Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Der irakische Fotojournalist, Ali Arkady, der die irakische Sondereinheit ERD bei ihrem Kampf gegen den IS in Mossul begleitete, musste Schreckliches mit ansehen und seine Bilder gingen um die Welt.

Allerdings kamen sie bei unseren Medien nicht gut an, weil bisher das mediale Narrativ lautete, dass während der Eroberung Mossuls  Kriegsverbrechen nur von den Schiitischen Milizen (Iran) begangen wurden. Am 27.5.2017 gab es in Deutschland genau einen Spiegel-Artikel über die Kriegsverbrechen der Anti-IS-Truppen, insbesondere des ERD und der wurde auch noch im „Pay-Bereich“ eingestellt, erreichte also keine breitere Öffentlichkeit!

Derzeit befindet sich der IS in Mossul kurz vor dem Fall, beherrscht nur noch zehn Quadratkilometer der Stadt und der Sturm auf dieses verbliebene Areal hat begonnen. In der Stadt werden alle Autos von der Anti-IS-Koalition bombardiert, man hat Flugblätter abgeworfen, dass Zivilisten ihre Autos nicht benutzen sollten. IS-Heckenschützen hindern Menschen an der Flucht. Zivilisten werden als Schutzschilde um den Kernbereich der IS-Verwaltung in der Altstadt zusammengezogen. Es befinden sich noch ca. 200 000 Menschen im umkämpften Gebiet. Die bisherige Zahl der zivilen Opfer wird nicht veröffentlicht.

Wo bleibt der Aufschrei der bekannten NGOs, den wir in Aleppo gehört haben?

Wo bleiben die aufrüttelnden Bilder von toten Kindern?

Unter was für einer medialen und politischen Herrschaft leben wir eigentlich, dass uns Aleppo als das größte Drama nach dem zweiten Weltkrieg verkauft wurde und Mossul nun unter den Teppich gekehrt wird, nur weil dort die angeblich Guten am Werk sind?

Berichte über die beiden aktuellen Terroranschläge des IS in England (Manchester und London) kommen fast ohne den Verweis auf den Zusammenhang mit der vorstehenden Entscheidungsschlacht gegen den IS in Mossul aus.

Will man vermeiden, dass die Öffentlichkeit sich mit Mossul beschäftigt, wo das Leben von hunderttausenden Zivilisten bedroht ist?