Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Einen Kurssturz von 8% musste der Dax in der letzten Woche hinnehmen. Der deutsche Leitindex rutschte damit unter die Marke von 10 000 Punkten.

Beunruhigend?

Ja, denn was jetzt an den Börsen geschieht ist nicht eine Schwankung, sondern die unvermeidliche Korrektur einer bereits seit längerem ignorierten globalen Wirtschaftsschwäche. Keines der Schwellenländer konnte seine Wachstumsziele erreichen, am wenigsten China, trotz einer Abwertung des Juan.

Sehr beunruhigend?

Auch das. Denn wenn die Korrektur an den Aktienmärkten weiter geht, sinkt gleichzeitig die Investitionslaune in der Realwirtschaft. Das Instrument des billigen Geldes, das diese Rezessionslaune verhindern soll, ist bereits ausgeschöpft. Von Amerika bis China herrscht eine künstlich erzeugte Geldschwemme.

Hinzu kommt, dass der Ölpreis bereits weit nach unten abgesackt ist. An zu teurem Öl kann es also nicht liegen. Das Problem ist die schrumpfende Nachfrage, weltweit. Ein deutliches Zeichen, dass den Konsumenten insbesondere in den Schwellenländern das Geld ausgegangen ist. Die Kaufkraft der Konsumenten sinkt überall weltweit, mit der Ausnahme Deutschlands. Selbst in den USA ist der Boom bei den Konsumenten kaum angekommen.

Ursachen?

Eine zunehmende Ungleichverteilung der Profite aus der zurückliegenden Wachstumsphase. In Asien haben die Menschen zu wenig vom Wachstum profitiert, in den USA relativ gesehen ebenfalls. Von Europa, das bis auf den deutschen Markt lahmt, gar nicht zu sprechen. Weder die Arbeitsmärkte, noch die Einkünfte geben Hoffnung auf neue Nachfrage. Die angebotsorientierte Wirtschaft hat zwar überall ihre Preise gestrafft und die Renditen optimiert, aber auf Kosten der Lohnempfänger, zumindest in den allermeisten Wirtschaftsnationen global. Die Renditen sind in die Finanzmärkte, auch an die Börsen geflossen, wo Investoren fast schon künstlich immer neue Kursanstiege erzeugt haben, weil sie das Geld um jeden Preis reinvestieren wollten.

Allerdings kam das Geld nicht in der Realwirtschaft an, insbesondere Risikokapital wird in der Realwirtschaft immer weniger ausgegeben. Risikokapital wäre auch in Osteuropa und Russland notwendig gewesen. Aus Russland aber floss das Kapital aus politischen Gründen ab, in Osteuropa fehlte dadurch ein wichtiger Markt, der russische Markt.

Die globale Wirtschaft hat sich also mit der Isolation Russlands selbst ins Knie geschossen und nicht nur die Russen geschädigt. Insbesondere die großen westlichen Investoren haben jetzt eine Blase erzeugt, der sie gar nicht ausweichen konnten, weil das viele Geld, das den Entwicklungsmärkten zur Verfügung stehen sollte, zunehmend in Spekulationen verschwand, also an der Börse und den Finanzmärkten zu Popcorn wurde.

Ergebnis und Aussicht der Lage

Der Kurssturz hat gerade begonnen und der Oktober, der Monat, an dem die heftigsten Börsenabstürze in der Geschichte stattfanden, ist noch weit. Die Talfahrt kann also beginnen. Sie wird nicht so schnell aufhören. Denn die Angebotspolitik kann nirgendwo mehr etwas verbilligen, weder das Geld noch das Öl noch andere Rohstoffe. Die Absatzmärkte leiden unter mangelnder Kaufkraft, von wenigen Ausnahmen abgesehen und die politische Situation ist global äußerst krisenhaft, d.h. auch die wirtschaftliche Vernetzung leidet gerade gewaltig von Pakistan über den mittleren und nahen Osten bis Europa, von der Ukraine bis nach China.