DCHsGQSWsAEGQTdFoto: Twitter 2017

Sönke Paulsen, Gedächtnisbüro Berlin

Die Oppositionsbewegung von Alexeij Nawalny gewinnt an Profil. Nicht etwa, weil es ihm gelänge so viele Menschen auf die Straße zu bringen, sondern weil es ihm, trotz Massenverhaftungen, dieses mal allein in Moskau 400, wiederholt gelingt, Menschen auf die Straße zu bringen.

Die Taktik, in vielen Städten gleichzeitig zu demonstrieren, die auch bei den Protesten im März schon zur Anwendung kam, scheint dabei recht gelungen zu sein. Die westlichen Medien können dabei jedes mal von landesweiten Protesten reden, was so klingt, als würde es sich um Massenproteste handeln. Das ist aber nicht der Fall. Tatsächlich demonstrierten Russlandweit nicht mehr als zehntausend Menschen.

Trotzdem bekommt die Oppostionsbewegung auf diese Weise nicht nur hübsche BIlder von überwiegend jungen, gut angezogenen und intelligent wirkenden Demonstranten, die Bewegung von Nawalny bekommt auch zunehmend ein Gesicht und zwar ein sympathisches Gesicht.

Wer da demonstriert, das zeigen die Bilder auf Twitter ganz deutlich, ist gebildet, jung und entschlossen. Das sind keine Wilden, sondern Hoffnungsträger – auch für Russland!

Wie geht die russische Staatsmacht nun mit solchen Leuten um, die mehr Demokratie fordern und die Korruption, die allgegenwärtig ist, anprangern? Putin täte gut daran, diese jungen Leute zu vereinnahmen und das nicht mit Plastiktüten voller Geschenke und Pionierhemdchen. Die wollen ein offenes Leben, reisen und globale Integration. Alles empfindliche Punkte in der derzeitigen russischen Situation.

Auf dem derzeitigen Niveau der russischen Stagnation wären wenigstens Symbole gefragt, um die Menschen bei der Stange zu halten. Einladungen in den Kreml, öffentliche Diskussionen mit dem Präsidenten und zwar etwas weniger kontrolliert als die anstehende jährliche Fragestunde.

Putin sollte genau auf diese protestierenden, jungen Leute setzen und mit ihnen über Möglichkeiten der Korruptionsbekämpfung sprechen. Medwedjew fallen lassen? Das hängt davon ab, wie stark der russische Präsident sich selbst schon bereichert hat. Sollte Putin hier noch eine relativ weiße Weste haben, könnte er das Risiko eingehen.

Man wird sehen.

Auch die anstehende nächste öffentliche Sendung: Fragen an den Präsidenten, könnte hier Aufschluss bringen, wie Putin mit dieser Opposition mit dem sympathischen Gesicht umgehen will.

Spannend!