Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Zugegeben war der Artikel auf der Website von RT-Deutsch provokativ. Die ehrlich empörten und betont bürgerlichen Pegida-Aktivisten in eine Geistesverwandtschaft mit A. Brevik zu bringen, konnte nicht ohne Reaktion bleiben. Dennoch bringt der Artikel mit dem Titel „Von Brevik zu Pegida“ eine ganze Reihe von Zusammenhängen, die deutlich machen, was in Deutschland im Untergrund so vor sich hin brodelt. Keine schöne Allianz aus Rechten, Konservativen und Nationalisten und vor allem islamfeindlichen Rassisten mit Querfrontlern, die sich da gebildet hat. Was in dem Artikel, der Seltenheitswert hat, auch deutlich wird, ist die Tatsache, dass es sich bei dieser Melange keinesfalls um einen Bodensatz der deutschen Gesellschaft handelt, sondern um eine unterschwellige Allianz vom bürgerlichen Establishment bis hin zum Springerverlag und den ewig Rechtsradikalen bis hin zur NPD.

Die Tatsache, dass die Spielplätze dieser Bewegung vor allem in den neuen Bundesländern liegen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Leute wie Jürgen Elsässer klassisch westgeprägt sind und Teile der ehemaligen Linken in die neue rechte Bewegung integrieren konnten. Genau Elsässer scheint es nun zu sein, der über den RT-Artikel so empört war, dass er die Entlassung der gesamten RT-deutsch-Redaktion gefordert hat. Russland.ru berichtete gerade darüber. Autor ist Roland Bathon.

Elsässer wurde ein erheblicher Einfluss auf RT-deutsch nachgesagt und er ist zugleich Unterstützer der Pegida-Bewegung, hatte den Hintergrund für die Montagsdemonstrationen anlässlich der Ukraine-Krise geliefert und könnte als Querfrontler bezeichnet werden. Es scheint so, als habe er nun in einem Brief eine pegidafreundliche Berichterstattung beim russischen Staatsmedium angemahnt.

Mit welcher Wirkung ist nicht bekannt, aber die Tatsache, dass er das tat, wenn er es tatsächlich so getan hat, spricht dafür, dass RT tatsächlich als Sprachrohr der Rechtsnationalen und Pediga-Leute betrachtet wurde.

Das könnte jetzt vorbei sein.

Schwer zu sagen, wie der Konflikt weiter geht. Aus Sicht des Kremls könnte die rechte deutsche Szene nicht mehr so interessant sein, wie auf dem Höhepunkt der ideologischen Auseinandersetzung mit dem europäischen Mainstream während der Ukraine-Krise. Es wäre denkbar, dass die russische Loyalität mit den deutschen Rechten eher eine Phantasie der Letzteren war und der Kreml möglicherweise einfach nur putinfreundliche Stimmen im Web benötigte. Der Artikel von Bathon weist ein wenig darauf hin.

Dennoch ist dieser Zwist für demokratisch gesinnte Leute eher eine Ermutigung und Hoffnung. Denn die Koalition zwischen Kreml und europäischen Rechtspopulisten machte es äußerst schwer die Anliegen Russlands hierzulande zu verteidigen. Denn wer sieht sich schon gern auf einer Seite mit Rechtspopulisten und Alt-Stalinisten, die auf ein weltoffenes, tolerantes und demokratisches Weltbild allergisch reagieren.

Es lohnt also durchaus, diese Konfliktkonstellation weiter zu verfolgen und zu hoffen, dass sich hier ungute Verbindungen auseinander dividieren. Ob und wie das geschieht, erscheint allerdings ungewiss. Hier der Links zur RT-Deutsch und Russland.ru (beides russische Staatsmedien für das Ausland).