Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Es kommt, wie es kommen muss. Deutschland streitet angesichts einer täglichen Zuwanderung von zehntausend Migranten über Grenzzäune, Transitzonen und Pufferstaaten, die Flüchtlinge vor der Einreise nach Deutschland stoppen sollen, während die Kanzlerin Obergrenzen für die Aufnahme von Asylbewerbern weiter ablehnt und sich gegen die Forderungen aus der CSU und den eigenen Reihen, Zäune zu errichten vehement ausspricht.

Fast ist es tragisch. In Hamburg werden neue Vororte geplant und sollen bis Ende nächsten Jahres aus dem Boden gestampft werden, damit tausende von Flüchtlingen Wohnungen bekommen. Einige sagen, Hamburg plant seine eigenen Ghettos mit Enthusiasmus. In anderen Bundesländern gibt es immer noch riesige Zeltstädte, die teilweise an Orten errichtet sind, wo es nicht einmal einfachste Infrastruktur gibt. Ein mir bekanntes Beispiel ist das Zeltlager im Knüllgebirge in Hessen. Die Gegend kenne ich sehr gut, weil man da tagelang einsam wandern kann, ohne nur einem Menschen zu begegnen. Auf 600 m Höhe ist es dort auch schon recht kalt. Genau dort also baut Hessen seine Zeltstadt für Südländer auf – sehr geschmackvoll!

Überall wo neue Flüchtlingsunterkünfte gebaut werden, nicht nur in Sachsen, muss man mit Brandanschlägen rechnen und Pegida ist eben nicht die rechtsradiale Bewegung einer durchgeknallten Minderheit. Ganz im Gegenteil, wer sich die Flüchtlingsrealitäten in Deutschland anschaut und den Bürgern auf den Mund schaut, findet die Mehrheit mit zusammengekniffenen Lippen vor und die Flüchtlinge irgendwo in einem Baumarkt an irgendeinem Ortsrand oder in einer Zeltstadt mitten im deutschen Wald. Hinter vorgehaltener Hand hört man Unverständnis, dass wir uns diese Flüchtlingskrise antun müssen und dass wir noch richtige Probleme mit den vielen Ausländern bekommen werden.

Die das sagen, sind die Mehrheit in Deutschland, wie aktuelle Umfragen zeigen und trauen sich derzeit noch nicht, gegen die meist gut situierte Minderheit zu rebellieren, die unsere Öffentlichkeit in den Medien beherrscht. Die wollen eine Politik der offenen Arme, wobei sie selbst in ihren eigenen Wohnvierteln nur ein bis zwei syrische Familien untergebracht haben. Neunzig Prozent der Flüchtlinge landen in den strukturschwachen, sozialen Brennpunkten der Republik, wo die Arbeitslosigkeit hoch und das Bildungsniveau niedrig ist.

Warum wohl? Weil die guten Wohnquartiere in Deutschland gut belegt sind, wenig Leerstand aufweisen und auf ewig zu teuer für Flüchtlingsunterkünfte sein werden. Genau das wissen die politisch korrekten Schlawiner aus dem oberen Drittel unserer Gesellschaft, wenn sie Willkommenspolitik, offene Arme und offene Grenzen fordern und alle anderen, die offen dagegen opponieren als „rechtes Pack“ bezeichnen.

Soweit der Stand der Dinge in Deutschland und kaum verwunderlich. Wir kennen doch unsere Pappenheimer. Aber eine Person des öffentlichen Lebens hat mich dennoch sehr angenehm überrascht!

Ich meine die Kanzlerin höchst selbst, Angela Merkel!

Es ist das allererste Mal, dass sich die Kanzlerin in ihrer politischen Karriere auf die „Verlierer-Seite“ traut, also dorthin, wo nach allgemeinem gesellschaftlichem Dafürhalten nichts mehr zu holen ist, weil die Umfragen eben eine deutliche Sprache sprechen. Die Mehrheit in Deutschland, sieht das Land durch die Flüchtlingsströme eindeutig überfordert und wünscht eine drastische Begrenzung. Merkel folgt diesem Trend nicht! Das erste Mal!

Ich kann der Kanzlerin hierfür nur gratulieren, weil sie nach meiner Einschätzung das erste Mal Charakter zeigt. Charakter bedeutet, eine Position auch dann noch zu halten, wenn sie offensichtlich erfolglos ist, weil man nicht anders kann!

Obwohl ich großes Verständnis für die Leute habe, die das Flüchtlingsdesaster ausbaden müssen, meist die am unteren Ende der Republik (nicht nur geografisch gemeint) für die Leute in den Behörden, die nicht mehr wissen, was sie machen sollen  und für die Menschen, die sich von dieser Megaregierung verarscht fühlen, schlage ich mich heute dennoch auf die Seite der Kanzlerin!

Merkel, über deren Sturz inzwischen öffentlich nachgedacht wird, ist ab heute meine persönliche Heldin. Denn über kurz oder lang hat die Kanzlerin natürlich recht. Denn selbst ein Deutschland, das mit offenen Armen untergeht, ist immer noch besser, als ein Land, das sich hinter Stacheldraht abschottet und sich dabei immer stärker kontrahiert. Und wenn wir am Ende zehn Millionen Flüchtlinge hier hätten, wäre das immer noch besser, als ein Signal in die Welt zu schicken, dass Deutschland mit seinen hohen moralischen Ansprüchen abgeschlossen hat und nun genauso ängstlich agiert, wie Dänemark und die Schweiz zusammen.

Viel besser wäre das Signal, dass wir uns der Krise in der islamischen Welt nicht verschließen und den Leuten alle erdenkliche Unterstützung zukommen lassen, die möglich ist. Eine bessere Tat für die Integration von Menschen islamischer Herkunft und islamischen Glaubens in Europa könnten wir gar nicht begehen, als diese selbstmörderische Aktion, Millionen Flüchtlinge bei uns reinzulassen und auch aufzunehmen.

Nach meiner Einschätzung haben wir heute sogar die einmalige Chance uns auf die Seite der besten Flüchtlinge seit langer Zeit stellen zu können. Die Syrer sind ein hoch gebildetes Kulturvolk und von der Mentalität her uns Deutschen gar nicht unähnlich. Ein paar Millionen von denen würden uns sicher ganz gut tun.

Egal ob ich richtig liege oder völlig daneben.

Ich bin zumindest heute auf Merkels Seite, auch wenn ich nicht weiß, was sie morgen sagen wird.

  1. Weil wir den Tsunami mit humanen Mitteln nicht mehr aufhalten können.
  2. Weil ich gerne auf der Verlierer-Seite bin und dafür auch einen hohen Preis bezahle.
  3. Weil ich mich mit dieser Frau solidarisiere, wo sie einmal Charakter zeigt!
  4. Weil die Sache für uns Deutsche mittel- bis langfristig äußerst gut ausgehen könnte, denn wer da zu uns kommt, zumindest aus Syrien und Afghanistan, ist aus meiner persönlichen Erfahrung heraus keinesfalls schlecht zu haben. Angenehme Leute, die ebenfalls Charakter haben, genau wie neuerdings unsere Kanzlerin.
  5. Wenn wir an unserem Zuwanderungsrecht ein bisschen drehen, könnten wir sogar die Leute aus den sicheren Drittländern mal auf dem Arbeitsmarkt antesten, ob da nicht welche von denen auch zur Deutschland (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) passen könnten. Dann hätten wir doch das Beste draus gemacht!