Die öffentliche Diskussion um Flüchtlinge, ihre Rettung und Zuwanderung schlechthin bewegt sich aus gutem Grund an der Oberfläche. Denn bereits eine Schicht darunter, wenn man auf den real existierenden Multikulturalismus in Europa schaut, öffnen sich postkoloniale Abgründe.

In den angelsächsischen Ländern, die über eine lange koloniale Tradition verfügen, in Frankreich und im geringeren Umfang auch in Spanien und Deutschland vollzieht sich die vertikale Schichtung der Gesellschaft inzwischen vor allem entlang der Ethnien.

In London sind überdies die Ethnien auch noch in unterschiedlichen Parallelwelten unterwegs, die sich auch in speziellen Vierteln und Straßen mit überwiegend indischen, pakistanischen oder karibischen Einwohnern teilweise regelrecht voneinander separieren. In Frankreich und Belgien kennen wir die Banlieus, die von Nordafrikanern bewohnt werden.

Alle diese Bevölkerungsgruppen sind, wenn sie überhaupt Arbeit finden, zu schlecht bezahlten Serviceleistungen verurteilt. Kaum einer schafft es in den gehobenen Arbeitsmarkt mit sicheren Arbeitsverträgen und angemessener Bezahlung.

Das ethnische Prekariat findet man ebenso in Deutschland und in den Niederlanden, in Schweden und Dänemark. Zugewanderte mit farbiger Haut dienen vor allem den „Weißen“!

Der Unterschied zwischen dieser kolonialen Prägung Europas mit importierten Servicekräften und dem Ideal der multikulturellen Gesellschaft, in der alle gleich Chancen auf einen sozialen Aufstieg haben, liegt in der Durchlässigkeit der Gesellschaften nach oben. Die findet sich in keinem der europäischen Länder.

Da unser System aber von frischen Menschen lebt, die auch bereit sind, ganz unten in der Gesellschaft zu arbeiten und zu konsumieren und so die nötige kapitalistische Dynamik erzeugen, wird die Zuwanderung auch Unqualifizierter in der Wirtschaft ganz überwiegend verteidigt.

Sie wird auch von den gesellschaftlichen Gruppen verteidigt, die kosmopolitisch orientiert sind, die eine Weltgesellschaft anstreben und die sich multikulturelle Gesellschaften in Europa wünschen. Protagonisten sind vor allem die Grünen und ihr großes zivilgesellschaftliches Umfeld. Die Grünen haben die Besonderheit, dass sie sich nicht mehr als nationale Bürger sehen, sondern als Weltbürger und folglich auch einen politischen und militärischen Interventionismus in anderen Ländern, zur Durchsetzung ihrer Ziele, beispielsweise in Osteuropa und in der arabischen Welt,  in ihren Parteiprogrammen haben. Die Rechtfertigung der Grünen, dass es sich hier um UN-Beschlüsse handelt, die einfach übernommen wurden, verfängt nicht, wenn andere große Parteien, diese Beschlüsse eben nicht zum Programm erklären. Es handelt sich um den grünen Globalismus, der auf eine einheitliche, westlich-liberale Weltgesellschaft zielt und das nicht nur aus ökologischen Gründen.

Fatal an den gesellschaftlichen Gruppen, die bei uns neben der Wirtschaft grenzenlose Migration vertreten, ist, dass sie die koloniale gesellschaftliche Schichtung, die in Europa herrscht, mit ihrer Forderung übernehmen und propagieren, wenn auch indirekt. Man definiert sich in diesen Kreisen als links, lässt aber die soziale Frage schlicht unbeantwortet und duldet so stillschweigend die Entstehung eines neuen ethnischen Proletariates in unseren Gesellschaften.

Genau diese Entwicklung beängstigt viele Menschen und manchen stößt sie moralisch auf. Denn die Migration hat in 80 Prozent der Fälle wirtschaftliche Gründe und man darf fragen, warum diese Menschen nicht in ihren Heimatländern  zu einem bescheidenen Wohlstand kommen können?

Auch die Antwort auf diese Frage ist leider kolonial und weist auf extreme wirtschaftliche Ungleichgewichte und Machtverteilungen zwischen denen und uns, zwischen den ehemaligen Kolonien und Europa hin. Diese ehemals abhängigen Länder befinden sich auch heute noch in einem permanenten wirtschaftlichen Underdog-Verhältnis zu Europa und sind somit gleichzeitig die Quelle für Wirtschaftsmigration, die uns hier ein multikulturelles Prekariat beschert, aus dem wiederum billige Arbeitskräfte rekrutiert werden.

Die Moral des real existierenden Multikulturalismus stinkt zum Himmel und muss ständig neu übertüncht werden, damit sie ihre hässliche Fratze nicht zeigt. Ganz überwiegend geschieht das durch das Feigenblatt des Humanismus.

Wer sich dieser Ideologie eines, latent postkolonialen, Multikulturalismus nicht beugen will und dagegen spricht, wird sofort mangelnder Humanität bezichtigt. Ungeachtet der Tatsache, dass diese Menschen aus wirtschaftlicher Not, die kolonial erzeugt wurde, vor Kriegen, die durch den programmatischen Interventionismus, gerade der Grünen, provoziert wurden,  geflüchtet sind, wird man von eben diesen Verursachern des Migrationselends mit Rassismus- und Faschismusvorwürfen überhäuft.

Unterm Strich sind es also genau die zivilgesellschaftlichen Gruppen und Parteien, die eine Weltgesellschaft propagieren, dabei einen sozial undurchlässigen Postkolonialismus überall in Europa ernten, die ihre Gegner der Inhumanität bezichtigen. Das muss man erst einmal verdauen können!

Auch wenn man bürgerliche Doppelmoral und Verlogenheit gewöhnt ist, setzen die europäischen Grünen und ihr zivilgesellschaftliches Umfeld in der Migrationsfrage noch neue Höhepunkte der Unmoral.

Schwer zu glauben, dass das alles nur Idealisten sind, die eine Weltgesellschaft anstreben. Viel eher muss man davon ausgehen, dass die meisten Anhänger dieser Ideologie, die sich derzeit bei der Partei die Grünen sammeln, genau wissen, dass sie mit den Ärmsten der Welt, die zu uns kommen, nicht im Billiglohnsektor konkurrieren müssen. Viele dieser bürgerlichen Grünen, denen die soziale Frage eigentlich vollkommen gleichgültig ist, profitieren sogar von der bunten kolonialen Servicewelt, in welche die Migranten, die nach Europa kommen, gezwungen werden. Egal ob Zimmermädchen oder Pizzaservice. Arbeitskräfte aus armen Ländern haben uns das Leben schon immer angenehmer gemacht.

Mit Humanität hat das allerdings nichts zu tun.

Das ist vielmehr ein neues Herrenmenschentum, leider sehr grüner Prägung!

Vielleicht ist dieser Umstand zugleich die Auflösung des Widerspruches, dass eben diese zivilgesellschaftliche Strömung, die hemmungslos Migration propagiert und damit zur neuen kolonialen Schichtung unserer Gesellschaften beiträgt, von den protegierten Gruppen selbst, den Menschen mit Migrationshintergrund, massiv abgelehnt wird. Es besteht praktisch kein breiter gesellschaftlicher Kontakt zwischen den Grünen und ihrem zivilgesellschaftlichen Umfeld auf der einen Seite und der Parallelwelt der Migranten auf der anderen Seite.

Das sollte zu denken geben!