwürfe auf jeden Fall dazu gehören. Unsere medialen Hegemonen, die sich eng mit der Machtelite in Politik und Wirtschaft abstimmen (zumindest auf der Führungsebene, was die bekannten Bilderberger-Konferenzen auf denen alle einflussreichen Journalisten der systemtreuen Medien schon eingeladen waren, zeigen) sind sehr dünnhäutig geworden. Sie haben sich darauf verlegt, Kapitalismuskritik breitflächig zu diskreditieren. Ihre Waffen sind klar: Antisemitismus-, Rassismus-, und Nationalismus zu unterstellen, ebenso, wie jeden der sich aus der Deckung wagt mit Vorwürfen der Verschwörungstheorie zu überziehen.

Wir sollten darauf vorbereitet sein.