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Zwei Ukrainische “Führer”. Der eine ist jetzt Regierungschef!

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Zumindest könnte man das meinen, wenn man Berichte seriöser Medien über den Unabhängigkeitstag liest. Ein Aufmarsch von nationalistisch gesinnten Polen mit fünfzigtausend Teilnehmern blieb in diesem Jahr zwar weitgehend friedlich, die Stimmung ist aber dennoch nationalistisch angeheizt. „Polen den Polen,“ hört und sieht man immer wieder. Selbst siebentausend Flüchtlinge sind unserem Nachbarvolk zu viel! (Zum Vergleich: Wir haben schon in diesem Jahr über eine Million.)

Wie auch immer. Die rechte Wendung dürfte nach der Wahl an Fahrt aufnehmen. Der neue Strippenzieher im Land, Jaroslaw Kaczynski hat eher ein freundschaftliches Verhältnis zu den polnischen Nationalisten, Hooligans und Rechtsradialen.

Zumindest in den östlichen Teilen Deutschlands, wo eben auch viele Deutschnationale unterwegs sind, sind Polen nicht sehr beliebt. Nun haben die wenigstens kein schlechtes Gewissen mehr, wenn sie von Polacken reden, denn die sind ja selbst nicht besser. Man darf sich also wieder offen hassen.

Immerhin müssen wir so nicht befürchten, dass sich deutsche und polnische Nationalisten miteinander verbünden, denn leiden können die sich gegenseitig nicht. Die einen sind eben Polen und die andern sind eben Deutsche. Eine rechtsradikale Internationale wird also noch lange auf sich warten lassen!

Ein Glück!

Dennoch ist der Sinneswandel der Polen, der vielleicht gar keiner ist (weil nicht neu), ein Jahr nach der Ukraine-Krise auch deshalb einer Erwähnung wert, weil polnische Politiker auf dem Höhepunkt der Krise den wiedererstehenden Faschismus zwischen Deutschland und Russland offen befürchtet haben. Die Aufteilung Polens, wenn man einmal auf verschiedene Zeitungsberichte und die sozialen Netzwerke unserer Nachbarn rekurriert, schien vielen bereits beschlossene Sache zu sein. Die Geister der Vergangenheit wurden kräftig beschworen, als Merkel mit Putin verhandelte.

Was dabei natürlich bewusst übersehen wurde, war der Faschismus, der sich zu dieser Zeit in der Ukraine, und zwar dem freien Teil der Ukraine, der von Polen unterstützt wurde, breit gemacht hat. Nazisymbole waren an der Tagesordnung und diverse Bataillone kämpften in Naziuniformen (oder was sie dafür hielten) gegen die Separatisten im Osten.

Noch suspekter aber wird die Sache, wenn man bedenkt, wie viel Unterstützung gerade die rechtsradikalen Parteien der Ukraine, die unmittelbar am Umsturz in Kiew beteiligt waren, aus Polen bekamen. Es gab vor dem blutigen Maidan in Kiew eine Reihe von militärischen Ausbildungslagern in Polen und den baltischen Staaten, wo der rechte Sektor für den Straßenkampf trainiert worden war. Das alles wurde mühsam geheim gehalten, auch die vielen Polen, die an der Seite der rechtsradikalen Bataillone im Donbass für die Umsturzregierung in Kiew kämpften.

Schließlich fällt einem noch der intensive Kuschelkurs der polnischen Politik mit Washington und London ein, der klare Akzente gegen die EU enthält, aber vor allem deutlich machte, dass die Polen die wichtigsten Scharfmacher im Ukraine-Konflikt waren und am liebsten die amerikanische Linie des militärisch-industriellen Komplexes für einen ausgedehnten Feldzug im Osten der Ukraine mit amerikanischen Waffen und amerikanischer Militärlogistik gesehen hätten.

Die Bundesregierung und letztlich auch der russische Präsident haben diesen Scharfmachern, die Russland eine Lektion erteilen wollten und von denen nicht wenige immer noch den Traum eines polnischen Großreiches, dass Teile der Westukraine umfasst, träumen, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Polen konnte allerdings schweigen (was sie gut können) und haben sich damals kaum geoutet, als „ungünstiger Weise“ der Friedensprozess in Minsk (nicht in Warschau) in Gang kam.

Jetzt aber lassen sie die Sau raus und sagen, was sie wirklich denken. Wer ein Gedächtnis hat, zieht seine Schlüsse daraus.

„Positives Fazit“:

Hinterrücks läuft in Polen gerade nicht, jetzt bricht die Wahrheit hervor.