Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Eigentlich könnte man die Ukraine Krise zum Schnee von gestern erklären. Heute hält uns die Flüchtlingskrise in Atem, mit der sich allerdings andere europäische Länder wie Frankreich überhaupt nicht beschäftigen. In der französischen Übersicht von Google News findet man schon seit Wochen keinen Artikel mehr über die Flüchtlingskrise, der es in die französischen Charts geschafft hätte.

Egal. Wenn man sich zu sehr auf den eigenen deutschen Horizont versteift, bekommt man leicht eine verzerrte Wahrnehmung. Die Franzosen haben sich nicht nur stark abgegrenzt. Trotz wiederholter Krawalle in den Vorstädten von Paris in den letzten Wochen, will man sich lieber nicht so sehr mit dem Migrationsproblem beschäftigen und konzentriert sich ganz auf die Kommunalwahlen, bei denen derzeit mal wieder die Front-National die Nase vorn hat. Wen wundert es?

Ich stehe inzwischen auf dem Standpunkt, dass die EU irgendeine Strafe verdient hat, für die fahrlässige Mitarbeit am Entstehen der Ukraine-Krise. Es gibt sogar namenhafte Politikwissenschaftler, wie den kanadischen Professor, Michel Chossudovsky, die von Anfang an, darauf hingewiesen haben, dass diese Krise sehenden Auges von EU-Politikern und Regierungen sowie einflussreichen Politikern in Washington von Zaun gebrochen wurde, um Russland zu provozieren. Selten hat man ein so skrupelloses Vorgehen europäischer Politiker beim Sturz eines Präsidenten erlebt, wie auf dem Maidan in Kiew vor nun bald zwei Jahren. Man sollte sich das Telefoninterview mit Michel Chossudovsky aus dem Jahr 2014 einfach nochmal anhören, um sich klar zu machen, mit welch blutiger Eloquenz damals in Kiew vorgegangen wurde und wie sehr Politiker wie Guido Westerwelle, Rebecca, Harms und Victoria Nuland zu den blutigen Straßen in Kiew beigetragen habe, wie sehr auch Angela Merkel diesen inszenierten Putsch mit Hilfe von Neonazis und die Vertreibung des Präsidendenten im Auftrag von Brüssel, Berlin und Washington sowie Warschau von Anfang an unterstützt und mit inszeniert hat.

An den Händen dieser Politiker, womit ich ausdrücklich auch Angela Merkel meine, klebt das Blut von tausenden Ukrainern. Erst spät kam die Einsicht, dass ein solcher Krieg der EU nicht gut tut und noch viel später, anfang diesen Jahres, gelang die vorläufige Befriedung dieses EU-und USA-provozierten Krieges!

Leider verliert die Kanzlerin nicht wegen ihrer äußerst bösen Rolle beim Sturz des Präsidenten Janukowitsch in der Ukraine das Ansehen in der deutschen Bevölkerung, sondern (Ironie der Geschichte) wegen ihrer richtigen und zukunftsweisenden Politik in der derzeitigen Flüchtlinggskrise. Vermutlich ist es die Krise, mit der Merkel nach anfänglicher Schlafmützigkeit sogar am besten umgehen kann. Auch wenn die Krise noch nicht ausgestanden ist und der “Angriff” auf die EU derzeit läuft, ist die Antwort der Kanzlerin völlig richtig: “Integration statt Abschottung”.

Nur damit kann die EU, insbesondere Deutschland diese Krise meistern.

Am Ende bleibt trotzdem eine gehörige Portion Wut über die vielen Toten, die der verantwortungslose Putsch in Kiew und der nachfolgende Krieg verursacht hat. Die Tatsache, dass Merkel dafür nicht zur Verantwortung gezogen wurde, dass niemand im Westen zur Verantwortung gezogen wurde, macht betroffen. Ich werde das Thema in zehn Jahren noch auf der Agenda haben.

Das Vertrauen in die EU ist bei vielen Bürgern seitdem erschüttert. Viele reden jetzt von einer Elitendemokratie und nach den Desinformationskampagnen unserer Medien auch von einer Lügenpresse. Den Audruck haben sich die PEGIDA Leute schließlich nicht selbst einfallen lassen. Er stammt aus dem Jahr davor, aus der Ukraine Krise.