Coluche

Screenshot Tschao Pantin (Coluche)

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

„Am Rande der Nacht“ war ein später „film noir“ der 1983 mit Coluche und Agnés Soral in den Hauptrollen gedreht wurde. Er handelt vom ehemaligen Inspektor Lambert, der nach dem Drogentod seines Sohnes und der Scheidung von seiner Frau ein alkoholabhängiger Tankwart geworden ist, dem das Leben nichts mehr bedeutet.

Die Freundschaft mit einem junge Drogendealer Youssef scheint ihn an seinen Sohn zu erinnern und er zeigt ihm gegenüber väterliche Züge. Youssef aber ereilt das Schicksal eines kleinen Drogendealers, der zu viel gewagt hat. Er stiehlt das Motorrad seines Auftraggebers Raschid und wird verprügelt. Schließlich wird sein Drogenvorrat gestohlen und er kann Raschid nicht bezahlen. Das ist sein Todesurteil. Direkt vor den Augen Lamberts wird Youssef von zwei Motorradfahrern zu Tode geschleift und stirbt.

Zuvor hatte er noch eine oberflächliche Affäre mit einer Punkerin namens Lola gehabt, die Lambert nun aufsucht und um Hilfe bittet, um die Mörder Youssefs zu finden.

Schließlich findet und tötet Lambert sowohl den Mörder seines Freundes, als auch den Auftraggeber, Raschid.

Auch zwischen Lola und Lambert entwickelt sich so etwas wie eine väterliche Beziehung, die eher von der Punkerin, als von Lambert selbst ausgeht. Sie gibt schließlich ein Alibi für die Tatzeit zu der Raschid erschossen wurde. Am Ende stirbt Lambert, der auch den Hintermann des Drogenrings ausfindig macht, ihn aber nicht tötet, im Kugelhagel der Killer, die ihn beseitigen sollen. In der letzten Szene läuft Lola zu dem sterbenden Lambert, nimmt seine Pistole und schießt wild um sich.

Soweit die Handlung, des Filmes, den ich vor 33 Jahren erstmals im Kino gesehen habe. Jetzt auf Youtube gab es ein Wiedersehn.

Die Aussichtslosigkeit der Handlung in einem brutalen Milieu, in dem die einfachen Franzosen ihre Kinder verlieren, ist erdrückend.

Am Ende macht Lambert den Fehler, dem Boss des Drogenrings das Leben zu schenken und stirbt deshalb.

Eine radikale Botschaft. Sie passt aber zum Slogan der achtziger Jahre: „Gefühl und Härte“.

Die besondere Härte bekommt der Film aber nicht nur durch die irreparable Bruchlinie zwischen den Franzosen und den kriminellen Einwanderern aus den ehemaligen französischen Kolonien Nordafrikas. Rachid ist ein typischer Vertreter der arabisch dominierten Drogenmafia in Frankreich.

Die eigentliche Härte bekommt die Handlung durch die Bruchlinie zu den eigenen Kindern, die hoffnungslos verloren sind.

Dabei erinnert der arabischstämmige Youssef an Lamberts Sohn, den man als typischen, jungen Franzosen einmal auf einem Bild zu sehen bekommt. Beide sind verloren.

Wenn man jetzt dreißig Jahre weiter ist, muss man feststellen, dass der Bruch zwischen Franzosen und arabischstämmigen Einwanderern sich noch weiter vertieft hat. Die Kinder vieler einfacher Franzosen geraten weiterhin in den Sog der Drogen, während es der dritten Generation der Einwanderer auch nicht besser geht. Am Boden der französischen Gesellschaft findet der gleiche Krieg in unverminderter Härte statt.

Die Erkenntnis, dass Inspektor Lambert seinen Sohn immer wieder verliert, während die kleinen Drogendealer arabischer Provenienz immer wieder getötet werden, erinnert an die ungelösten Konflikte mit den französischen Parallelgesellschaften, die mehr denn je im sozialen Abseits stehen und hohe Kriminalität aufweisen.

Der Terrorismus ist hinzugekommen und hat die Drogenkriminalität medial verdeckt. Sie existiert aber weiterhin und ist der Boden, auf dem auch der Terrorismus wächst. Es sind auch in Frankreich nicht die frommen Islamgläubigen, die Anschläge begehen, sondern die kaputten, drogensüchtigen und kriminellen Männer aus Nordafrika und der arabischen Welt.

Dieser Sumpf bringt alles hervor, was schlecht ist.

Ob die Franzosen nun mit einer rechtsradikalen Regierung, die sich für 2017 ergeben könnte, mehr Erfolg haben werden, den Sumpf trocken zu legen, ist noch sehr fraglich. „Les Miserable“, Millionen von Elenden in den Banlieues lassen sich nicht einfach abschaffen. Die horrenden Mieten, extreme Immobilienpreise und schlecht bezahlte Jobs, von denen es dann immer noch zu wenige gibt, könnte man aber bekämpfen.

Das Drogenmilieu in Frankreich lebt von der Hoffnungslosigkeit, der Terrorismus ebenso. Die Hoffnungslosigkeit muss man bekämpfen. Die Frage, ob Marine LePen dafür ein Konzept hat, kann man einfach beantworten.

Die Antwort lautet: Nein.