Putin Schröder 2

Details einer Freundschaft. Schröder hält Putins Hand fest und der Präsident macht sich freundschaftlich von ihm frei. Es ist Putins Feier und seine Machtdemonstration. Spielen wir noch eine Rolle in Moskau?

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Wer Heiko Maas mag, hat sie nicht mehr alle. Ein aalglatter Karriererist, der schon als Justizminister keine echten Akzente setzen konnte. Hätte ihm seine Partnerin nicht eingeflüstert, das Sexualstrafrecht zu verschärfen, hätte er während der letzten Legislaturperiode überhaupt keinen einzigen Auftritt gehabt.

Nun kommt er über den Zwist von zwei kompetenten „Außenexperten“ an sein Amt, was ein typisches Karrieristen-Merkmal ist. Eigentlich ist er gar nicht für das Außenamt qualifiziert, aber er ist der lachende Dritte, der durch innerparteiliches Wohlverhalten auf das Schild gehievt wurde.

Nun steht er da in seiner ganzen prinzipiellen Glätte und will den Russen erst einmal erklären, wie die internationale Diplomatie funktioniert. „Härte und Reden“. In Moskau ist er damit jetzt direkt vor der Wand gelandet.

Was für ein Idiot!

Merkel, die ohnehin lieber die Außenpolitik vom Kanzleramt aus steuert, freut sich. Aber darf sie sich freuen?

Die Art und Weise, in der Lawrow heute den neuen deutschen Außenminister in Moskau abgekühlt hat. Keine freundlichen Blicke, keine Verbindlichkeit, durfte Merkel sich bei Donald Trump ebenfalls schon abholen. Es kommt nie gut, wenn man seine zukünftigen Verhandlungspartner schon verbal in den Hintern getreten hat, bevor man sie persönlich kennenlernen durfte. Das hat sich bei Kanzlerin und Außenminister jetzt schon gerächt.

Moment der Wahrheit

Allerdings steckt hinter diesen kleinen Affronts (die größere Unstimmigkeiten begleiten) ein gutes Stück Wahrheit. Denn aktuell bekommt Deutschland von Washington und Moskau eben die Rolle zugewiesen, die es in den Augen der beiden ehemaligen Supermächte verdient: „Kleiner Streber ohne wirkliche Macht“.

Da ist was dran!

Wenn man ehrlich ist, haben wir weder mit Washington noch mit Moskau irgendeinen eigenständigen Konflikt, nichts, was uns unser anderer großer Bruder auf der einen oder anderen Seite nicht vorher eingebrockt hätte. Wir sind, außerhalb der EU vielleicht wirtschaftliche, aber keine echten politischen Player. Das machen die großen Länder untereinander aus.

Deshalb tröstet uns auch nichts über die Kränkung hinweg. Weder die Männerfreundschaft zwischen Schröder und Putin ( wo man an den Bildern ablesen kann, wer hier dominiert) noch die freundlichen Verhältnisse die es zwischen Lawrow und Steinmeier und in gewissem Maße auch mit Gabriel gab.

Augenwischerei!

Besonderen Respekt hat man vor uns weder hüben noch drüben – den müssten wir uns erst erarbeiten.

Aber wie?

Die europäischen Felle schwimmen ja gerade davon und durch die lange Regierungsbildung hat auch ein Rollenwechsel zwischen Frankreich und Deutschland stattgefunden. Die Franzosen unter Macron bestimmten derzeit sowohl die europäische Perspektive, als auch das Tagesgeschäft. Der Euro wird weiterhin von Draghi gerettet und die aktuellen Trends werden von Theresa May und Victor Orban vorgegeben. Schluss!

Natürlich, für das „Wahre, Gute und Schöne“ könnten wir in der Welt noch zuständig sein, wenn wir nicht diese ungemein aggressive Wirtschaft hätten, die sich derzeit von der Rüstungsindustrie bis zu den Autokonzernen in der Welt den „richtigen Namen“ macht.

Politisch gesehen ist Deutschland eine kleine Nummer

Wir waren es schon immer. Aber spätestens seit Trump und Putin ist es offensichtlich, dass wir eine kleine Nummer sind. Diplomatie-Freaks, die nichts in der Hand haben, außer dem „guten Wort“ und dafür überall auf der Welt ein breites Grinsen ernten, weil jeder weiß: „Ja die Deutschen reden immer so moralisch und dann kommen sie mit ihrer Exportindustrie, dann ist plötzlich alles möglich.“

Wir sind nicht nur klein, sondern auch unglaubwürdig und müssen hinter den Franzosen, die eine wesentlich bessere Historie haben, Platz nehmen – künftig auch in Europa.

Eine gewisse Bedeutung können wir nicht einmal mehr über Brüssel bekommen. Lediglich die Achse Paris-Berlin-Moskau würde uns noch eine gewisse Größe verschaffen, wenn wir uns so weit von den Amerikanern loseisen könnten und Partner in einer eurasischen Annäherung würden.

Danach sieht es derzeit überhaupt nicht aus.

Also haben wir den Transatlantiker, Heiko Maas, verdient?

Sieht ganz so aus!