Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Shakespeare hat uns jede Menge zu sagen. Rufus Wainwright hat seine Sonette musikalisch inszeniert, wovon es auch eine wunderbare CD gibt.

Mein Lieblingsstück ( in einer sehr freien Übersetzung) ist das 66. Sonett.

All dessen müd…

 

Es gibt nur einen Satz, den ich an der Übersetzung des Sonettes zweideutig finde.

“And simple truth miscall’d simplicity”, was wohl soviel heißen muss, wie einfache Wahrheit falsch als Einfalt darzustellen. In der Übersetzung, die Wainwright nutzt, heißt es “und schlichte Wahrheit nennt man Einfalt glatt”. Klingt gut, aber was ist damit gemeint, dass man Einfalt zur schlichten Wahrheit erhebt oder schlichte Wahrheit zur Einfalt erniedrigt? Der Zuhörer kann sich das aussuchen, was dazu führt, dass sowohl die, welche einfache Wahrheiten lieben, als auch jene, die einfache Warhheiten hassen, zufrieden sein können. Denn der Satz gibt beides her.

Lassen wir es mal offen :)